Tipps für Angehörige von trans*identen/transgender Menschen

Florian Friedrich • 17. November 2025

Was kann mir helfen, mit der trans*Geschlechtlichkeit (Transsexualität) meines/meiner Angehörigen* besser umzugehen?

Hilfreiche Strategien sind

  • sich sachliche und gute Informationen aus Büchern oder seriösen Dokumentationen zu trans*Identität zu verschaffen
  • Vereine für trans*Personen und deren Angehörige zu besuchen
  • eine Angehörigengruppe zu gründen oder aufzusuchen
  • Angehörigenberatung in Anspruch zu nehmen, etwa bei der Homosexuellen Initiative Salzburg oder bei Beratungsstelle Courage


Lesen Sie in diesem Beitrag Tipps für Angehörige von trans*identen und trans*gender Menschen

Ich biete Beratung, psychologische Hilfe und Familientherapie für Angehörige von trans*Menschen in Salzburg an, online auch in Wien, Berlin, Hamburg und München.

Tipps für Angehörige von trans*identen/transgender Menschen

Das Outing als Schock

Viele Menschen sind sehr überfordert, wenn sich ein*e Angehörige*r als trans* (transident, transsexuell, transgender, divers, non binär, genderfluid) outet.

Das Outing eines/einer Angehörigen kann Familien und Angehörige wie ein Schlag treffen. Vor allem Menschen, die aus patriarchalischen Elternhäusern stammen, haben es hier besonders schwer und empfinden mitunter große Schuldgefühle, wenn sich ihnen ihr eigenes Kind als trans* mitteilt. Eltern machen sich dann unter anderem Vorwürfe, aber auch gegenseitige Schulzuweisungen, dass sie etwas falsch gemacht hätten und ihre Erziehung schlecht gewesen sei. Tatsächlich ist trans*Identität eine gesunde Spielart menschlicher Identität, und es gab und gibt sie überall.


Unsicherheiten und Ängste sind normal

Es ist verständlich und völlig nachvollziehbar, dass Sie immense Unsicherheiten, Ängste, Scham- oder Schuldgefühle empfinden, wenn sich ein geliebter Mensch Ihnen gegenüber als trans* anvertraut. Haben Sie Verständnis und Empathie mit sich selbst. Wir alle werden heteronormativ und mehr oder weniger trans*feindlich erzogen.

Für Ihre negativen Gefühle können Sie nichts und Sie sind auch nicht dafür verantwortlich. Sie sind aber für einen konstruktiven Umgang mit Ihren negativen Emotionen verantwortlich.


Hilfreiche Strategien für Angehörige

  • Versuchen Sie als Angehörige*r die trans*Personen immer respektvoll und freundlich zu behandeln. Sie dürfen Fragen stellen, aber bleiben Sie dabei höflich und konstruktiv. Vermutlich hat der/die trans*idente Angehörige lange mit sich gerungen, bis er Ihnen von seiner/ihrer Geschlechtsdysphorie erzählen konnte. Vorwürfe, Schuldzuweisungen oder gar Beschimpfungen würden ihm/ihr schaden und können sie/ihn verletzen.
  • Sie dürfen selbstredend ehrlich über ihre emotionale Irritation sprechen, die Sie bezüglich der körperlichen Veränderung und des sozialen Rollenwechsels des trans*Menschen erleben. Machen Sie aber die/den trans*Angehörige*n nicht für Ihre eigene Angst oder für Ihre Kränkung und Schuldgefühle verantwortlich. Der gute und konstruktive Umgang mit diesen schwierigen Emotionen, auch wenn sie sehr heftig sind, obliegt alleine Ihnen.
  • Darüber hinaus ist es wichtig, dass Sie sich daran gewöhnen, den trans*Mann als Mann anzusprechen und die trans*Frau als Frau. Es ist verständlich, dass dies Ihnen am Anfang innerlich schwerfallen wird und dass das ein Prozess ist, der länger dauern darf.


Routine und ein gesunder Umgang

Im Laufe der Zeit werden Sie Routine im Umgang mit trans*Identität entwickeln und immer selbstsicherer mit der Geschlechtsdysphorie Ihres/Ihrer Angehörigen umgehen können. Ihre negativen Emotionen werden dann abflachen oder ganz verschwinden.

Auch als Freund*in, als Kollege/Kollegin, Partner*in, Sohn/Tochter und Angehörige*r durchlaufen Sie einen Prozess des Coming-outs. Sie werden u.U. in schwierige Situationen kommen, in denen Sie einen trans*Menschen, der Ihnen nahesteht, gegen Mobbing, Diskriminierung oder entwertende Kommentare verteidigen müssen.

Film: "Männlich, weiblich, divers – das dritte Geschlecht"

Posttraumatische Belastungskompetenz
von Florian Friedrich 15. Januar 2026
Wenn aus Überleben Verbundenheit entsteht Traumatische Erfahrungen können das Leben eines Menschen grundlegend erschüttern. Sie greifen tief in das Erleben von Sicherheit, Beziehung, Identität und Sinn ein. Wird aus dieser Erschütterung eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) , stehen meist Symptome, Defizite und Einschränkungen im Vordergrund: Flashbacks, Übererregung, Vermeidung, emotionale Taubheit, Beziehungsabbrüche. Doch neben dem oft langjährigen Leid entwickeln viele Menschen, die sich intensiv mit ihrer PTBS auseinandergesetzt haben, von einer neuen Tiefe, einer veränderten Art, sich selbst und anderen zu begegnen, von gewachsenen inneren Fähigkeiten. Diese Entwicklung lässt sich als Posttraumatische Belastungskompetenz beschreiben.
Trauma nach einer Brandkatastrophe: Was hilft?
von Florian Friedrich 14. Januar 2026
Wie du einer PTBS vorbeugen kannst (inklusive Selbsthilfemethoden aus dem Somatic Experiencing®) Aus aktuellem Anlass ( Brandkatastrophe von Crans-Montana ) möchte ich hier über ein paar psychische Erste-Hilfe-Maßnahmen schreiben. Einen schweren Unfall oder eine Brandkatastrophe mitzuerleben – etwa Schreie zu hören, Brandgeruch wahrzunehmen oder Bilder von brennenden Menschen zu sehen – kann tief erschüttern - übrigens auch dann, wenn wir lediglich Videos im Internet und in den Medien davon sehen. Viele Betroffene und Zeug*innen sind im Nachhinein verunsichert von ihren Reaktionen. Wichtig i st: Starke körperliche und seelische Reaktionen sind normale Antworten auf ein extremes Ereignis. Sie bedeuten nicht, dass du durchdrehst oder zwangsläufig eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln wirst. Dieser Artikel erklärt, warum Flashbacks auftreten, was in den ersten Tagen und Wochen hilft, und wie Selbsthilfemethoden aus dem Somatic Experiencing (SE) die Verarbeitung unterstützen können. Übrigens soziale Unterstützung schützt stark und ist einer der wichtigsten präventiven Wirkfaktoren, um keine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln. Menschen, die: über das Erlebte sprechen können emotionalen Rückhalt bekommen körperlich und emotional gehalten werden sich verstanden und ernst genommen fühlen haben ein deutlich geringeres PTBS-Risiko . Soziale Bindung wirkt wie ein Puffer gegen traumatische Überforderung.
Was ist
von Florian Friedrich 10. Januar 2026
Zu hohe Idealvorstellungen und Klischees, die uns im Weg stehen Viele Menschen haben sehr verkopfte Konstrukte und Konzepte von „Wahrer Liebe“. Emotional betrachtet ist Liebe ein starkes körperliches und seelisches Gefühl, das viele Menschen im Brustraum oder um die Herzgegend, aber auch von Kopf bis Fuß spüren. Viele fühlen Liebe als innere Wärme, als ob eine kleine Sonne aufginge und uns innerlich erstrahlen ließe. Das Gefühl Liebe ist losgelöst von der Sexualität. Dabei kann die Liebe die Sexualität ergänzen, dies ist jedoch nicht immer zwingend der Fall. Das körperliche und emotionale Fühlen von Liebe können wir bei Sexualpartner*innen, aber auch bei Freund*innen, in der Natur, für unsere Kinder, Eltern, Tiere u.v.m. erleben. Das gesellschaftliche Konstrukt „Wahre Liebe“ ist allerdings ein Mythos, denn Liebe ohne Konflikte und Begrenzungen gibt es nur in Märchen oder Hollywoodfilmen kurz vor dem Ende des Streifens. Mit der Realität hat das Ganze wenig zu tun. Ich biete Paartherapie, Paarcoaching und Beratung an, wenn Sie bemerken, dass Sie unter zu hohen und irrealen Idealvorstellungen von "Wahrer Liebe" leiden.
Das Nachlassen der Verliebtheit bei Bindungsstörungen
von Florian Friedrich 10. Januar 2026
Warum trennen sich viele Menschen nach der ersten Verliebtheit zu früh? Idealisierung und Realitätsverzerrung Wenn wir frisch verliebt sind, idealisieren wir oft den/die andere*n, ohne sie/ihn so zu sehen, wie er/sie im tiefsten Innersten wirklich ist und ohne in seinen/ihren authentischen (personalen) Kern zu blicken. Wir sehen sie/ihn dann so, wie wir sie/ihn gerne haben würden. Das Wort „Verliebtheit“ hat sicherlich nicht zufällig die Vorsilbe „ ver- “, weil wir oft irren, wenn wir VERliebt sind, uns etwas vormachen, Frühwarnzeichen nicht beachten oder uns selbst täuschen. Wir leiden in der Verliebtheit unter leichten Symptomen von Realitätsverlust, was uns aber angesichts der vielen Glücks- und Bindungshormone, die der Körper ausschüttet, egal ist. Wir verdrängen in der Regel nur allzu gerne, dass dieser überoptimale Zustand irgendwann auch wieder sein Ende haben wird. In diesem realitätsverzerrten Zustand besetzen wir den anderen Menschen mit Wünschen, Idealvorstellungen und Fantasien, die im Gegenüber gar nicht vorhanden sind. Sogar Unstimmigkeiten und Gegensätze werden positiv gedeutet und idealisiert: „ Gegensätze ziehen sich an “ oder „ wir ergänzen einander “. Diese erste Verliebtheit führt rasch zu einer so starken Bindung, dass sie in der Regel als zu intensiv und damit als anstrengend erlebt wird. Dies ist ein typisches Traumafolgesymptom: Sich immens stark zu binden, bevor wir den/die andere*n gut kennen. Aus diesen Idealisierungen, dem Himmel, wird dann rasch die Hölle. Es kommt zu massiven Kränkungen, Enttäuschungen, zu Ohnmachtserfahrungen und Hass, mit denen die Betroffenen nicht selbstregulierend umzugehen vermögen. Lesen Sie in diesem Artikel, warum Menschen mit Bindungsängsten rasch ihre Partnerschaften beenden, wenn die erste euphorische Verliebtheit schwindet.