Symptome von HIV und Hypochondrie

Symptome von HIV und Hypochondrie • 20. November 2025

Warum habe ich alle Symptome von HIV, obwohl ich HIV-negativ bin?

Ich kenne Menschen, die alle Symptome von HIV haben und dennoch HIV-negativ sind.

Aufgrund chronischer Ängste und der massiven körperlichen Übererregung (Hyperarousal) können Menschen mit HIV-Ängsten sämtliche Symptome der HIV-Primärinfektion ausbilden, obwohl sie definitiv nicht mit HIV infiziert sind.

Diese Symptome haben immer eine psychische Komponente (meist Bindungs- und Entwicklungstraumen), die wiederum zu körperlichen Rückkoppelungsprozessen führt. Der Mensch ist eben ein ökologisches System.


Ich bin Mitarbeiter der Aidshilfe Salzburg und arbeite mit HIV-positiven Personen, aber auch mit Patient*innen, die unter HIV-Ängsten leiden.

Symptome von HIV und Hypochondrie

Was Stress mit dem Körper macht

Angst, Stress und sympathikotone Übererregung führen nach nur wenigen Sekunden zur Ausschüttung von Stresshormonen, zu höherem Bluthochdruck, zu Herzproblemen und zu Verspannungen in der langen Muskulatur, zu Hausausschlägen, Durchfall, Schweißausbrüchen, Nachtschweiß, zu Zittern, Muskelschmerzen, zu Schmerzen im Körper und schweren Verdauungsproblemen. Das Immunsystem wird massiv geschwächt. Diese Zusammenhänge von Körper und Psyche sind viel zu wenig bekannt.

Der Körper wehrt sich gegen etwas, hier gegen Ängste, Stress und Dysregulierung. Je länger Stresshormone ausgeschüttet werden, desto stärker werden die körperlichen Symptome.

Ein Rückschluss von diesen Symptomen auf HIV ist damit völlig vage und deshalb ein falscher Umkehrschluss.


Eine rein somatische Behandlung der Symptome ist dann nicht zielführend. Stattdessen ist eine Psychotherapie das Mittel der Wahl. Denn wir müssen Soma und Psyche immer zusammen betrachten, vor allem weil es heute in der modernen Medizin eine unsägliche Trennung zwischen Körper u. Psyche gibt.

Film: "HIV-Symptome: Kann man HIV erkennen?"

Wer neigt zu falschen HIV-Symptomen, zu HIV-Phobie oder HIV-Hypochondrie?

In meiner Praxis mache ich die Erfahrung, dass viele Betroffene schwere Bindungs- und Entwicklungstraumen in ihrer Biografie erlebt haben. Sie sind dysreguliert und unfähig, sich zu entspannen. Ihr Körper und ihre Psyche befinden sich in einem chronifizierten Alarmzustand (Kampf- oder Fluchtmodus). Oft sind sie Macher und Leister. Sie leiden unter einem permanenten Hyperarousal bis irgendwann gar nichts mehr geht, und der Körper einen völligen Shutdown macht.

Der Körper kann dann nicht mehr: Es kommt zum Zusammenbruch, zu körperlichen Beschwerden, zu völliger Erschöpfung bis hin zum Herzinfarkt.

Das Immunsystem wird dabei stark geschädigt. Die Patient*innen sind anfälliger für Grippeviren, Influenza und Infektionskrankheiten. Dieser Zustand kann deshalb gefährlicher sein als eine tatsächliche Infektion mit HIV.

Doku: "Symptome und Anzeichen von HIV und AIDS"

Unser vegetatives Nervensystem

Unser vegetatives Nervensystem besteht aus dem Sympathikus und seinem Gegenspieler, dem Parasympathikus. Das Nervensystem durchzieht unseren ganzen Körper.

Der Sympathikus aktiviert uns und sorgt für Lebendigkeit und macht uns leistungsfähig. Das ist grundsätzlich einmal gesund und wertvoll, jedoch schädlich, wenn der Sympathikus immer aktiv ist. Es kommt dann zur so genannten sympathikotonen Übererregung. Diese führt zu gefährlichen Herzproblemen und zu einer chaotischen Herzfrequenz-Variabilität, die wiederum massive Furcht und Fluchtimpulse auslöst.

Wenn ich chronisch im Kampf- und Fluchtmodus bin, dann habe ich wiederum mehr Angst, was zu noch mehr körperlichen Beschwerden führt. Alles engt sich dann auf den Angsttunnel ein (hier die Angst vor HIV und AIDS).

Wir sehen keine Lösungen mehr und kommen nicht mehr aus dem Tunnel heraus.

Auch kann es dann zu einem regelrechten Kollaps kommen. Kollaps bedeutet, dass ich zuvor so angespannt und übererregt war, dass ich irgendwann völlig zusammenbreche. Dabei befinden sich noch immer viel Anspannung und Arousal in meinem Körper, sodass ich dieses Kollabieren nicht als erholsam erfahre, sondern noch mehr durch es erschöpft werde. Der Sympathikus ist währenddessen hochgefahren.


Die Stressachse und der Cortisolspiegel

Doch damit nicht genug: Unsere Nieren schütten die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin aus, wenn wir uns im Alarmzustand befinden. Der gesamte Fokus von Körper und Psyche richtet sich nun auf unser physisches Überleben aus.

Bei einer Chronifizierung baut unser Körper ab und wird massiv erschöpft. Man spricht hier auch von "adrenaler Erschöpfung".


Bilde ich mir meine HIV-Symptome denn nur ein?

Diese Frage erhalte ich immer wieder in der HIV-Beratung.

Die Antwort lautet: Nein! Du bildest Dir diese Symptome nicht ein, denn sie sind ja objektiv gegeben und messbar. Allerdings haben Deine Beschwerden nichts mit HIV zu tun, wenn Dein Test negativ ausgefallen ist.

Halte Dir immer vor Augen, dass Deine psychischen Belastungen auch massive Belastungen Deines Autonomen Nervensystems sind und damit Deines gesamten Körpers.


Wie kann man die Angst vor HIV behandeln?

Ich halte hier traumatherapeutische Ansätze für sinnvoll, die viel mit Bindung und Beziehung arbeiten. Das Ziel einer Psychotherapie ist es, sich selbst gut regulieren zu können und in einen guten Kontakt mit den eigenen Bedürfnissen und Emotionen zu kommen. Es geht darum, ein solides Spüren von sich selbst und dem eigenen Körper zu entwickeln und sich selbst ein guter Freund zu werden.

Dabei kann es hilfreich sein, Atemtechniken zur Entspannung anzuwenden.

Auch Körperkontakt kann im Rahmen einer Therapie viel bewirken, da Berührungen das Autonome Nervensystem beruhigen und den Parasympathikus aktivieren.


Wie kann ich lernen, mich zu entspannen?

Entspannung ist ein aktiver Zustand und erfordert zu Beginn viel Übung. Ich mache dabei die Erfahrung, dass ich Herr im eigenen Haus bin.

Folgende Tätigkeiten fördern Entspannungsprozesse:

  • Meditation
  • Erholsamer Schlaf
  • Tanzen
  • Spazieren zu gehen
  • Die Natur zu genießen


Entspannung, Berührungen, Kuscheln, Selbstregulation, Selbstfürsorge und Langsamkeit aktivieren unser Immunsystem. Praktiziere ich nur fünf Minuten Mitgefühl mit mir selbst und Achtsamkeit, so stärkt dies meinen Körper, mein Immunsystem und meine Psyche für mindestens sechs Stunden.

Das Ausleben von Ängsten und Ärger hingegen schädigt Immunsystem, Körper und Psyche für viele Stunden und macht uns krank.

Dies bedeutet, dass es überhaupt nicht hilfreich ist, über HIV-Ängste zu sprechen und diese auszuagieren.

Was ist
von Florian Friedrich 10. Januar 2026
Zu hohe Idealvorstellungen und Klischees, die uns im Weg stehen Viele Menschen haben sehr verkopfte Konstrukte und Konzepte von „Wahrer Liebe“. Emotional betrachtet ist Liebe ein starkes körperliches und seelisches Gefühl, das viele Menschen im Brustraum oder um die Herzgegend, aber auch von Kopf bis Fuß spüren. Viele fühlen Liebe als innere Wärme, als ob eine kleine Sonne aufginge und uns innerlich erstrahlen ließe. Das Gefühl Liebe ist losgelöst von der Sexualität. Dabei kann die Liebe die Sexualität ergänzen, dies ist jedoch nicht immer zwingend der Fall. Das körperliche und emotionale Fühlen von Liebe können wir bei Sexualpartner*innen, aber auch bei Freund*innen, in der Natur, für unsere Kinder, Eltern, Tiere u.v.m. erleben. Das gesellschaftliche Konstrukt „Wahre Liebe“ ist allerdings ein Mythos, denn Liebe ohne Konflikte und Begrenzungen gibt es nur in Märchen oder Hollywoodfilmen kurz vor dem Ende des Streifens. Mit der Realität hat das Ganze wenig zu tun. Ich biete Paartherapie, Paarcoaching und Beratung an, wenn Sie bemerken, dass Sie unter zu hohen und irrealen Idealvorstellungen von "Wahrer Liebe" leiden.
Das Nachlassen der Verliebtheit bei Bindungsstörungen
von Florian Friedrich 10. Januar 2026
Warum trennen sich viele Menschen nach der ersten Verliebtheit zu früh? Idealisierung und Realitätsverzerrung Wenn wir frisch verliebt sind, idealisieren wir oft den/die andere*n, ohne sie/ihn so zu sehen, wie er/sie im tiefsten Innersten wirklich ist und ohne in seinen/ihren authentischen (personalen) Kern zu blicken. Wir sehen sie/ihn dann so, wie wir sie/ihn gerne haben würden. Das Wort „Verliebtheit“ hat sicherlich nicht zufällig die Vorsilbe „ ver- “, weil wir oft irren, wenn wir VERliebt sind, uns etwas vormachen, Frühwarnzeichen nicht beachten oder uns selbst täuschen. Wir leiden in der Verliebtheit unter leichten Symptomen von Realitätsverlust, was uns aber angesichts der vielen Glücks- und Bindungshormone, die der Körper ausschüttet, egal ist. Wir verdrängen in der Regel nur allzu gerne, dass dieser überoptimale Zustand irgendwann auch wieder sein Ende haben wird. In diesem realitätsverzerrten Zustand besetzen wir den anderen Menschen mit Wünschen, Idealvorstellungen und Fantasien, die im Gegenüber gar nicht vorhanden sind. Sogar Unstimmigkeiten und Gegensätze werden positiv gedeutet und idealisiert: „ Gegensätze ziehen sich an “ oder „ wir ergänzen einander “. Diese erste Verliebtheit führt rasch zu einer so starken Bindung, dass sie in der Regel als zu intensiv und damit als anstrengend erlebt wird. Dies ist ein typisches Traumafolgesymptom: Sich immens stark zu binden, bevor wir den/die andere*n gut kennen. Aus diesen Idealisierungen, dem Himmel, wird dann rasch die Hölle. Es kommt zu massiven Kränkungen, Enttäuschungen, zu Ohnmachtserfahrungen und Hass, mit denen die Betroffenen nicht selbstregulierend umzugehen vermögen. Lesen Sie in diesem Artikel, warum Menschen mit Bindungsängsten rasch ihre Partnerschaften beenden, wenn die erste euphorische Verliebtheit schwindet.
Was sehen wir wirklich? Die menschliche Wahrnehmung
von Florian Friedrich 9. Januar 2026
Der Whodunnit Awareness Test und die Wahrgebung Kennst du das? Du siehst ein kurzes Video, bist überzeugt, alles Wesentliche wahrgenommen zu haben – und dann stellt sich heraus: Das Entscheidende ist dir völlig entgangen. Genau das passiert beim sogenannten Whodunnit Awareness Test . Doch was hat das mit Hypnosystemik zu tun? Und warum spricht Gunther Schmidt, der Begründer der Hypnosystemik, in diesem Zusammenhang lieber von Wahr-Gebung statt von Wahrnehmung?
Gratis Psychotherapie/Sexualtherapie bei geringem Einkommen
von Florian Friedrich 8. Januar 2026
Ich biete kostenlose Therapieplätze für Menschen mit geringem Einkommen und Bezieher*innen von Rehabilitationsgeld Wie komme ich zu einem gratis-Therapieplatz? Diese sind für Menschen mit geringem Einkommen oder Rehageld-Bezieher*innen reserviert. Die kostenlosen Therapieplätze sind kontingentiert und werden nach Antragstellung von der ÖGK voll finanziert - ganz ohne Selbstbehalt. Ich biete kostenlose Psychotherapieplätze und Hilfe für wirtschaftlich schwache Menschen und Bezieher*innen von Rehabilitationsgeld an.