Mag. Florian Friedrich, BA
Psychotherapeut (Existenzanalyse, Humanistische Orientierung)
Mail: florian.friedrich@psychotherapie-salzburg.de
Adressen: Innsbrucker Bundesstraße 47
und Fürstenallee 9
5020 Salzburg
Österreich
Mag. Florian Friedrich, BA
Psychotherapie, Beratung und Coaching
Wichtig: Ich bin in meiner Praxis voll und kann daher keine Ersttermine
für neue Klient*innen anbieten.
Fast alle Gesundheitsberufe arbeiten völlig selbstverständlich und unbefangen mit Körperkontakt und Berührung, wenn Patient*innen und Klient*innen dies wollen. Nur wir Psychotherapeut*innen haben noch immer ein unsägliches Berührungsverbot.
Lesen Sie in diesem Artikel, wann und warum Berührungen und Körperkontakt im Rahmen einer Psychotherapie und Traumatherapie sinnvoll und heilsam sein können.
Ich biete körperorientierte Psychotherapie, Traumatherapie und Beratung an.
Berührungen werden immer mehr sexuell assoziiert und damit zu einem Tabu.
Grundsätzlich ist Berührung eine Form von Kommunikation, die nichts mit Sexualität zu tun hat. Die Sexualisierung von Berührungen hat zur Folge, dass Kinder von ihren Eltern, Bezugspersonen und Pädagog*innen immer weniger berührt werden, weil diese (die oft berechtigte) Angst haben, dass ihnen sofort sexualisierte Gewalt unterstellt werde. Kinder spüren diese Berührungsängste ihrer Eltern und das Tabu und assoziieren dann später jede Berührung mit einem sexuellen Übergriff oder einer Einladung zu sexuellen Handlungen. Sigmund Freud bezeichnete diesen Prozess als die "Wiederkehr des Verdrängten".
Das Tabu der Berührung kann also Menschen in ihrer Entwicklung traumatisieren und im Erwachsenenalter zu Beziehungsstörungen führen.
Zudem haben viele Erwachsene irre Hemmungen, sich selbst zärtlich zu berühren (ich meine hier nicht unbedingt Selbstbefriedigung), wie etwa, sich sanft über den Arm zu streicheln, den Kopf in die eigene Wange zu schmiegen oder mit der Hand über die Herzgegend zu streichen.
Auch in der Psychotherapie gibt es ein großes Berührungstabu, obwohl fast alle anderen Gesundheitsberufe mit Berührungen arbeiten.
Nein, denn gerade für Menschen, die schwer traumatisiert sind, ist Körperkontakt hoch ambivalent und macht mitunter auch starke Angst. Körperliche Berührungen können sie triggern und retraumatisieren.
Niemand der zu mir in die Körperpsychotherapie kommt, muss Angst davor haben, dass ich mit ihm mit Berührungen arbeite.
D.h. es geht nicht darum, jede Therapiestunde als Selbstzweck Berührungen anzubieten, aber es geht um das Üben von personalem Kontakt, auch auf körperlicher Ebene.
Ich setze Berührungen sparsam ein, wohl dosiert und nur dann, wenn Klient*innen dies brauchen und möchten. D.h. mit dem Informed Consent meiner Patient*innen. Alles andere wäre missbräuchlich. Zudem spüre auch ich in mich hinein, ob die Berührung für mich selbst stimmig ist. Fühle ich mich etwa zur Berührung gedrängt oder missbraucht, so berühre ich nicht und lasse auch keine Berührungen zu.
Eine Berührung ist somit nur dann legitim und sinnvoll, wenn sie im Prozess von Patient und Psychotherapeut als stimmig erlebt wird. Wichtig ist zudem, dass eine stabile und vertrauensvolle therapeutische Beziehung besteht.
Mögliche Berührungen im Rahmen der Körperpsychotherapie sind etwa:
Oft ist es auch hilfreich, ein Kissen zwischen meine Hand und den berührten Körper zu legen.
Körperliche Berührungen im Rahmen meiner Psychotherapie dienen der Co-Regulation meiner Patient*innen bzw. der körperlichen Selbsterfahrung.
Berührungen können auch dann sinnvoll sein, wenn sie gehaltene oder blockierte Emotionen lösen oder Erinnerungen aus dem Körpergedächtnis wachrufen.
Darüber hinaus können Berührungen nachnähren. Dann dienen sie der Co-Regulation und dem Reparenting. Auf diese Weise werden gesunde und korrigierende zwischenmenschliche Erfahrungen gemacht.
Angebote zur Berührung werden gemeinsam reflektiert und dienen dem Aufbau einer guten Beziehung der Patientin zu sich selbst und ihren Mitmenschen sowie dem Erlernen gesunder und neuer Bindungs- und Beziehungsmuster. Hands-On ist gerade bei Menschen mit Bindungsschwächen und Bindungsstörungen hilfreich und sinnvoll. Sie können dadurch lernen, dass Berührungen beruhigen, Halt geben und der Regulierung von Emotionen und von Stress dienen. Sie haben nichts mit Überflutung oder Überwältigung zu tun.
Berührungen erfordern ein radikal phänomenologisches, langsames, sensibles und behutsames Vorgehen, sollten jederzeit korrigiert oder zurückgenommen werden können und unterliegen dem therapeutischen Prozess.
Um gut berühren zu können oder um mich körperlich berühren zu lassen, muss ich selbst als Therapeut achtsam, gegroundet und gut in mir ruhend sein.
Beispiele aus meiner Praxis:
Fragen, die ich mir als Psychotherapeut dabei stelle sind:
Welche Berührungen sind nicht in Ordnung?
Wir können im Sinne Martin Bubers nur am Du zum Ich kommen - auch leiblich und körperlich. Wir benötigen als soziale Wesen immer ein präsentes und authentisches Du, in dem wir uns spiegeln können und das uns auch bei unserer Verkörperung hilft.
Grundsätzlich sind wir Bindungswesen und brauchen Berührungen zur Regulation und Co-Regulation. Babys, die keine körperliche Berührungen erhalten, sterben. Babys haben nämlich noch kein voll ausgebildetes autonomes Nervensystem.
Da wir Menschen physiologische Frühgeburten sind, können wir uns als Babys noch nicht selbst regulieren und sterben aus Hilflosigkeit oder Todesangst, wenn wir nicht gehalten oder berührt werden. Sollten wir überleben, so sind wir oft schwer traumatisiert.
Menschen, die isoliert sind und keinen Kontakt bzw. auch Körperkontakt zu anderen Menschen haben, tun sich schwerer, ihr autonomes Nervensystem zu regulieren und zu beruhigen. Als Therapeut habe ich (zumindest im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit) ein gut reguliertes Nervensystem und kann durch meine Körperhaltung, aber auch durch Berührungen das extrem aktivierte Nervensystem meiner Klient*innen beruhigen.
Wenn wir im Hochstress sind oder unser Nervensystem im Alarmzustand ist, so brauchen wir in der Regel das besser regulierte Nervensystem einer anderen Person, das uns reguliert und uns in ein ruhigeres Niveau einschwingt.
Es geht in jeder Traumatherapie um neue Lernerfahrungen, die uns erleben lassen, dass wir uns in der Gegenwart eines anderen Menschen entspannen und regulieren können und um gesunde und hilfreiche Berührungen, die nicht missbräuchlich sind. Dies fördert unsere Bindungs- und Beziehungsfähigkeit. Auf diese Weise können wir im geschützten Rahmen der Therapie lernen, dass wir uns in Beziehungen auch körperlich sicher fühlen dürfen und können dann des Weiteren in Partnerschaften und Freundschaften hilfreiche und heilsame Berührungen besser zulassen sowie Nähe und Distanz besser und erwachsener regulieren.
Doch warum ist es eigentlich ein so großes Tabu, in der Psychotherapie mit Hands-On zu arbeiten? In anderen Gesundheitsberufen, wie etwa der Physiotherapie, ist dies ja völlig normal und selbstverständlich.
Ich denke, dass es in der Psychotherapie dieses Tabu gibt, weil Berührungen durch Psychotherapeut*innen immer wieder missbräuchlich oder sogar sexuell übergriffig eingesetzt wurden. Dies beginnt bei Berührungen und Umarmungen, welche die Patientin nicht möchte, und endet beim sexuellen Missbrauch.
Zu Bedenken ist auch das Machtgefälle zwischen Psychotherapeut und Patient*in. Die Patientin ist stets eine Schutzbefohlene.
Deshalb sind Berührungen auch nur dann legitim, wenn die Psychotherapeutin dies nicht tut, um eigene Bedürfnisse zu erfüllen, sondern die Berührung ganz in den Dienst ihres Patienten stellt. Jede Berührung, die therapeutisch hilfreich ist und die nicht sexuell oder erotisch aufgeladen ist, ist dann eine bedeutsame Methode. Auch das Angebot zur Berührung kann schon heilsam sein und Entwicklungsprozesse in Gang setzen.
Der Begründer der Psychoanalyse und Psychotherapie Sigmund Freud hat seine ersten Patientinnen noch völlig unbefangen während der Hypnose-Sitzungen berührt. Spätestens nachdem einige Psychoanalytiker ihre Patientinnen missbraucht hatten, wurde jedoch ein generelles Verbot jeglicher Berührung ausgesprochen, das z.T. sehr rationalisierend untermauert wurde. Fortan galt jede Berührung als eine Verletzung des Abstinenzgebotes und wurde tabuiert. Die Spaltung bzw. Dissoziation zwischen Kopf und Körper bzw. Leib wurde damit reinszeniert.
Zu bedenken ist an dieser Stelle, dass gerade Tabus mit ihrer Wiederkehr des Verdrängten übergriffige Berührungen und sexualisierte Gewalt von TherapeutInnen zu PatientInnen fördern.
Die Erkenntnisphilosophie (darunter (Edmund Husserl, Maurice Merleau-Ponty, Gabriel Marcel, Hermann Schmitz) und die Existenzanalyse bezeichnen den beseelten, lebendigen Körper übrigens als "Leib". Zwei aufeinander bezogene Körper stimmen sich in der Therapie aufeinander ein, gelangen in eine Resonanz und berühren manchmal einander. Berührung wird dabei als eine urmenschliche Form der Kommunikation und Regulation verstanden.
In den humanistischen Therapierichtungen wurde das Berührungsverbot im Laufe der Jahre wieder aufgeweicht. Die in der Psychoanalyse früher so verbreitete Spaltung zwischen Leib und Verstand und damit Leibentfremdung wurde kritisch hinterfragt. Psychotherapie wird seitdem als ein zwischenleiblicher Prozess verstanden.
Wenn ich berühre oder mich berühren lasse, so mache ich mich verletzlich, auch als Psychotherapeut. Ich nehme an, dass auch dies in das Berührungstabu innerhalb der Psychotherapieszene hineinspielt.