Freikirchen und Religionen - Kann man Homosexualität heilen?

Florian Friedrich • 25. Juli 2025

Psychologische Hilfe und Psychotherapie in Salzburg, Wien, Hamburg und München

Ich biete psychologische Hilfe, Beratung und Unterstützung für homosexuelle/bisexuelle Menschen und LGBTIQA* aus Religionen und Freikirchen an - auch online.


Gefühle können nie falsch sein, sie sind. Deshalb kann man auch keine sexuelle Orientierung heilen. Lesen Sie hier meinen kritischen Kommentar zur Konversionstherapie von Homosexualität.

Freikirchen und Religion - Kann man Homosexualität heilen?

Mein Leserkommentar

Zum Artikel auf DER STANDARD:


Die Therapie der Homosexualität (Konversionstherapie) ist verboten

Menschen ihre Gefühle auszureden und ihnen zu vermitteln, dass ihre primären Emotionen und Bedürfnisse falsch seien, gilt in der Psychologie als psychische Gewalt. In der Psychotherapie sind Konversionstherapien heute verboten. Konversionstherapien haben das Ziel, aus gleichgeschlechtlich empfindenden Menschen Heterosexuelle zu machen. Dies ist nur mit Gehirnwäsche und der Manipulation von starken Ängsten und Schuldgefühlen möglich. Wer dies heute noch tut und Homosexualität zu heilen verspricht, riskiert als Psychotherapeut zurecht ein Berufsverbot.

In anderen gesellschaftlichen Bereichen jedoch, etwa in Kirchen und Religionsgemeinschaften, werden Konversionstherapien noch immer fleißig praktiziert. Das kann für die betroffenen Menschen schädlich und traumatisierend sein, vor allem dann, wenn die Botschaft von Vertrauenspersonen und/oder geliebten Menschen ausgeht. Die maligne Botschaft lautet dann: "Wir lieben Dich. Allerdings lieben wir Dich nicht so, wie Du bist, denn Deine Bedürfnisse, Gefühle und Emotionen sind falsch. Du bildest Dir nur ein, dass Du diese Bedürfnisse nach gleichgeschlechtlicher Liebe und Sexualität hast. Gott und die Bibel wissen es besser".

Filmtipp: "Undercover in der Konversionstherapie"

Das falsche Selbst

Auf diese Weise kann sich ein falsches Selbst entwickeln. In der Existenzanalyse sprechen wir von einem Leben, das apersonal gelebt wird. Der/die Betroffene errichtet eine Fassade, spürt seine Bedürfnisse und Emotionen kaum noch (das darf er schließlich auch gar nicht, denn diese seien ja falsch) und wird umso anfälliger für Ideologien, radikale Weltbilder und Schwarz-Weiß-Schemata. Später wird er/sie dann zum Rationalisieren neigen und seine/ihre Kränkungen, Verletzungen und Traumatisierungen an andere weitergeben oder durch verschiedene Abwehrmechanismen überkompensieren.

Wie wichtig wäre hier eine authentische Beziehung zu den jungen Menschen, die ihnen Raum und Zeit gibt, die sie ernst nimmt und sie fragt, was ihre ureigenen Bedürfnisse sind, was sie fühlen, ob sie sich schon mal in einen Menschen des gleichen Geschlechts verliebt haben, ja, aber auch, ob sie sexuelle Bedürfnisse für das gleiche Geschlecht empfinden, was sie erotisch, lustvoll und auch geil am selben Geschlecht erleben, wie sie diese Bedürfnisse und Gefühle in ihren Lebensweg integrieren könnten.

Diese Fragen sollten fernab von der aktuellen sexuellen Leistungsideologie gestellt werden, die Gefahr läuft, ihrerseits zu unauthentischen, apersonalen Verhaltensweisen zu führen und repressiv zu werden. Die Fragen sollten vielmehr einen Freiraum zur Entfaltung und zum Bergen der primären Bedürfnisse und Emotionen eröffnen, um zu einem authentischen Selbst und Leben zu finden.


Ideologien sind infektiös

Meine eigenen Gegenübertragungen zu dieser Haltung sind sehr differenziert. Einerseits fühle ich Wut und Zorn ob der Grenzüberschreitung der psychisch missbräuchlichen Täter*innen. Andererseits habe ich im Bekanntenkreis Menschen aus Freikirchen, die ich gerne habe, die aber just diese Meinung und Rationalisierung vertreten (Homosexualität sei eine Sünde, sie sei ein falsches und schlechtes Gefühl, das Bedürfnis dürfe keinesfalls ausgelebt werden, denn der "Mann sei auf die Frau hingeordnet und die Frau auf den Mann" - unabhängig davon, was beide fühlen). Mit diesen Menschen verstehe ich mich im Alltag oft gut, lasse mich aber auf keine ideologischen Diskussionen mehr ein, weil das nur zu Verhärtungen und weiteren Rationalisierungen führen würde, die uns immer noch weiter vom authentischen Fühlen und Spüren bringen würden.


Auf DER STANDARD finden sich viele andere Kommentare, die entweder die eine oder die andere Position vertreten und zum Teil sehr verbittert, hasserfüllt und ihrerseits rationalisierend anklingen. Auch hier ist von einem authentischen Fühlen oft wenig zu spüren. Ideologien stecken offensichtlich an.


Fazit:

Homosexualität/Bisexualität ist nicht heilbar. Daher existiert heute zurecht ein Verbot jeder Konversionstherapie.

Film: "We Went To Gay Conversion Therapy Camp"

Psychische und emotionale Gewalt - Psychologische Hilfe
von Florian Friedrich 22. Januar 2026
Die Bedürftigkeit und das Leiden von Narzissten Wie ticken narzisstische Personen? Narzisstische Menschen müssen immer als großartig anerkannt werden und benötigen permanent Bewunderung. Sobald sie sich als durchschnittlich erleben, bekommen sie immense Angst, die Aufmerksamkeit und Wertschätzung ihrer Mitmenschen, die sie so dringend benötigen, zu verlieren. Kränkungen, auch alltägliche, können zu schweren Depressionen, ja sogar zur Suizidalität führen. Narzisstische Menschen sind beeinträchtigt, wenn es um das Spüren des Eigenen, des Persönlichen geht. Ein narzisstischer Mensch darf nicht er selbst sein. Das behindert wiederum die Entwicklung des Selbstwerterlebens. Eine narzisstische Person, vor allem dann, wenn der Narzissmus stark ausgeprägt ist (etwa bei einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung) kann ihre eigenen Schwächen nicht wahrnehmen und diese in ihre erwachsene Identität integrieren. Sie muss sie verleugnen und kann nicht zu ihnen stehen, denn sie fürchtet den Verlust ihres Ansehens, wenn sie nicht ihren viel zu hohen Idealen entspricht und diese zusammenbrechen. Dies könnte wiederum zu einer suizidalen Krise führen. Emotionaler Missbrauch und psychische Gewalt sind gefährlich für Psyche und Körper. Ich biete psychologische Hilfe, Beratung und Psychotherapie an, wenn Sie mit einem Narzissten/einer Narzisstin zu tun haben und emotionale Gewalt erleben.
Posttraumatische Belastungskompetenz
von Florian Friedrich 15. Januar 2026
Wenn aus Überleben Verbundenheit entsteht Traumatische Erfahrungen können das Leben eines Menschen grundlegend erschüttern. Sie greifen tief in das Erleben von Sicherheit, Beziehung, Identität und Sinn ein. Wird aus dieser Erschütterung eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) , stehen meist Symptome, Defizite und Einschränkungen im Vordergrund: Flashbacks, Übererregung, Vermeidung, emotionale Taubheit, Beziehungsabbrüche. Doch neben dem oft langjährigen Leid entwickeln viele Menschen, die sich intensiv mit ihrer PTBS auseinandergesetzt haben, von einer neuen Tiefe, einer veränderten Art, sich selbst und anderen zu begegnen, von gewachsenen inneren Fähigkeiten. Diese Entwicklung lässt sich als Posttraumatische Belastungskompetenz beschreiben.
Trauma nach einer Brandkatastrophe: Was hilft?
von Florian Friedrich 14. Januar 2026
Wie du einer PTBS vorbeugen kannst (inklusive Selbsthilfemethoden aus dem Somatic Experiencing®) Aus aktuellem Anlass ( Brandkatastrophe von Crans-Montana ) möchte ich hier über ein paar psychische Erste-Hilfe-Maßnahmen schreiben. Einen schweren Unfall oder eine Brandkatastrophe mitzuerleben – etwa Schreie zu hören, Brandgeruch wahrzunehmen oder Bilder von brennenden Menschen zu sehen – kann tief erschüttern - übrigens auch dann, wenn wir lediglich Videos im Internet und in den Medien davon sehen. Viele Betroffene und Zeug*innen sind im Nachhinein verunsichert von ihren Reaktionen. Wichtig i st: Starke körperliche und seelische Reaktionen sind normale Antworten auf ein extremes Ereignis. Sie bedeuten nicht, dass du durchdrehst oder zwangsläufig eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln wirst. Dieser Artikel erklärt, warum Flashbacks auftreten, was in den ersten Tagen und Wochen hilft, und wie Selbsthilfemethoden aus dem Somatic Experiencing (SE) die Verarbeitung unterstützen können. Übrigens soziale Unterstützung schützt stark und ist einer der wichtigsten präventiven Wirkfaktoren, um keine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln. Menschen, die: über das Erlebte sprechen können emotionalen Rückhalt bekommen körperlich und emotional gehalten werden sich verstanden und ernst genommen fühlen haben ein deutlich geringeres PTBS-Risiko . Soziale Bindung wirkt wie ein Puffer gegen traumatische Überforderung.
Was ist
von Florian Friedrich 10. Januar 2026
Zu hohe Idealvorstellungen und Klischees, die uns im Weg stehen Viele Menschen haben sehr verkopfte Konstrukte und Konzepte von „Wahrer Liebe“. Emotional betrachtet ist Liebe ein starkes körperliches und seelisches Gefühl, das viele Menschen im Brustraum oder um die Herzgegend, aber auch von Kopf bis Fuß spüren. Viele fühlen Liebe als innere Wärme, als ob eine kleine Sonne aufginge und uns innerlich erstrahlen ließe. Das Gefühl Liebe ist losgelöst von der Sexualität. Dabei kann die Liebe die Sexualität ergänzen, dies ist jedoch nicht immer zwingend der Fall. Das körperliche und emotionale Fühlen von Liebe können wir bei Sexualpartner*innen, aber auch bei Freund*innen, in der Natur, für unsere Kinder, Eltern, Tiere u.v.m. erleben. Das gesellschaftliche Konstrukt „Wahre Liebe“ ist allerdings ein Mythos, denn Liebe ohne Konflikte und Begrenzungen gibt es nur in Märchen oder Hollywoodfilmen kurz vor dem Ende des Streifens. Mit der Realität hat das Ganze wenig zu tun. Ich biete Paartherapie, Paarcoaching und Beratung an, wenn Sie bemerken, dass Sie unter zu hohen und irrealen Idealvorstellungen von "Wahrer Liebe" leiden.