Mag. Florian Friedrich, BA

Psychotherapie, Beratung und Coaching


Wichtig: Ich bin in meiner Praxis voll und kann daher keine Ersttermine

 für neue Klient*innen anbieten.

Körperkontakt und Berührungen in der Psychotherapie

Florian Friedrich • 10. Januar 2024

Hands-On in der körperorientierten Psychotherapie und Beratung

Fast alle Gesundheitsberufe arbeiten völlig selbstverständlich und unbefangen mit Körperkontakt und Berührung, wenn Patient*innen und Klient*innen dies wollen. Nur wir Psychotherapeut*innen haben noch immer ein unsägliches Berührungsverbot. 

Lesen Sie in diesem Artikel, wann und warum Berührungen und Körperkontakt im Rahmen einer Psychotherapie und Traumatherapie sinnvoll und heilsam sein können.


Ich biete körperorientierte Psychotherapie, Traumatherapie und Beratung an.

Körperkontakt und Berührungen in der Psychotherapie

Berührungen werden in unserer Gesellschaft zunehmend sexualisiert

Berührungen werden immer mehr sexuell assoziiert und damit zu einem Tabu.

Grundsätzlich ist Berührung eine Form von Kommunikation, die nichts mit Sexualität zu tun hat. Die Sexualisierung von Berührungen hat zur Folge, dass Kinder von ihren Eltern, Bezugspersonen und Pädagog*innen immer weniger berührt werden, weil diese (die oft berechtigte) Angst haben, dass ihnen sofort sexualisierte Gewalt unterstellt werde. Kinder spüren diese Berührungsängste ihrer Eltern und das Tabu und assoziieren dann später jede Berührung mit einem sexuellen Übergriff oder einer Einladung zu sexuellen Handlungen. Sigmund Freud bezeichnete diesen Prozess als die "Wiederkehr des Verdrängten".


Das Tabu der Berührung kann also Menschen in ihrer Entwicklung traumatisieren und im Erwachsenenalter zu Beziehungsstörungen führen.

Zudem haben viele Erwachsene irre Hemmungen, sich selbst zärtlich zu berühren (ich meine hier nicht unbedingt Selbstbefriedigung), wie etwa, sich sanft über den Arm zu streicheln, den Kopf in die eigene Wange zu schmiegen oder mit der Hand über die Herzgegend zu streichen.

Auch in der Psychotherapie gibt es ein großes Berührungstabu, obwohl fast alle anderen Gesundheitsberufe mit Berührungen arbeiten.


Werde ich in der körperorientierten Psychotherapie berührt, wenn ich das nicht möchte?

Nein, denn gerade für Menschen, die schwer traumatisiert sind, ist Körperkontakt hoch ambivalent und macht mitunter auch starke Angst. Körperliche Berührungen können sie triggern und retraumatisieren.

Niemand der zu mir in die Körperpsychotherapie kommt, muss Angst davor haben, dass ich mit ihm mit Berührungen arbeite.

D.h. es geht nicht darum, jede Therapiestunde als Selbstzweck Berührungen anzubieten, aber es geht um das Üben von personalem Kontakt, auch auf körperlicher Ebene.

Ich setze Berührungen sparsam ein, wohl dosiert und nur dann, wenn Klient*innen dies brauchen und möchten. D.h. mit dem Informed Consent meiner Patient*innen. Alles andere wäre missbräuchlich. Zudem spüre auch ich in mich hinein, ob die Berührung für mich selbst stimmig ist. Fühle ich mich etwa zur Berührung gedrängt oder missbraucht, so berühre ich nicht und lasse auch keine Berührungen zu.

Eine Berührung ist somit nur dann legitim und sinnvoll, wenn sie im Prozess von Patient und Psychotherapeut als stimmig erlebt wird. Wichtig ist zudem, dass eine stabile und vertrauensvolle therapeutische Beziehung besteht.


Mögliche Berührungen im Rahmen der Körperpsychotherapie sind etwa:

  • Die Hand halten
  • Den Arm um die Schultern legen
  • Die Hand auf den Rücken legen
  • Umarmungen und körperlichen Halt geben
  • Den Patienten anlehnen lassen
  • Durch die Haare streicheln und andere beruhigende Gesten
  • Auch das Üben von selbstfürsorglichen Berührungen oder Selbstberührungen fließt in meine Arbeit immer wieder ein.


Oft ist es auch hilfreich, ein Kissen zwischen meine Hand und den berührten Körper zu legen.

Körperliche Berührungen im Rahmen meiner Psychotherapie dienen der Co-Regulation meiner Patient*innen bzw. der körperlichen Selbsterfahrung.

Berührungen können auch dann sinnvoll sein, wenn sie gehaltene oder blockierte Emotionen lösen oder Erinnerungen aus dem Körpergedächtnis wachrufen.

Darüber hinaus können Berührungen nachnähren. Dann dienen sie der Co-Regulation und dem Reparenting. Auf diese Weise werden gesunde und korrigierende zwischenmenschliche Erfahrungen gemacht.


Angebote zur Berührung werden gemeinsam reflektiert und dienen dem Aufbau einer guten Beziehung der Patientin zu sich selbst und ihren Mitmenschen sowie dem Erlernen gesunder und neuer Bindungs- und Beziehungsmuster. Hands-On ist gerade bei Menschen mit Bindungsschwächen und Bindungsstörungen hilfreich und sinnvoll. Sie können dadurch lernen, dass Berührungen beruhigen, Halt geben und der Regulierung von Emotionen und von Stress dienen. Sie haben nichts mit Überflutung oder Überwältigung zu tun.

Berührungen erfordern ein radikal phänomenologisches, langsames, sensibles und behutsames Vorgehen, sollten jederzeit korrigiert oder zurückgenommen werden können und unterliegen dem therapeutischen Prozess.

Um gut berühren zu können oder um mich körperlich berühren zu lassen, muss ich selbst als Therapeut achtsam, gegroundet und gut in mir ruhend sein.

Erklärvideo von Dami Charf: "Wie wichtig sind Berührung und Körperkontakt?"

Beispiele aus meiner Praxis:

  • Ich habe eine Patientin, die sich reguliert und innerlich Halt findet, wenn sie mir den Unterarm mit Wasserstiften anmalt. Es hilft ihr, wenn ich ihr sage, dass sie nur den Unterarm künstlerisch bemalen darf, aber nicht etwa den Oberarm oder das Gesicht. Diese Begrenzung gibt ihr innere Ruhe, Struktur und Halt.
  • Ich halte einem Patienten die Hand, während er weint und seinen Schmerz spürt.
  • Ich lasse mich von einer Patientin beim Abschied drücken und umarmen und umarme auch sie.
  • Ich lege meiner Patientin die Hand auf die Schulter. Nach einer Minute löse ich die Berührung und bitte meine Patientin, in sich zu spüren, ob sie noch den "Nachgeschmack" der Berührung fühlen könne. Auf diese Weise üben wir Objektkonstanz.


Fragen, die ich mir als Psychotherapeut dabei stelle sind:

  • Warum habe ich gerade jetzt bei dieser Patientin den Impuls, eine Berührung anzubieten?
  • Ist es sinnvoll, diesen Impuls auszusprechen?
  • Erfülle ich mit dieser Berührung auch wirklich keine eigenen Bedürfnisse und werde dadurch übergriffig und missbräuchlich?
  • Inwiefern könnte die Berührung meinem Patienten helfen?
  • Wozu dient die Berührung der Patient*in? Macht sie therapeutisch Sinn?


Welche Berührungen sind nicht in Ordnung?

  • Berührungen, welche die Intimsphäre der Patient*innen verletzen.
  • Berührungen, die unachtsam und apersonal stattfinden.
  • Berührungen die nicht phänomenologisch gemacht werden.


Menschen brauchen Berührungen

Wir können im Sinne Martin Bubers nur am Du zum Ich kommen - auch leiblich und körperlich. Wir benötigen als soziale Wesen immer ein präsentes und authentisches Du, in dem wir uns spiegeln können und das uns auch bei unserer Verkörperung hilft.

Grundsätzlich sind wir Bindungswesen und brauchen Berührungen zur Regulation und Co-Regulation. Babys, die keine körperliche Berührungen erhalten, sterben. Babys haben nämlich noch kein voll ausgebildetes autonomes Nervensystem.

Da wir Menschen physiologische Frühgeburten sind, können wir uns als Babys noch nicht selbst regulieren und sterben aus Hilflosigkeit oder Todesangst, wenn wir nicht gehalten oder berührt werden. Sollten wir überleben, so sind wir oft schwer traumatisiert.


Menschen, die isoliert sind und keinen Kontakt bzw. auch Körperkontakt zu anderen Menschen haben, tun sich schwerer, ihr autonomes Nervensystem zu regulieren und zu beruhigen. Als Therapeut habe ich (zumindest im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit) ein gut reguliertes Nervensystem und kann durch meine Körperhaltung, aber auch durch Berührungen das extrem aktivierte Nervensystem meiner Klient*innen beruhigen.


Wenn wir im Hochstress sind oder unser Nervensystem im Alarmzustand ist, so brauchen wir in der Regel das besser regulierte Nervensystem einer anderen Person, das uns reguliert und uns in ein ruhigeres Niveau einschwingt.

Es geht in jeder Traumatherapie um neue Lernerfahrungen, die uns erleben lassen, dass wir uns in der Gegenwart eines anderen Menschen entspannen und regulieren können und um gesunde und hilfreiche Berührungen, die nicht missbräuchlich sind. Dies fördert unsere Bindungs- und Beziehungsfähigkeit. Auf diese Weise können wir im geschützten Rahmen der Therapie lernen, dass wir uns in Beziehungen auch körperlich sicher fühlen dürfen und können dann des Weiteren in Partnerschaften und Freundschaften hilfreiche und heilsame Berührungen besser zulassen sowie Nähe und Distanz besser und erwachsener regulieren.


Hands-On – das große Tabu in der Psychotherapie

Doch warum ist es eigentlich ein so großes Tabu, in der Psychotherapie mit Hands-On zu arbeiten? In anderen Gesundheitsberufen, wie etwa der Physiotherapie, ist dies ja völlig normal und selbstverständlich.

Ich denke, dass es in der Psychotherapie dieses Tabu gibt, weil Berührungen durch Psychotherapeut*innen immer wieder missbräuchlich oder sogar sexuell übergriffig eingesetzt wurden. Dies beginnt bei Berührungen und Umarmungen, welche die Patientin nicht möchte, und endet beim sexuellen Missbrauch.

Zu Bedenken ist auch das Machtgefälle zwischen Psychotherapeut und Patient*in. Die Patientin ist stets eine Schutzbefohlene.


Deshalb sind Berührungen auch nur dann legitim, wenn die Psychotherapeutin dies nicht tut, um eigene Bedürfnisse zu erfüllen, sondern die Berührung ganz in den Dienst ihres Patienten stellt. Jede Berührung, die therapeutisch hilfreich ist und die nicht sexuell oder erotisch aufgeladen ist, ist dann eine bedeutsame Methode. Auch das Angebot zur Berührung kann schon heilsam sein und Entwicklungsprozesse in Gang setzen.


Der Begründer der Psychoanalyse und Psychotherapie Sigmund Freud hat seine ersten Patientinnen noch völlig unbefangen während der Hypnose-Sitzungen berührt. Spätestens nachdem einige Psychoanalytiker ihre Patientinnen missbraucht hatten, wurde jedoch ein generelles Verbot jeglicher Berührung ausgesprochen, das z.T. sehr rationalisierend untermauert wurde. Fortan galt jede Berührung als eine Verletzung des Abstinenzgebotes und wurde tabuiert. Die Spaltung bzw. Dissoziation zwischen Kopf und Körper bzw. Leib wurde damit reinszeniert.

Zu bedenken ist an dieser Stelle, dass gerade Tabus mit ihrer Wiederkehr des Verdrängten übergriffige Berührungen und sexualisierte Gewalt von TherapeutInnen zu PatientInnen fördern.


Die Erkenntnisphilosophie (darunter (Edmund Husserl, Maurice Merleau-Ponty, Gabriel Marcel, Hermann Schmitz) und die Existenzanalyse bezeichnen den beseelten, lebendigen Körper übrigens als "Leib". Zwei aufeinander bezogene Körper stimmen sich in der Therapie aufeinander ein, gelangen in eine Resonanz und berühren manchmal einander. Berührung wird dabei als eine urmenschliche Form der Kommunikation und Regulation verstanden.

In den humanistischen Therapierichtungen wurde das Berührungsverbot im Laufe der Jahre wieder aufgeweicht. Die in der Psychoanalyse früher so verbreitete Spaltung zwischen Leib und Verstand und damit Leibentfremdung wurde kritisch hinterfragt. Psychotherapie wird seitdem als ein zwischenleiblicher Prozess verstanden.


Wenn ich berühre oder mich berühren lasse, so mache ich mich verletzlich, auch als Psychotherapeut. Ich nehme an, dass auch dies in das Berührungstabu innerhalb der Psychotherapieszene hineinspielt.

Diagnostik aus hypnosystemischer Sicht
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von Florian Friedrich 20. März 2025
Was ist die Polyvagaltheorie? Die Polyvagaltheorie geht auf den Psychiater Stephen W. Porges zurück. Sie beschreibt eine neue Sichtweise auf das Autonome Nervensystem . Dieses scannt permanent unsere Umwelt und andere Menschen ab, ob wir sicher oder bedroht sind. Jener Vorgang ist unwillkürlich und ist uns meist völlig unbewusst. Sicherheit ist für uns im Leben das Wichtigste. Das Parasympathische Nervensystem teilt sich noch einmal auf und hat ein soziales Nervensystem , den ventralen Vagus, als Zweig. Dieses wird durch Traumata massiv beeinflusst und arbeitet dann anders. Das Soziale Nervensystem wird durch die Beziehung, Fürsorge und Coregulation unserer Eltern bzw. ersten Bezugspersonen gut ausgebildet und kann dann effektiv und optimal arbeiten. Übrigens: Die Polyvagaltheorie ist in der Wissenschaft umstritten und konnte bis heute empirisch nicht nachgewiesen werden . Das ändert aber nichts an der Praxis der modernen Traumatherapie. In der praktischen Umsetzung hilft die Polyvagaltheorie, und wer heilt, der hat bekanntlich recht.
Hypnosystemische Psychotherapie und Beratung
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Beratung, Coaching und Therapie mit hypnosystemischen Ansätzen Der hypnosystemische Ansatz von Gunther Schmidt ist ein wissenschaftlich-fundierter Ansatz für Beratung, Coaching, Therapie und Organisationsentwicklung. Er arbeitet mit Erkenntnissen der modernen Hirn- und autobiografischen Gedächtnisforschung, der Systemtheorie, der Hypnose und der Hypnotherapie, der Embodiment-Forschung und der Priming-Forschung. Gunther Schmidt hat aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen der verschiedenen Disziplinen ein breites Repertoire an Methoden, Techniken und Tools entwickelt, wobei er immer postuliert: " Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie ". Zugleich ist die Hypnosystemik auch eine Haltung zur Welt und zu den Mitmenschen, die weit über Techniken hinausgeht. Denn wer nur mit Tools arbeitet, der " wird rasch zum Tooligan " (Schmidt). Ich biete hypnosystemische Psychotherapie und Beratung in Salzburg / Hamburg an.
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Symptome sind wertvolle Botschafter von Bedürfnissen Aus hypnosystemischer Sicht (Gunther Schmidt) sind Symptome immer wichtige Rückkopellungsinformationen über nicht beachtete Bedürfnisse. Beispiel: Hubert ist schwul und unterdrückt seine Bedürfnisse nach Liebe, Erotik, Zärtlichkeit und Sexualität. Da dieses Unterdrücken viel Kraft und Lebensenergie kostet, wird Hubert zunehmend depressiver und suizidal. Seine Depressionen und seine Lebensmüdigkeit weisen ihn darauf hin: "Lebe Dein Leben, hör auf Deine homosexuellen Bedürfnisse" Lesen Sie in diesem Artikel über Symptome aus hypnosystemischer Sicht.
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