Was ist "Wahre Liebe" und gibt es sie? Paarcoaching

Florian Friedrich • 10. Januar 2026

Zu hohe Idealvorstellungen und Klischees, die uns im Weg stehen

Viele Menschen haben sehr verkopfte Konstrukte und Konzepte von „Wahrer Liebe“. Emotional betrachtet ist Liebe ein starkes körperliches und seelisches Gefühl, das viele Menschen im Brustraum oder um die Herzgegend, aber auch von Kopf bis Fuß spüren. Viele fühlen Liebe als innere Wärme, als ob eine kleine Sonne aufginge und uns innerlich erstrahlen ließe. Das Gefühl Liebe ist losgelöst von der Sexualität. Dabei kann die Liebe die Sexualität ergänzen, dies ist jedoch nicht immer zwingend der Fall.

Das körperliche und emotionale Fühlen von Liebe können wir bei Sexualpartner*innen, aber auch bei Freund*innen, in der Natur, für unsere Kinder, Eltern, Tiere u.v.m. erleben.

Das gesellschaftliche Konstrukt „Wahre Liebe“ ist allerdings ein Mythos, denn Liebe ohne Konflikte und Begrenzungen gibt es nur in Märchen oder Hollywoodfilmen kurz vor dem Ende des Streifens. Mit der Realität hat das Ganze wenig zu tun.


Ich biete Paartherapie, Paarcoaching und Beratung an, wenn Sie bemerken, dass Sie unter zu hohen und irrealen Idealvorstellungen von "Wahrer Liebe" leiden.

Was ist wahre Liebe und gibt es sie?

Video: "Wie Liebe und Beziehung gelingen kann - Dami Charf und Leo  Heygster im Gespräch"

Der Kopf führt uns oft weg vom Fühlen und Spüren

Ob Liebe „wahr“ oder „unwahr“ ist, ist keine Frage der Emotion, sondern des Kopfes, also des Verstandes. Emotionen sind immer unmittelbar. Nur wir selbst können Liebe fühlen. Wenn ich Liebe fühle, ist sie somit da und in diesem Sinne wahrhaftig. Wenn ich darüber grüble, ob ich meine*n Partner*in wahrhaft liebe, versuche ich eine Frage des Gefühls (des Herzens) mit den falschen Mitteln, nämlich mit dem Kopf zu lösen. Ich sollte mich dann achtsam hinsetzen und in meinen Körper hineinspüren und -fühlen, ob ich Liebe empfinde, wenn ich an den bestimmten Menschen denke.

Liebe wird übrigens viel subtiler als die berauschende Verliebtheit erlebt. Viele Menschen, die Verliebtheit mit Liebe verwechseln, beenden eine Partnerschaft, wenn die Verliebtheit abflacht - oft zu früh, denn sie geben sich dann keine Chance für die realitätsnähere Liebe.


Und was ist der Unterschied zwischen Verliebtheit und Liebe?

Der Unterschied zwischen Verliebtheit und Liebe liegt vor allem in Tiefe, Dauer und Stabilität der Gefühle – auch wenn sich beides manchmal ähnlich anfühlt.


Verliebtheit

  • Intensiv und euphorisch: starke Gefühle, Herzklopfen, „Schmetterlinge im Bauch“
  • Fokus auf Idealisierung: man sieht vor allem die positiven Seiten, Schwächen werden ausgeblendet
  • Kurz- bis mittelfristig: oft hormonell geprägt (Dopamin, Adrenalin)
  • Stark ich-bezogen: „Wie fühle ich mich mit dieser Person?“
  • Unsicher: starke Höhen, aber auch Abstürze möglich

Verliebtheit ist häufig der Anfang einer Beziehung.


Liebe

  • Ruhiger, tiefer, stabiler: weniger Drama, mehr Vertrauen
  • Realistisch: man kennt Stärken und Schwächen und akzeptiert sie
  • Langfristig: basiert auf Bindung (Oxytocin), Respekt und Nähe
  • Wir-bezogen: „Was tut uns gut?“
  • Verbindlich: Verantwortung, Fürsorge, Loyalität

Liebe entsteht oft aus Verliebtheit, aber nicht jede Verliebtheit wird Liebe.



Kurz gesagt:

  • Verliebtheit = Feuer
  • Liebe = Glut, die wärmt, auch wenn es ruhig ist

Film: "8 deutliche Anzeichen, dass es keine wahre Liebe ist"

Kurzfilm von Psychologie im Alltag über schädliche Beziehungen und unechte Liebe.

Posttraumatische Belastungskompetenz
von Florian Friedrich 15. Januar 2026
Wenn aus Überleben Verbundenheit entsteht Traumatische Erfahrungen können das Leben eines Menschen grundlegend erschüttern. Sie greifen tief in das Erleben von Sicherheit, Beziehung, Identität und Sinn ein. Wird aus dieser Erschütterung eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) , stehen meist Symptome, Defizite und Einschränkungen im Vordergrund: Flashbacks, Übererregung, Vermeidung, emotionale Taubheit, Beziehungsabbrüche. Doch neben dem oft langjährigen Leid entwickeln viele Menschen, die sich intensiv mit ihrer PTBS auseinandergesetzt haben, von einer neuen Tiefe, einer veränderten Art, sich selbst und anderen zu begegnen, von gewachsenen inneren Fähigkeiten. Diese Entwicklung lässt sich als Posttraumatische Belastungskompetenz beschreiben.
Trauma nach einer Brandkatastrophe: Was hilft?
von Florian Friedrich 14. Januar 2026
Wie du einer PTBS vorbeugen kannst (inklusive Selbsthilfemethoden aus dem Somatic Experiencing®) Aus aktuellem Anlass ( Brandkatastrophe von Crans-Montana ) möchte ich hier über ein paar psychische Erste-Hilfe-Maßnahmen schreiben. Einen schweren Unfall oder eine Brandkatastrophe mitzuerleben – etwa Schreie zu hören, Brandgeruch wahrzunehmen oder Bilder von brennenden Menschen zu sehen – kann tief erschüttern - übrigens auch dann, wenn wir lediglich Videos im Internet und in den Medien davon sehen. Viele Betroffene und Zeug*innen sind im Nachhinein verunsichert von ihren Reaktionen. Wichtig i st: Starke körperliche und seelische Reaktionen sind normale Antworten auf ein extremes Ereignis. Sie bedeuten nicht, dass du durchdrehst oder zwangsläufig eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln wirst. Dieser Artikel erklärt, warum Flashbacks auftreten, was in den ersten Tagen und Wochen hilft, und wie Selbsthilfemethoden aus dem Somatic Experiencing (SE) die Verarbeitung unterstützen können. Übrigens soziale Unterstützung schützt stark und ist einer der wichtigsten präventiven Wirkfaktoren, um keine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln. Menschen, die: über das Erlebte sprechen können emotionalen Rückhalt bekommen körperlich und emotional gehalten werden sich verstanden und ernst genommen fühlen haben ein deutlich geringeres PTBS-Risiko . Soziale Bindung wirkt wie ein Puffer gegen traumatische Überforderung.
Das Nachlassen der Verliebtheit bei Bindungsstörungen
von Florian Friedrich 10. Januar 2026
Warum trennen sich viele Menschen nach der ersten Verliebtheit zu früh? Idealisierung und Realitätsverzerrung Wenn wir frisch verliebt sind, idealisieren wir oft den/die andere*n, ohne sie/ihn so zu sehen, wie er/sie im tiefsten Innersten wirklich ist und ohne in seinen/ihren authentischen (personalen) Kern zu blicken. Wir sehen sie/ihn dann so, wie wir sie/ihn gerne haben würden. Das Wort „Verliebtheit“ hat sicherlich nicht zufällig die Vorsilbe „ ver- “, weil wir oft irren, wenn wir VERliebt sind, uns etwas vormachen, Frühwarnzeichen nicht beachten oder uns selbst täuschen. Wir leiden in der Verliebtheit unter leichten Symptomen von Realitätsverlust, was uns aber angesichts der vielen Glücks- und Bindungshormone, die der Körper ausschüttet, egal ist. Wir verdrängen in der Regel nur allzu gerne, dass dieser überoptimale Zustand irgendwann auch wieder sein Ende haben wird. In diesem realitätsverzerrten Zustand besetzen wir den anderen Menschen mit Wünschen, Idealvorstellungen und Fantasien, die im Gegenüber gar nicht vorhanden sind. Sogar Unstimmigkeiten und Gegensätze werden positiv gedeutet und idealisiert: „ Gegensätze ziehen sich an “ oder „ wir ergänzen einander “. Diese erste Verliebtheit führt rasch zu einer so starken Bindung, dass sie in der Regel als zu intensiv und damit als anstrengend erlebt wird. Dies ist ein typisches Traumafolgesymptom: Sich immens stark zu binden, bevor wir den/die andere*n gut kennen. Aus diesen Idealisierungen, dem Himmel, wird dann rasch die Hölle. Es kommt zu massiven Kränkungen, Enttäuschungen, zu Ohnmachtserfahrungen und Hass, mit denen die Betroffenen nicht selbstregulierend umzugehen vermögen. Lesen Sie in diesem Artikel, warum Menschen mit Bindungsängsten rasch ihre Partnerschaften beenden, wenn die erste euphorische Verliebtheit schwindet.
Was sehen wir wirklich? Die menschliche Wahrnehmung
von Florian Friedrich 9. Januar 2026
Der Whodunnit Awareness Test und die Wahrgebung Kennst du das? Du siehst ein kurzes Video, bist überzeugt, alles Wesentliche wahrgenommen zu haben – und dann stellt sich heraus: Das Entscheidende ist dir völlig entgangen. Genau das passiert beim sogenannten Whodunnit Awareness Test . Doch was hat das mit Hypnosystemik zu tun? Und warum spricht Gunther Schmidt, der Begründer der Hypnosystemik, in diesem Zusammenhang lieber von Wahr-Gebung statt von Wahrnehmung?