Mag. Florian Friedrich, BA

Psychotherapie, Beratung und Coaching


Wichtig: Ich bin in meiner Praxis voll und kann daher keine Ersttermine

 für neue Klient*innen anbieten.

Essstörungen: Erste Hilfe bei Binge-Eating/Essanfällen

Florian Friedrich • 6. Mai 2024

Was ist Binge-Eating?

Beim Binge-Eating handelt es sich um wiederholte Essanfälle, die als unfreiwillig erlebt werden. Die betroffenen Personen nehmen dabei gewaltige Mengen an Nahrung zu sich (etwa mehrere Torten), führen aber – im Gegensatz zur Essstörung der Bulimie – kein Erbrechen herbei. Beim Binge-Eating handelt es sich um eine Essstörung, welche zur Folge hat, dass die betroffenen Menschen schnell an Gewicht zunehmen. Die Menschen erleben sich als dem Essanfall ausgeliefert, wie unter einem inneren, gigantischen Zwang, große Mengen an Essen in sich hineinzustopfen und die Kontrolle über das Essverhalten (was und wie viel ich esse) zu verlieren. Danach fühlen die davon betroffenen Personen meist Scham, Selbstekel, schwere Schuldgefühle, Depressionen oder Selbsthass.

Erfahren Sie in diesem Beitrag Tipps, was Ihnen als Erste Hilfe helfen kann, gut mit sich selbst umzugehen, wenn der Essanfall zu Besuch ist.


Ich biete Psychotherapie bei Essstörungen (Magersucht, Bulimie, Binge-Eating) an.

Essstörungen: Erste Hilfe bei Binge-Eating/Essanfällen

Film: "Binge-Eating-Störung: Wenn die Esssucht das Leben bestimmt"

Kennzeichen von Essanfällen sind:

  • Die betroffenen Personen essen während der Essanfälle schneller und unachtsamer als sie das normalerweise tun, wenn sie das Essen mehr genießen.
  • Die Betroffenen stoppen ihren Essanfall erst dann, wenn sie sich unangenehm voll fühlen, also lange nach dem Sättigungsgefühl.
  • Die Essanfälle kommen auch dann zu Besuch, wenn die Menschen keinen Hunger oder Appetit haben.
  • Die betroffenen Personen schämen sich dabei sosehr, sodass sie alleine sind und verheimlichen ihre Essattacken vor ihren Mitmenschen.
  • Menschen leiden unter ihrer Binge-Eating-Störung und greifen nur selten zu hilfreichen Mitteln wie Bewegung und Sport.


Wie kann ich Essanfälle behandeln oder vermeiden?

Es gibt zahlreiche wirkungsvolle verhaltenstherapeutische Methoden, mit denen sich diese Essstörung gut behandeln lässt, etwa:

  • genussvolles Essen zu lernen
  • Wochenpläne zu machen
  • auf Diäten zu verzichten
  • sich bewusst Süßes und „Verbotenes“ zu gönnen
  • regelmäßig kleine Mengen an Nahrung zu sich zu nehmen
  • ein gesundes Essverhalten zu trainieren
  • Sport und Bewegung zu machen
  • rigide Ernährungsregeln aufzugeben
  • freundlicher mit sich selbst umzugehen
  • angenehmen und belohnenden Aktivitäten nachzugehen
  • eine positive Selbstfürsorge zu entwickeln
  • Hilfreich kann es auch sein, sich fünf Minuten lange vor den Kühlschrank zu stellen und sich zu sagen "Gleich lass ich mich von meinen Impulsen versklaven, oder nicht?". Wichtig ist hierbei, dass sie Ihre Hände ausstrecken und die Handflächen nach außen richten. Dies aktiviert und bahnt nämlich Kompetenzen der Abgrenzung und der Autonomie und gibt uns das Gefühl, mehr inneren Raum zu haben, sodass wir besser mit unseren Impulsen umzugehen vermögen. Diese Methode aus dem Embodiment, genannt "Handflächenparadigma", verdanke ich dem Hypnosystemiker Gunther Schmidt. Eine andere Körperhaltung und körperliche Musterunterbrechung kann uns somit unterstützen, weniger oder bewusster zu essen.


Freiwillige Essanfälle

Die Existentielle Schienung: Wenn ich freiwillig dem Essanfall vorausgehe

Wenn alle Stricke reißen, dann gibt es auch noch folgende Möglichkeit: Ich erlaube mir den Essanfall, esse also freiwillig große Mengen und akzeptiere mich dabei so, wie ich bin. Bevor der Druck zu essen so stark wird, dass ich ihm nachgeben muss und ich mich total ausgeliefert fühle, tue ich es lieber mit innerer Zustimmung. Ich kann einen Essanfall auch freiwillig tun und nehme ihm dadurch den Charakter der Sucht bzw. des inneren Zwangs. Ich motiviere mich dabei mit innerer Einsicht selbst, ganz große Mengen zu essen.

Der Grund dieser Freiwilligkeit ist, dass ich dabei eine liebevolle, selbstannehmende Haltung üben kann, die ja gerade bei Menschen, die unter der Binge-Eating-Störung leiden, in der Regel fehlt. Ich stärke dabei die Beziehung zu mir selbst, halte meine innere Freiheit aufrecht und mache dabei die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Ich begebe mich aus der Opferrolle meiner Essanfälle und kann sogar mit den Symptomen spielen.


Selbstdistanzierung und Selbstwirksamkeit beim Essen

Es handelt sich hierbei um eine Form von Selbstdistanzierung, um dem Aufschaukeln der Essattacken entgegenzuwirken. Dabei erlebe ich weniger Versagen, Enttäuschung und Depressivität, sondern ein Mehr an innerer Freiheit und Distanz zu meinem Symptom, dem Binge-Eating.

Einerseits geht es um das Aushalten des Hungers und der Impulse, dem Heißhunger nachzugeben, andererseits führe ich den Essanfall freiwillig durch. Dieser Wechselschritt kann mir helfen, besser und gestärkter mit mir selbst umzugehen, und mein Lebensraum wird dadurch geweitet. Ich erlebe dann innere personale Freiheit trotz des Zwanges bzw. der Sucht, zu essen.

In der Existenzanalyse gibt es das Motto: „Ich soll nicht mehr tun, als ich kann“. Dann esse ich halt eine ganze Malakofftorte und dann noch einen Kuchen, aber ich tue es mit innerer Zustimmung, mache es mir dabei schön, zünde mir etwa eine Kerze an, sorge für eine angenehme Atmosphäre während des Essens.


Paradoxe Essanfälle und Harm Reduction

Ich nehme dabei mein Binge-Eating als ein Symptom an, das ich heute, in dieser Stunde, dringend brauche und das manchmal auch einen schicksalhaften Charakter hat. Dabei handelt es sich um „Harm Reduction“, also um eine Verminderung des Leides und der inneren Not. Dieses paradoxe Vorgehen ist immerhin besser als mich unfreiwillig der Essattacke hinzugeben und auszuliefern und wieder einmal die Erfahrung zu machen, dass ich scheitere. Ich lasse mich, wenn ich freiwillig extrem viel esse, selbst nicht im Stich, stehe dabei zu mir und zu meinem Heißhunger und nehme mich jetzt, in diesem Moment, einmal so an, wie ich bin. Das muss ich nicht mögen, aber ich kann versuchen, mich radikal zu akzeptieren.

Existentiell und für das Leben gesehen ist es wichtiger, sich nicht im Stich zu lassen und zu mir zu stehen, als keinen Essanfall zu haben.


Der Ablauf eines freiwilligen Essanfalls kann folgender sein:

  1. Ich beuge dem Rückfall vor, indem ich dem Binge-Eating freiwillig vorweggehe. Ich lebe den Heißhunger mit innerer Zustimmung aus, anstatt dass ich dadurch gezwungen werde. Ich achte allerdings dabei, wie ich den Essanfall erlebe und übe, mich dabei selbst anzunehmen und mir die innere Zustimmung zu geben. Das Ganze kann wie ein Urlaub vom innerlich-gegen-sich-selbst-Ankämpfen sein. Ich achte dabei aber trotzdem genau auf meinen Körper, meinen Hunger, und erlebe mein Binge-Eating solange, bis es ekelhaft, schmerzhaft oder uninteressant wird.
  2. Der zweite Schritt (dieser sollte an einem anderen Tag sein), ist ein bewusstes Dagegenhalten gegen das Essen. Ich versuche es, solange es geht, und gebe dem Binge-Eating nicht nach. Ich erlebe dieses Opponieren ganz bewusst und beobachte mich mit innerer Distanz: Was tut sich da in mir?
  3. Wenn ich es nicht mehr aushalte, dann verschreibe ich mir wieder freiwillig mein Symptom, den Essanfall.
Diagnostik aus hypnosystemischer Sicht
von Florian Friedrich 21. März 2025
Diagnosen sagen nichts über unsere Klient*innen aus Als Hypnosystemiker erlebe ich Diagnosen meist als trivialisierend und als eine die Komplexität reduzierende Vernichtung von Informationen. Zudem werden Diagnosen überwiegend völlig blind für den Kontext gestellt, in dem ein Symptom auftritt. Ziel dienlich sind Diagnosen aus hypnosystemischer Sicht dann, wenn Patient*innen sie wollen, weil sie dadurch Entlastung erfahren (was ich dann wieder utilisieren kann), oder eben für die Krankenkassen und Sozialversicherungsträger. Der Begründer der Hypnosystemik Gunther Schmidt erwähnt etwas augenzwinkernd, dass sich seine Klient*innen eine der häufigsten Diagnosen (etwa "mittelgradige depressive Episode") selbst auswählen dürfen (sie können aber auch ausgewürfelt werden), wobei wir die Diagnosen dann zusammen mit unseren Klient*innen auf möglicherweise negative Auswirkungen überprüfen sollten. 
Die Polyvagaltheorie in der Traumatherapie
von Florian Friedrich 20. März 2025
Was ist die Polyvagaltheorie? Die Polyvagaltheorie geht auf den Psychiater Stephen W. Porges zurück. Sie beschreibt eine neue Sichtweise auf das Autonome Nervensystem . Dieses scannt permanent unsere Umwelt und andere Menschen ab, ob wir sicher oder bedroht sind. Jener Vorgang ist unwillkürlich und ist uns meist völlig unbewusst. Sicherheit ist für uns im Leben das Wichtigste. Das Parasympathische Nervensystem teilt sich noch einmal auf und hat ein soziales Nervensystem , den ventralen Vagus, als Zweig. Dieses wird durch Traumata massiv beeinflusst und arbeitet dann anders. Das Soziale Nervensystem wird durch die Beziehung, Fürsorge und Coregulation unserer Eltern bzw. ersten Bezugspersonen gut ausgebildet und kann dann effektiv und optimal arbeiten. Übrigens: Die Polyvagaltheorie ist in der Wissenschaft umstritten und konnte bis heute empirisch nicht nachgewiesen werden . Das ändert aber nichts an der Praxis der modernen Traumatherapie. In der praktischen Umsetzung hilft die Polyvagaltheorie, und wer heilt, der hat bekanntlich recht.
Hypnosystemische Psychotherapie und Beratung
von Florian Friedrich 18. März 2025
Beratung, Coaching und Therapie mit hypnosystemischen Ansätzen Der hypnosystemische Ansatz von Gunther Schmidt ist ein wissenschaftlich-fundierter Ansatz für Beratung, Coaching, Therapie und Organisationsentwicklung. Er arbeitet mit Erkenntnissen der modernen Hirn- und autobiografischen Gedächtnisforschung, der Systemtheorie, der Hypnose und der Hypnotherapie, der Embodiment-Forschung und der Priming-Forschung. Gunther Schmidt hat aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen der verschiedenen Disziplinen ein breites Repertoire an Methoden, Techniken und Tools entwickelt, wobei er immer postuliert: " Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie ". Zugleich ist die Hypnosystemik auch eine Haltung zur Welt und zu den Mitmenschen, die weit über Techniken hinausgeht. Denn wer nur mit Tools arbeitet, der " wird rasch zum Tooligan " (Schmidt). Ich biete hypnosystemische Psychotherapie und Beratung in Salzburg / Hamburg an.
Symptome aus hypnosystemischer Sicht
von Florian Friedrich 18. März 2025
Symptome sind wertvolle Botschafter von Bedürfnissen Aus hypnosystemischer Sicht (Gunther Schmidt) sind Symptome immer wichtige Rückkopellungsinformationen über nicht beachtete Bedürfnisse. Beispiel: Hubert ist schwul und unterdrückt seine Bedürfnisse nach Liebe, Erotik, Zärtlichkeit und Sexualität. Da dieses Unterdrücken viel Kraft und Lebensenergie kostet, wird Hubert zunehmend depressiver und suizidal. Seine Depressionen und seine Lebensmüdigkeit weisen ihn darauf hin: "Lebe Dein Leben, hör auf Deine homosexuellen Bedürfnisse" Lesen Sie in diesem Artikel über Symptome aus hypnosystemischer Sicht.
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