Toxische Partnerschaften und psychische Gewalt - Beratung

Florian Friedrich • 30. August 2025

Was ist eine toxische Beziehung?

Das Wort „toxisch“ ist zurzeit ein Modewort, beschreibt aber sehr treffend ein Phänomen, das ich als Psychotherapeut und Paartherapeut oft erlebe. Bildhaft gesprochen impft ein*e Partner*in* sein/ihr „Gift“ (nämlich eigene Unzufriedenheiten, Ängste, Schuldgefühle, Kränkungen, innere Leere, Mängel, Sorgen, Selbstabwertungen) dem/der anderen Beziehungspartner*in ein.

Vor allem narzisstische und dissoziale Menschen verhalten sich abwertend, vergiftend – eben toxisch. Jeder dritte Mensch erlebt im Laufe seines Lebens eine Partnerschaft mit psychischer Gewalt.

Lesen Sie in diesem Artikel über psychischen Missbrauch und die Anzeichen für eine toxische Beziehung.


Ich biete für Opfer von psychischer Gewalt und emotionalem Missbrauch psychologische Hilfe, Beratung und Psychotherapie an – auch online.

I offer psychological help, counseling and psychotherapy for victims of psychological violence and emotional abuse - also online. 

Toxische Partnerschaften und psychische Gewalt - Beratung

Film: "Gefühle, über die wir selten sprechen: Neid und Eifersucht - Dami und Leo im Gespräch"

Wer sind die Opfer der psychischen Gewalt?

Abwertungen, das Manipulieren von Schuldgefühlen, Schlechtmachen oder der Rückzug in gekränktes Schweigen (oft über Tage) sind übrigens Anzeichen für emotionale und psychische Gewalt. Jeder dritte Mensch erlebt zumindest einmal in seinem Leben eine toxische, also psychisch sehr gewaltvolle Partnerschaft. Frauen geben dabei öfters an, Opfer von psychischer und körperlicher Gewalt innerhalb einer Partnerschaft zu werden. Ich weiß aber aus meiner Erfahrung als Psychotherapeut, dass sich Männer viel schwerer tun, Anzeichen psychischer oder körperlicher Gewalt vonseiten des Partners*/der Partnerin* zu erkennen oder zu benennen. Zudem ist es ein gesellschaftliches Tabu, als Mann Opfer von Gewalt zu werden.

 Nach meiner Erfahrung werden heterosexuelle Männer und lesbische Frauen eher Opfer von Frauen mit Borderline-Zügen, schwule Männer und heterosexuelle Frauen eher Opfer von narzisstischen Männern. 


Wie erkenne ich eine toxische Partnerschaft?

  • Dabei beginnen toxische Partnerschaften oft überoptimal gut. Der/die Partner*in wird am Anfang extrem idealisiert und angestrahlt, als ob er/sie der/die Beste auf der Welt sei. Es entsteht ein Idealbild, das wenig mit der realen Person der Partnerin*/des Partners* zu tun hat. Der andere Mensch wird in der Regel gar nicht in seinem tiefsten Innersten erkannt und wertgeschätzt, sondern er/sie wird vielmehr zur Projektionsfläche aller Hoffnungen, Sehnsüchte und Erlösungswünsche des toxischen Partners*/der toxischen Partnerin*. 
  • Da kein Mensch derartig hohe Idealerwartungen dauerhaft erfüllen kann, kommen bald die ersten Abwertungen, und es beginnt nicht selten das Zuckerbrot-und-Peitsche-Spiel. Hat der/die Partner*in etwa mal keine Zeit, so manipuliert der/die gewaltvolle Partner*in schwere Schuldgefühle durch Abwertungen und Vorwürfe. Die Bedürfnisse des gesunden Partners*/der gesunden Partnerin* hingegen werden völlig übergangen. 
  • Der/die toxische Partner*in validiert die Gefühle und Emotionen des/der anderen kaum bis gar nicht. Validieren meint das subjektive Anerkennen der Bedürfnisse und Gefühle der Mitmenschen. Dem/der gesunden Partner*in werden sogar falsche Bedürfnisse und Gefühle, aber auch psychische Schwächen und Krankheiten eingeredet.
  • Typische Aussagen können sein: „Du magst es doch eh, wenn ich Dich pflanze“ oder „Du wirkst glücklich in Deinem Beruf, aber Dein alter Beruf hat Dir ja doch viel besser getan“, „Du bist ja so empfindlich und hysterisch!“, „Du Borderlinerin! Du bist toxisch!“ oder „Das findest Du doch eigentlich sexy“. 
  • Auch das tyrannische „Wir“ kann ein Hinweis auf vereinnahmt-Werden sein: „Wir waren schon mal rücksichtsvoller aufeinander“, „Wir mögen es doch, wenn es mal kracht“ u.v.m.


Diese Abwertungen und Manipulationen sind nicht immer offensichtlich, sondern können auch ganz subtil sein (etwa durch Blicke, kleine Gesten etc.). Dann sind sie umso schwieriger zu erkennen.

Film: "Was ist psychische Gewalt?"

Erfahren Sie in diesem Spot, was unter psychische Gewalt fällt.

Learn what psychological violence is in this spot.

Sieben Hinweise für toxische Beziehungen und Partnerschaften

  1. Sie können es dem/der anderen nie recht machen, egal was Sie tun oder wieviel Zeit Sie mit Ihrem/Ihrer Partner*in verbringen, er/sie wertet Sie ab, macht Ihnen Vorwürfe oder versucht, Ihnen Schuldgefühle einzusäen. Diese Vorwürfe, Abwertungen und Manipulationen gehen so lange und so tief, bis Sie selbst an sich zweifeln, unsicher werden, Schuldgefühle entwickeln oder starke Ängste bekommen. Bei dieser Gehirn- und Gefühlswäsche handelt es sich daher um psychische Gewalt. Zudem verhält sich der/die toxische Partner*in sehr egozentrisch und egoistisch. Alles dreht sich nur im ihn/sie und seine/ihre Wünsche, Probleme und Befindlichkeiten. Ein Interesse an der anderen Person ist nicht vorhanden.
  2. Die Stimmungsschwankungen des toxischen Partners*/der toxischen Partnerin* sind stark und unvorhersehbar. Das Zusammenleben kann sich anfühlen wie ein Tanz auf Eierschalen. Sie werden zuerst in den höchsten Tönen idealisiert und dann sofort stark und menschenverachtend abgewertet (etwa: „Wow, Du bist so sexy und attraktiv. Bei Dir werde ich immer ganz heiß. Aber bitte tue etwas gegen Deinen Geruch im Intimbereich. Du stinkst wie ein Fisch!“).
  3. Der/die gesunde Partner*in hat das Gefühl, nicht sie/er selbst sein zu dürfen, sondern sich verbiegen zu müssen und entwickelt im Laufe der Zeit ein „falsches Selbst“. Er/sie spielt dann eine Person, die er/sie gar nicht ist und die er/sie im tiefsten Innersten gar nicht spürt. Zeigt sich der gesunde Part mal so, wie er sich fühlt, so droht ihm der toxische Part mit Schuldgefühlen, Abwertungen, Angstmache, Einschüchterung oder Liebesentzug.
  4. Der/die toxische Partner*in versucht, die/den andere*n zu isolieren. Freund*innen werden abgewertet und das Pflegen von Freundschaften wird eifersüchtig überwacht. Der toxische Part verspürt eine extreme Eifersucht auf andere Menschen, hat aber nicht die Kompetenz, konstruktiv oder erwachsen mit seiner Eifersucht umzugehen und macht den/die gesunde*n Partner*in* dafür verantwortlich, indem er wieder Schuldgefühle manipuliert. Oft spielt er seine*n Partner*in gegen dessen/deren Freund*innen aus und spaltet, was ihm in der Regel sehr gut gelingt („divide et impera!“ zu Deutsch „stifte Unfrieden unter denen, die du beherrschen willst!“).
  5. Toxische Partner*innen reden dem/der gesunden Partner*in gerne ein, dass er/sie psychisch labil, selbst toxisch und krank sei. Ist etwa eine Partnerin verzweifelt oder wütend auf ihren toxischen Beziehungspartner, weil dieser sie abwertet und kränkt, so sagt ihr dieser: „Du hysterische Borderlinerin. Geh endlich in Psychotherapie!“. Toxische Partner*innen verdrehen hier häufig und projizieren ihre eigene psychische Problematik auf den/die andere*n.
  6. Nach der Trennung Scheidung geht es weiter: Ganz besonders schlimm ist es, wenn toxische Menschen den Kampf über die gemeinsamen Kinder austragen, die Kinder manipuliert werden oder gegen den/die gesunde*n Partner*in ausgespielt werden. Kinder werden dann selber zu Opfern und haben keine Chance, sich zu wehren. Ich erlebe es in der Praxis immer wieder, dass es toxischen Menschen auch gelingt, das Jugendamt und professionelle Helfer*innen zu manipulieren und gegen die/den stabile*n Partner*in auszuspielen oder aufzuhetzen. Häufig sitzt diese*r dann auf dem kürzeren Ast und niemand glaubt ihr/ihm. Zudem identifizieren sich die gemeinsamen Kinder oft aus Selbstschutz mit der/dem toxischen Partner*in. Dabei handelt es sich um den Abwehrmechanismus der „Identifikation mit dem Aggressor“ (medial bekannt wurde dieser Abwehrmechanismus mit dem so genannten „Stockholmsyndrom“). Die Kinder passen sich aus Angst und Hilflosigkeit dem toxischen Vater/der toxischen Mutter eher an als dem gesunden Elternteil, entwickeln ein falsches Selbst und sind vom toxischen Elternteil emotional abhängig. Die Identifikation macht nämlich die Hilflosigkeit und Angst erträglicher.
  7. Aber auch gemeinsame Freund*innen, Bekannte und die Familie werden nach der Trennung gegen den/die gesunde*n Partner*in ausgespielt und diese*r wird schlecht geredet. Toxische Menschen sind Meister der Manipulation und des Lügens, weshalb dies ihnen gut gelingt. Mitunter stehen die gesunden Partner*innen nach der Trennung alleine da, ihr Ruf ist ruiniert, und sie haben das Gefühl, dass alle gegen sie sind. Es kann dann sehr sinnvoll sein, eine Beratungsstelle für Opfer von Gewalt aufzusuchen. 

Film: "7 Signs You’re in a Toxic Relationship"

In diesem Film erfahren Sie, wie Sie eine toxische Beziehung erkennen. 

In this film you will learn how to recognize a toxic relationship. 

Rituelle Gewalt und Mind Control  - Podcast
von Florian Friedrich • 25. September 2026
Eine 13-teilige Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation und therapeutische Macht Die Diskussion über „rituelle Gewalt“ und „Mind Control“ bewegt sich zwischen realen Erfahrungen von Gewalt, traumatischen Folgen, wissenschaftlich umstrittenen Erklärungsmodellen und teilweise weitreichenden Verschwörungserzählungen. Dieser Podcast versucht, diese Ebenen voneinander zu unterscheiden. Dabei geht es nicht darum, sexualisierte oder organisierte Gewalt zu leugnen. Solche Gewalt ist real und kann schwere psychische Folgen haben. Gleichzeitig müssen auch weitreichende Behauptungen über geheime Täter-Netzwerke, satanistische Rituale, gezielte Persönlichkeitsspaltung oder Mind Control wissenschaftlich geprüft werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Erinnerungen entstehen und welche Rolle therapeutische Suggestion spielen kann. Denn eine therapeutische Beziehung ist niemals nur ein Gespräch unter Gleichen. Therapeut*innen verfügen über Wissen, Autorität und Einfluss. Gerade deshalb tragen sie eine besondere Verantwortung dafür, zwischen Beobachtung, Hypothese und Gewissheit zu unterscheiden. Die Reihe fragt unter anderem: Was ist über rituelle und organisierte sexualisierte Gewalt tatsächlich bekannt? Welche wissenschaftlichen Belege gibt es für die weitreichende RG-MC-Erzählung? Was wissen wir über Dissoziation und DIS? Wie entstehen Erinnerungen und wie können falsche Erinnerungen entstehen? Was bedeutet es, wenn Erinnerungen erst während einer Therapie auftauchen? Wo beginnt therapeutische Suggestion? Was geschieht, wenn eine therapeutische Theorie zum Deutungsrahmen für nahezu alles wird? Wie können Patient ihre eigene Autonomie bewahren? Was können Therapeut tun, wenn sie eine frühere Überzeugung inzwischen kritisch sehen? Wo liegen die Grenzen wissenschaftlicher Kritik und berufsrechtlicher Sanktionen? Und wie können wir über dieses Thema sprechen, ohne entweder Menschen zu entwerten oder unbelegte Behauptungen zu bestätigen? Die Perspektive der Reihe ist hypnosystemisch: Nicht jede Erfahrung muss sofort abschließend erklärt werden. Zustände, Gefühle, Körperreaktionen und innere Anteile können ernst genommen und therapeutisch bearbeitet werden, ohne daraus automatisch eine bestimmte historische Geschichte abzuleiten. Denn: Wir können Menschen glauben, ohne jede Interpretation ihrer Vergangenheit zu glauben. Wir können Trauma behandeln, ohne eine bestimmte Tätergeschichte vorauszusetzen. Und wir können sagen: „Ich weiß es nicht.“ Diese Unsicherheit muss kein therapeutisches Defizit sein. Sie kann der Raum sein, in dem Selbstbestimmung wieder möglich wird. Die 13 Folgen: Rituelle Gewalt & Mind Control – Was ist wissenschaftlich belegt? Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Eine Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation, Suggestion, therapeutische Verantwortung und die Freiheit, die eigene Geschichte selbst zu hinterfragen.
Abstraktes Profil eines menschlichen Kopfes, bei dem sich mechanische Strukturen in organische Licht
von Florian Friedrich • 25. September 2026
Die Grenzen therapeutischer Mythen und die biologische Realität von Traumareaktionen In der professionellen Begleitung von schwer traumatisierten Menschen im Opferschutz begegnen uns im Internet, in Fachbüchern und in populärwissenschaftlichen Publikationen hochkomplexe, oft beängstigende Begriffe. Wer nach Unterstützung bei schweren Traumata sucht, stößt unweigerlich auf weitreichende Behauptungen über organisierte Kriminalität, psychologische totale Kontrolle und sogenannte „Mind-Control-Systeme“. Als Traumatherapeut halte ich eine methodisch saubere, rationale und kognitionspsychologische Überprüfung dieser Thesen für unerlässlich. Anhand der öffentlich vertretenen Positionen der Autorin Valeria Petkova lässt sich ein zentrales epistemologisches Problem aufzeigen, das in Teilen der Traumatherapie zunehmend an Raum gewinnt. Es geht hierbei ausdrücklich um eine sachliche, wissenschaftliche Prüfung von Argumenten und logischen Strukturen, frei von persönlichen Abwertungen. In diesem Artikel unterziehe ich das Narrativ der Mind Control einen harten Faktencheck und überprüfe es auf seine empirische Evidenz.
Minimalistischer Therapieraum mit zwei Sesseln und symbolischem goldenen Lorbeerkranz; Grafik zum Th
von Florian Friedrich • 24. September 2026
Dürfen Therapeuten eigene Narrative aufdrängen? Florian Friedrich über das Machtgefälle, Michaela Huber und die Risiken von Bestätigungsschleifen.
Ein gemütlicher, leerer Sessel in einer modern eingerichteten Psychotherapie-Praxis mit warmem Licht
von Florian Friedrich • 24. September 2026
Wissenschaftliche Kritik an den Mind-Control-Modellen von M. Huber u. V. Petkova. Wie moderne Neurobiologie therapeutische Mythen entlarvt.