Trans*ident / non-binär: Was ist die Geschlechtsidentität?

Florian Friedrich • 24. August 2025

Was ist die geschlechtliche Identität eines Menschen?

Der Begriff „Identität“ meint, wie sich eine Person selbst erlebt, fühlt und definiert. Dabei ist die Identität eines Menschen nicht starr und fest, sondern wird auch durch die Gesellschaft, etwa durch soziale Zuschreibungen, mitbestimmt.


Lesen Sie in diesem Beitrag, was die Geschlechtsidentität ist und warum diese nicht immer mit dem biologischen und zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt.

Was ist die Geschlechtsidentität? Was ist das Geschlecht?

Ob sich ein Mensch als weiblich, als männlich, als trans*ident, als transsexuell, als non-binär, als divers, als genderfluid, als polygender, als agender oder als genderqueer erlebt, kann nur er selbst bestimmen und spüren. Es ist gewaltvoll, wenn eine Person einer anderen Person fremdbestimmt, ohne Rücksicht auf die Gefühle des Gegenübers, auferlegt, welchem Geschlecht sie sich zuzuordnen habe. Das heißt nicht, dass es bereits gewaltvoll ist, wenn wir bei der Geburt eines Kindes eine Geschlechtszuweisung machen. Wenn wir als Mitmenschen, Eltern, Pädagog*innen und Psychotherapeut*innen aber Menschen ihre trans*Geschlechtsidentität ausreden, ihnen mitteilen, dass ihre Gefühle falsch seien und dass ihre trans*Identität eine Krankheit sei, dann handelt es sich um emotionalen Missbrauch und psychische Gewalt. Ob und wie sich ein Mensch fühlt, spürt nämlich nur er selbst. Zudem können Gefühle nie richtig oder falsch sein, Gefühle sind wie sie sind.
Jede gegenteilige Behauptung, etwa die Unterstellung, trans* Menschen sollten einfach lernen, zu akzeptieren, dass sie nicht in dem von ihnen erlebten Geschlecht leben können, führt Menschen auf Abwege, zu einem unauthentischen, apersonalen, sinnleeren Leben und zu einem falschen Selbst.


Jeder Mensch hat eine Geschlechtsidentität

Alle Menschen haben eine Geschlechtsidentität, wobei die Mehrheit aller Menschen mit ihrem biologischen Geschlecht zufrieden ist und sich auch in ihrer mit ihrem biologischen Geschlecht verbundenen sozialen Rolle (als Mann oder Frau) als kongruent erlebt. Wir leben in einer Gesellschaft, welche eine binäre Geschlechterordnung hat. Diese binäre Geschlechterordnung ist relativ starr und lässt kaum Räume für alternative Geschlechtsidentitäten (etwa trans*, divers oder genderfluid). Die Vielfalt möglicher Geschlechtsidentitäten wird durch angeborene Merkmale in diesem binären Konstrukt eingegrenzt auf ein Entweder-oder. Es gibt dann nur noch weiblich ODER männlich.
Wird die Geschlechtsidentität als kongruent und passend erlebt, so fällt sie uns in der Regel gar nicht auf. Trans*Menschen allerdings haben eine alternative Geschlechtsidentität und/oder fühlen sich dem anderen Geschlecht zugehörig.

Filmtipp: "Drängen wir Kinder in Geschlechterrollen?"

In einem Sozialexperiment wird erforscht, inwiefern wir unbewusst oder vorbewusst Kindern Geschlechterrollen vermitteln und durch unsere eigenen Erwartungen zuweisen.

Wodurch wird die Geschlechtsidentität beeinflusst?

Die Geschlechtsidentität und die Geschlechterrollen werden jedoch auch durch soziale, kulturelle, historische und individualpsychologische Faktoren stark beeinflusst. So war z.B. das Männer- und Frauenbild in den 1950er Jahren ein anderes als heute.


Wir können auf vielfältige Weise von „Geschlecht“ sprechen. So gibt es:

  • das chromosomale Geschlecht
  • das gonodale Geschlecht (Keimdrüsen)
  • das genitale Geschlecht (Vagina, Penis, zwischengeschlechtlich)
  • das juristische Geschlecht (divers, weiblich, männlich)
  • das soziale Geschlecht (die Geschlechterrolle)
  • das Identitätsgeschlecht


Trans* - die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten

Trans*Menschen sind alle Menschen, die sich nicht in der Geschlechtsidentität und Geschlechterrolle wohlfühlen, welche ihnen die Gesellschaft zuweist. „Trans*“ steht für die Vielfalt und Diversität an Lebensentwürfen, Geschlechtsidentitäten und Geschlechterrollen und ist eine Frage der Selbstdefinition. Trans* Menschen sind trans*gender, trans*idente, transsexuelle, genderfluide, androgyne, gender-bender, agender, polygender Personen u.v.m. Sie überschreiten die Geschlechtergrenzen, weil ihre Geschlechtsidentität gar nicht, nur teilweise oder kaum mit ihrem biologischen Geschlecht übereinstimmt, und zwar über einen temporären oder permanenten Zeithorizont. Die Grenzen zwischen den Geschlechtsidentitäten sind dabei fließend und eindeutige Zuordnungen sind oft nur schwer möglich.

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 30. Juni 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 5. September 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 7. November 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
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