Trans*Identität / Transsexualität / non-binary - Salzburg/Hamburg

Florian Friedrich • 23. November 2025

Psychotherapie und psychologische Beratung für trans*Personen

Salzburg, Wien, Hamburg

In den letzten Jahren gibt es immer mehr trans* und non-binäre Personen, die psychotherapeutische Begleitung im Prozess der Transition suchen. Dies hat sicher auch damit zu tun, dass unsere Gesellschaft mittlerweile offener geworden ist und trotz aller trans*Phobie mehr Räume für Diversität und trans*Identitäten schafft. Das hilft trans*identen Menschen, sich zu öffnen und sich ihre Andersartigkeit einzugestehen.


Ich biete Begleitung für trans*Menschen auf ihrem Weg der Angleichung an das Gegengeschlecht, während der Transition und Hilfe beim Finden der eigenen Geschlechtsidentität. Zudem schreibe ich Befundberichte, welche für das fachärztliche Gutachten notwendig sind.

Transidentität / Transsexualität / Transgender - Psychotherapie

Trans*Identität - eine gesunde Seinsweise

Menschen, die trans* sind, fühlen sich sozial und/oder auf körperlicher Ebene dem anderen Geschlecht zugehörig. Manche erleben sich auch zwischen den Geschlechtern (non binär oder genderfluid) oder mehreren Geschlechtern angehörig. Trans*Identität (früher: "Transsexualität") ist weder eine psychische Störung noch eine Pathologie. Vielmehr ist dieses Phänomen eine gesunde Spielart menschlicher Identität. Zu allen Zeiten und in allen Kulturen gab und gibt es Menschen, welche ihre soziale Geschlechterrolle transzendieren. 

Bis zu fünf Prozent aller Menschen erleben sich als trans*, als non-binary oder geschlechtsinkongruent. Wir müssen jedoch davon ausgehen, dass eine hohe Dunkelziffer hinzukommt. 


Trans*Identität ist eine Form der hirnphysiologischen inter*Geschlechtlichkeit

Geschlechtsidentitäten sind hirnphysiologisch verankert, weshalb sie als eine Form der inter*Sexualität betrachtet werden können. Somit ist die Geschlechtsidentität ein biologisches Geschlechtsmerkmal, da das menschliche Gehirn ein Teil der Physiologie und damit biologisch ist. Mit diesem Argument ließe sich auch der Geschlechtseintrag "divers" für trans*Personen rechtfertigen, welcher bis jetzt nur inter*Personen vorbehalten ist.

Bestimmte Hirnareale von trans*Frauen ähneln nämlich den typischen Hirnstrukturen von biologischen Frauen, bestimmte Areale des Gehirns von trans*Männern denen von biologischen Männern. Es existiert definitiv eine genetische oder zumindest vorgeburtliche hirnphysiologische Disposition der Geschlechtsidentität und damit der Geschlechtsinkongruenz. Diese Hinweise belegen auch Zwillingsstudien. Geschlechtsidentität ist ein hirnorganisches, inneres Konzept und damit physiologisch verankert.


Operative Maßnahmen zur Geschlechtsangleichung

Beinahe alle trans*identen Burschen und trans*Männer sehnen sich eine Mastektomie sehnlichst herbei, weil sie so sehr unter ihren weiblichen Brüsten leiden. Viele trans*Mädchen oder trans*Frauen streben eine operative Entfernung von Hoden und Penis und die Bildung einer Neovagina an.

Eine Aussöhnung mit diesen Geschlechtsmerkmalen ist fast nie möglich und kann auch nicht das Ziel einer Psychotherapie oder Beratung sein.


Psychologische Begleitung

Einer meiner Arbeitsschwerpunkte ist die Begleitung von trans*Menschen auf Ihrem Weg der Anpassung an das Gegengeschlecht bzw. auf ihrem Weg der Selbstfindung. Trans* steht für transident, transsexuell, transgender, non-binary, genderfluid, polygender, agender und vieles mehr.

Die meisten trans*Menschen sind psychisch durchschnittlich gesund, genauso gesund wie geschlechtseuphorische Menschen eben. Dennoch sehen die aktuellen Behandlungsrichtlinien vor, dass trans*Personen therapeutisch und psychologisch zumindest mehrere Monate lang begleitet werden müssen. Nur dann dürfen sie mit hormonellen und chirurgischen Maßnahmen zur Angleichung an ihr Wunschgeschlecht beginnen. Für trans*Personen, die sich ihrer Identität absolut sicher sind, können die aktuellen Behandlungsleitlinien sehr kränkend sein.



Selbstfindung

Unter Selbstfindung verstehe ich u.a. das Finden der eigenen geschlechtlichen Identität. Das kann auch bedeuten, sich nicht einem binären Verständnis von Geschlecht einzuordnen, also sich irgendwo zwischen den Geschlechtern zu fühlen (genderfluid oder non-binary).
Grundsätzlich ist hier jeder Weg richtig, solange ein Mensch seine innersten authentischen Bedürfnisse nicht den Erwartungshaltungen seines sozialen Umfelds unterordnet. So kann z.B. ein trans*Mensch seine Spur im Leben darin ausmachen, sich durch Operationen, hormonelle Maßnahmen, Mastektomie, Stimmtraining etc. dem Gegengeschlecht bzw. Wunschgeschlecht anzupassen. Viele trans*Personen fühlen sich nach der Angleichung wesentlich glücklicher und unbeschwerter als zuvor und können erst nun ein freies, sinnstiftendes Leben führen.
Das heißt aber auch, dass trans*Menschen, die sich mit ihren primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen wohlfühlen und keine körpermodifizierenden Maßnahmen anstreben, gefördert und unterstützt werden müssen. Es wäre dann unethisch, wenn auf trans*Personen der Druck ausgeübt würde, sich möglichst gut in die heteronormative Matrix einzufügen und alles Androgyne chirurgisch zu verändern bzw. zu entfernen.

Manche trans*Personen möchten nach der Transition als Mann oder Frau wahrgenommen werden. Dann wiederum gibt es Menschen, die sich als „trans*Frauen“ oder „trans*Männer“ bezeichnen und viel gesellschaftspolitisches Engagement, Selbsthilfearbeit und Aufklärung zu Geschlechtsinkongruenz leisten.


Im Sinne der Lebensweltorientierung und der Existenzanalyse ist jeder Weg, der nicht die Freiheit und die Grenzen anderer Menschen verletzt, zu akzeptieren und zu fördern.

Mein Filmtipp: "Was es heißt, Transgender zu sein "

Die Transition ist ein langer steiniger Weg, den kein Mensch zum Spaß auf sich nimmt. Die Hürden der Krankenkassen und des Gesundheitssystems sind vor allem im Deutschland sehr bürokratisch.

Ich biete für trans* und non-binäre Personen:

  • psychotherapeutische Begleitung, die Sie benötigen, damit Ihre Hormonbehandlungen und/oder chirurgische Maßnahmen zur Annäherung an Ihr Wunschgeschlecht von den Krankenkassen übernommen werden
  • Hilfe und Coaching beim inneren und äußeren Coming-out
  • Familientherapie und Hilfe beim Coming-out innerhalb der Familie, des Freundeskreises oder in der Schule
  • Unterstützung und Coaching auf dem Weg der Transition
  • Psychotherapie bei psychischen Problemen, wie etwa Depressionen, Ängsten, Suizidalität, Borderline, Traumen etc.


Stellungnahmen/Gutachten für die Krankenkassen/Gesundheitskassen

In Österreich schreibe ich auch psychotherapeutische Stellungnahmen, die Sie auf Ihrem Weg der hormonellen und chirurgischen Transition und anderer körpermodifizierenden Maßnahmen für die Krankenkassen benötigen.


Unter körpermodifizierende Behandlungen fallen:

  • Gegengeschlechtliche Hormonbehandlungen
  • Die Epilation von Gesicht und Händen bei Mann-zu-Frau trans*Personen
  • Die Mamaaugmentation (Brustaufbau, Brustvergrößerung) oder die Mastektomie
  • Chirurgische und operative Maßnahmen des Genitalbereichs (etwa Bildung einer Neovagina oder Aufbau eines Penoids)
  • Stimmtherapie, Sprechtherapie und Sprachtherapie


Mein Tipp:

Informieren Sie sich in trans*Foren oder bei anderen Betroffenen, wo Sie gute Spezialist*innen für chirurgische Maßnahmen finden. Die operierenden Ärzt*innen bzw. Spezialkliniken zeigen zudem gerne Bilder ihrer durchgeführten Operationen.



Wofür kann ich die verpflichtende Psychotherapie nutzen?

Die Geschlechtsidentität eines Menschen ist ein wesentlicher Baustein seiner Gesamtidentität, allerdings nicht der einzige. Es gibt zahlreiche weitere Bausteine, welche die Identität einer Person ausmachen. Deshalb lege ich in der begleitenden Psychotherapie den Fokus nicht allein auf die Geschlechtsidentität und Sexualität. Dies würde eine Eingrenzung bedeuten. Vielmehr möchte ich Ihnen anbieten, dass Sie die Psychotherapie für Ihre Persönlichkeitsbildung nutzen. Es ist problematisch genug, dass Sie vom System zu einer Psychotherapie verpflichtet werden, wenn Sie körpermodifizierende Maßnahmen anstreben. Warum also diese Zeit nicht gut und entwicklungsfördernd nutzen?

Auch psychische Symptome, Probleme oder Erkrankungen, sofern vorhanden, können in der begleitenden Psychotherapie behandelt werden und sind niemals ein Ausschlussgrund für hormonelle und körpermodifizierende Maßnahmen zur äußeren Angleichung an Ihr erlebtes Geschlecht.

Film: "Wer bin ich? - Trans*-Jugendliche zwischen Identitätsfragen und Tabus"

Bereits trans*Kinder und Jugendliche sollten bei stabiler Geschlechtsinkongruenz möglichst früh, idealerweise vor der Pubertät, mit Hormontherapien beginnen können.

Liebe, Sexualität und Partnerschaft

Wünsche nach Partnerschaft und Sexualität können trans*Personen vor der Transition Angst machen, da sie hier besonders stark mit ihrem biologischen Körper konfrontiert werden. Sie fühlen sich ja selbst in ihrem biologischen Geschlecht unattraktiv, fremd und zweifeln daran, dass eine andere Person sie begehrenswert finden könnte.


Psychische Krisen nach der Geschlechtsangleichung

Auch nach hormonellen und chirurgischen Maßnahmen leiden viele trans*Personen noch immer unter verinnerlichter trans*Phobie, oder es fehlt ihnen an einem gesunden Selbstbewusstsein bzw. an Stolz über den gelungenen Weg der Transition. Mitunter sind die Wunden, die aus der Biografie und dem Minderheitenstress resultieren, zu tief und bedürfen der psychotherapeutischen Behandlung. Zudem muss der neue Körper erst einmal mental verarbeitet, kennengelernt und akzeptiert werden, was Jahre dauern kann. In der Regel ist der modifizierte Körper noch nicht in das Selbstbild integriert und es bestehen noch immer Störungen des Körperschemas.

Auch in der Sexualität und in Partnerschaften muss der neue Körper erst einmal angenommen werden. Das beginnt bei der Selbstannahme und der positiven Besetzung des Körpers. Es handelt sich bei dieser Selbstakzeptanz um einen Prozess, der viele Jahre an Zeit in Anspruch nehmen kann und darf.


Manche Menschen erleben nach Geschlechtsangleichungen erst einmal schwere Krisen, Gefühle von Leere, Niedergeschlagenheit und Depressionen. Nicht selten fühlt sich der neue Körper nicht gleich stimmig an, was zu Verzweiflung, Hilflosigkeit und Ohnmacht führen kann. Hier ist dann auch ein Betrauern der schwierigen Biografie nötig und das Zulassen der Trauer, dass ein optimales Passing (vor allem bei trans*Frauen) nicht immer möglich ist.

Film zur Konversionstherapie:

"Transgender Woman Opens Up About The Trauma Of Conversion Therapy"

Gerade bei einem sehr späten Coming-out kann die Transition für die Betroffenen und deren Angehörigen sehr schwierig werden.

Geschlechtsidentität in der Psychotherapie und Psychologie

Das Finden der eigenen Geschlechtsidentität

Das Finden der eigenen Geschlechtsidentität ist ein hochkomplexer und manchmal lebenslanger Prozess. Umso komplexer ist auch die begleitende Psychotherapie.

Die moderne Psychologie und Psychotherapie gehen davon aus, dass es auf psychologischer Ebene nicht nur zwei Geschlechter gibt, sondern dass sich die meisten Menschen irgendwo auf einem Kontinuum zwischen männlich und weiblich befinden. So kann ich als Mann auch mütterliche Gefühle und Facetten gegenüber Kindern empfinden, während ich mich in anderen Situationen als starker Vater erlebe. Auf somatischer, psychischer und sozialer Ebene fühlen wir uns alle mal mehr und mal weniger weiblich bzw. männlich, und unsere geschlechtliche Identitätsfindung ist ein komplexer, lebenslanger Prozess. Immer wieder organisieren wir uns dabei selbst und nehmen unterschiedliche soziale Geschlechterrollen ein.


Die Geschlechtsidentität eines Menschen ist immer ein multikausales Geschehen, d.h. genetische, soziale und entwicklungspsychologische Einflüsse kommen hier zusammen. Identität ist nichts Fixes, sondern ein steter Prozess. Somit ist unsere Identität nie unveränderbar, sondern wir schaffen uns in einem lebenslangen Entwicklungsprozess immer wieder neu. Dieser Prozess ist dynamisch und hängt stark davon ab, womit wir uns identifizieren. 

Bis jetzt konnte nicht geklärt werden, wie sich die Geschlechtsidentität eines Menschen genau entwickelt. Warum fühlen sich etwa die meisten Menschen geschlechtseuphorisch („cis“) und nicht geschlechtsdysphorisch („trans*“) zu ihrem biologischen Geschlecht? Und warum gibt es in allen Kulturen (auch in völlig autarken) das Phänomen, dass manche Menschen die soziale Geschlechterrolle transzendieren und in der Genderrolle des anderen Geschlechts oder zwischen den Geschlechtern leben?


Die meisten trans*Menschen sind psychisch durchschnittlich gesund. Dennoch sehen die aktuellen Behandlungsrichtlinien vor, dass trans*Personen psychologisch und therapeutisch begleitet werden müssen, bevor sie mit hormonellen und chirurgischen Maßnahmen zur Angleichung an ihr Wunschgeschlecht beginnen können.

Dies stellt auch für uns Psychotherapeut*innen ein Dilemma dar, weil es einerseits in jeder Psychotherapie darum geht, den trans*Menschen bedingungslos anzunehmen, zu akzeptieren und sein Erleben sowie seine Bedürfnisse zu validieren. Andererseits müssen auch die Sorgen von Eltern, Partner*innen, Kindern und Angehörigen ernst genommen und mit ihnen ein tragfähiges Arbeitsbündnis eingegangen werden – insbesondere dann, wenn Kinder und Jugendliche trans*ident sind, und die Eltern pubertätsblockierenden Medikamenten oder der Hormontherapie zustimmen müssen. So kann es ein*e Jugendliche*r als Verrat erleben, wenn sein*e Psychotherapeut*in die Ängste und Sorgen der Eltern ernst nimmt und bricht dann die Therapie ab.

Posttraumatische Belastungskompetenz
von Florian Friedrich 15. Januar 2026
Wenn aus Überleben Verbundenheit entsteht Traumatische Erfahrungen können das Leben eines Menschen grundlegend erschüttern. Sie greifen tief in das Erleben von Sicherheit, Beziehung, Identität und Sinn ein. Wird aus dieser Erschütterung eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) , stehen meist Symptome, Defizite und Einschränkungen im Vordergrund: Flashbacks, Übererregung, Vermeidung, emotionale Taubheit, Beziehungsabbrüche. Doch neben dem oft langjährigen Leid entwickeln viele Menschen, die sich intensiv mit ihrer PTBS auseinandergesetzt haben, von einer neuen Tiefe, einer veränderten Art, sich selbst und anderen zu begegnen, von gewachsenen inneren Fähigkeiten. Diese Entwicklung lässt sich als Posttraumatische Belastungskompetenz beschreiben.
Trauma nach einer Brandkatastrophe: Was hilft?
von Florian Friedrich 14. Januar 2026
Wie du einer PTBS vorbeugen kannst (inklusive Selbsthilfemethoden aus dem Somatic Experiencing®) Aus aktuellem Anlass ( Brandkatastrophe von Crans-Montana ) möchte ich hier über ein paar psychische Erste-Hilfe-Maßnahmen schreiben. Einen schweren Unfall oder eine Brandkatastrophe mitzuerleben – etwa Schreie zu hören, Brandgeruch wahrzunehmen oder Bilder von brennenden Menschen zu sehen – kann tief erschüttern - übrigens auch dann, wenn wir lediglich Videos im Internet und in den Medien davon sehen. Viele Betroffene und Zeug*innen sind im Nachhinein verunsichert von ihren Reaktionen. Wichtig i st: Starke körperliche und seelische Reaktionen sind normale Antworten auf ein extremes Ereignis. Sie bedeuten nicht, dass du durchdrehst oder zwangsläufig eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln wirst. Dieser Artikel erklärt, warum Flashbacks auftreten, was in den ersten Tagen und Wochen hilft, und wie Selbsthilfemethoden aus dem Somatic Experiencing (SE) die Verarbeitung unterstützen können. Übrigens soziale Unterstützung schützt stark und ist einer der wichtigsten präventiven Wirkfaktoren, um keine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln. Menschen, die: über das Erlebte sprechen können emotionalen Rückhalt bekommen körperlich und emotional gehalten werden sich verstanden und ernst genommen fühlen haben ein deutlich geringeres PTBS-Risiko . Soziale Bindung wirkt wie ein Puffer gegen traumatische Überforderung.
Was ist
von Florian Friedrich 10. Januar 2026
Zu hohe Idealvorstellungen und Klischees, die uns im Weg stehen Viele Menschen haben sehr verkopfte Konstrukte und Konzepte von „Wahrer Liebe“. Emotional betrachtet ist Liebe ein starkes körperliches und seelisches Gefühl, das viele Menschen im Brustraum oder um die Herzgegend, aber auch von Kopf bis Fuß spüren. Viele fühlen Liebe als innere Wärme, als ob eine kleine Sonne aufginge und uns innerlich erstrahlen ließe. Das Gefühl Liebe ist losgelöst von der Sexualität. Dabei kann die Liebe die Sexualität ergänzen, dies ist jedoch nicht immer zwingend der Fall. Das körperliche und emotionale Fühlen von Liebe können wir bei Sexualpartner*innen, aber auch bei Freund*innen, in der Natur, für unsere Kinder, Eltern, Tiere u.v.m. erleben. Das gesellschaftliche Konstrukt „Wahre Liebe“ ist allerdings ein Mythos, denn Liebe ohne Konflikte und Begrenzungen gibt es nur in Märchen oder Hollywoodfilmen kurz vor dem Ende des Streifens. Mit der Realität hat das Ganze wenig zu tun. Ich biete Paartherapie, Paarcoaching und Beratung an, wenn Sie bemerken, dass Sie unter zu hohen und irrealen Idealvorstellungen von "Wahrer Liebe" leiden.
Das Nachlassen der Verliebtheit bei Bindungsstörungen
von Florian Friedrich 10. Januar 2026
Warum trennen sich viele Menschen nach der ersten Verliebtheit zu früh? Idealisierung und Realitätsverzerrung Wenn wir frisch verliebt sind, idealisieren wir oft den/die andere*n, ohne sie/ihn so zu sehen, wie er/sie im tiefsten Innersten wirklich ist und ohne in seinen/ihren authentischen (personalen) Kern zu blicken. Wir sehen sie/ihn dann so, wie wir sie/ihn gerne haben würden. Das Wort „Verliebtheit“ hat sicherlich nicht zufällig die Vorsilbe „ ver- “, weil wir oft irren, wenn wir VERliebt sind, uns etwas vormachen, Frühwarnzeichen nicht beachten oder uns selbst täuschen. Wir leiden in der Verliebtheit unter leichten Symptomen von Realitätsverlust, was uns aber angesichts der vielen Glücks- und Bindungshormone, die der Körper ausschüttet, egal ist. Wir verdrängen in der Regel nur allzu gerne, dass dieser überoptimale Zustand irgendwann auch wieder sein Ende haben wird. In diesem realitätsverzerrten Zustand besetzen wir den anderen Menschen mit Wünschen, Idealvorstellungen und Fantasien, die im Gegenüber gar nicht vorhanden sind. Sogar Unstimmigkeiten und Gegensätze werden positiv gedeutet und idealisiert: „ Gegensätze ziehen sich an “ oder „ wir ergänzen einander “. Diese erste Verliebtheit führt rasch zu einer so starken Bindung, dass sie in der Regel als zu intensiv und damit als anstrengend erlebt wird. Dies ist ein typisches Traumafolgesymptom: Sich immens stark zu binden, bevor wir den/die andere*n gut kennen. Aus diesen Idealisierungen, dem Himmel, wird dann rasch die Hölle. Es kommt zu massiven Kränkungen, Enttäuschungen, zu Ohnmachtserfahrungen und Hass, mit denen die Betroffenen nicht selbstregulierend umzugehen vermögen. Lesen Sie in diesem Artikel, warum Menschen mit Bindungsängsten rasch ihre Partnerschaften beenden, wenn die erste euphorische Verliebtheit schwindet.