Trans*Geschlechtlichkeit - Gewalt und Traumafolgestörungen

Florian Friedrich • 7. Dezember 2025

Diskriminierung von trans*identen Personen

Gewalt an trans*Personen kann zu Minderheitenstress und Traumafolgestörungen führen. Lesen Sie in diesem Artikel über trans*Identität und psychische Gewalt. 


Trans* (trans*idente, trans*gender, transsexuelle, non-binary, genderfluide, agender) Menschen sehen sich vielfältigen sozialen Stigmatisierungen und Diskriminierungen ausgesetzt.

Diskriminierungen, physische und psychische Gewalt können Menschen traumatisieren und psychische und gesundheitliche Folgeschäden nach sich ziehen, wie etwa Substanzmissbrauch, eine Posttraumatische Belastungsstörung, Traumafolgestörungen und chronische Persönlichkeitsveränderungen aufgrund von Traumatisierungen. Die betroffenen Personen fühlen sich hilflos oder entwickeln Gefühle des Hasses, der Wut und der Angst. Diese psychischen Folgen können sich chronifizieren und generalisieren, d.h. ein Mensch hat nach Gewalterfahrungen oft auch vor Personen Angst, die ihm nur Gutes wollen und ihn bedingungslos akzeptieren. Das Weltbild der von Gewalterfahrungen betroffenen Menschen ist fortan verzerrt oder von Misstrauen, Angst oder Hass geprägt.

Trans*Geschlechtlichkeit - Gewalt und Traumafolgestörungen

Verinnerliche trans*Phobie/trans*Negativität

Die psychischen Folgeschäden von Gewalterfahrungen können so schwer werden, dass die Person in ihrem Leben stark davon beeinträchtigt wird und mitunter Ausbildungen, die Schule oder das Studium abbrechen muss, weil die chronische Belastung der Traumafolgestörung soviel an Lebensenergie aufzehrt. Der gewünschte Beruf, der angestrebte soziale Status und ein gutes Einkommen werden dann nicht erreicht. Auch die sozialen Beziehungen und Partnerschaften sind großen Belastungen und Schwierigkeiten ausgesetzt.
Psychische, physische Gewalt und Diskriminierungen werden oft verinnerlicht (internalisierte trans*Phobie/trans*Negativität). D.h. die betroffenen Menschen werten sich dann selber ab, gehen schlecht mit sich selbst um, schämen sich ihrer trans*Geschlechtlichkeit, sind (projektiv) misstrauisch gegenüber liebevollen Menschen oder geben die eigenen Traumatisierungen und Gewalterfahrungen an andere Menschen weiter. In der Regel ist ihnen diese trans*Phobie gar nicht bewusst.

Gesellschaftliche Vorurteile, Stigmatisierungen, eine religiöse Sozialisation und trans*negative Peers fördern die verinnerlichte trans*Phobie. Die betroffenen trans*Personen erleben sich dann als minderwertig, ekelhaft, verabscheuungswürdig und defizitär. Sie fühlen sich als nicht richtig und als eine Zumutung für ihre Eltern, Angehörige und Freund*innen. Hinzu kommt ein Selbsthass, der nicht selten zu selbstschädigenden und selbstverletzenden Verhaltensweisen führt.


Traumatisierte Menschen und Minderheiten solidarisieren sich in der Regel nicht, weil sie die erfahrene Gewalt in ihr Inneres hineingenommen haben. Vielmehr kommt es zu malignen Spaltungsprozessen. So diskriminieren z.B. schwule Männer immer wieder lesbische Frauen und umgekehrt, oder lesbische
Frauen und schwule Männer werten bisexuelle Menschen oder trans*Personen ab. Auch innerhalb der Community von trans*Personen kommt es zu psychischer Gewalt, Ausgrenzung, Spaltung und Diskriminierung.

Film: "Minority Stress Theory"

Minderheitenstress führt oft zu Hass und negativen Gewaltspiralen. Auch diskriminierte Minderheiten werden dann gewaltvoll und den Täter*innen immer ähnlicher. 

Minority stress can often lead to hate and a negative circle of violence. Discriminated minorities then become more and more violent and similar to the aggressors.

Das Beispiel des geschlagenen Kindes

Im Alltag wird dieses Phänomen am Beispiel des geschlagenen Kindes verständlicher. Kinder, die Misshandlungen und körperliche Gewalt erfahren müssen, schlagen und misshandeln in der Regel ihre jüngeren Geschwister, andere Kinder oder quälen Tiere. Als Erwachsene werden sie häufig selbst physisch und psychisch gewalttätig bei ihren eigenen Kindern. Als Psychotherapeut sind mir noch keine Täter*innen begegnet, die nicht selbst schwer durch Gewalt traumatisiert worden waren.
Auch diskriminierte und traumatisierte Minderheiten, hier trans*Personen, geben die Gewalt häufig an andere Menschen weiter. So werden nicht-binäre Personen, die keine chirurgischen Maßnahmen zur Angleichung an das Gegengeschlecht anstreben, nicht selten von anderen trans*Personen verachtend und herablassend behandelt, mit Abwertungen, Schweigen, Kommunikationsabbrüchen und Ausgrenzung bestraft.


Oder andere Personen (etwa cis-Frauen und cis-Männer, also Männer und Frauen, die sich in ihrem biologischen und sozialen Geschlecht und in ihrem Körper wohlfühlen) werden ausgegrenzt. Mitunter werden auch trans*positive Menschen angegriffen, abgewertet, ausgeschlossen und beschimpft, die bezüglich politisch korrekter Sprache nicht auf dem neuesten Stand sind oder diese nicht verwenden. Ihnen wird dann rasch trans*Phobie, Homophobie und Sexismus vorgeworfen – ein Akt psychischer Gewalt, der durch Spaltung und Projektion (die verinnerlichte trans*Phobie wird anderen zu Unrecht vorgeworfen und dort projektiv bekämpft) völlig unbewusst bleibt. Die projektiv angefeindeten Menschen werden dann sogar aus der Community ausgeschlossen und diskreditiert, fühlen sich hilflos und ausgegrenzt.


Die psychische Gewalt kann hier so stark werden, dass der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird – etwa dann, wenn zu Shitstorms aufgerufen oder Cybermobbing und Rufschädigung gegen Menschen betrieben werden, die eine andere Meinung vertreten oder den oft rigorosen Werten nach 100-prozentig politisch korrekter Sprache und Wortwahl nicht gerecht werden.



Diskriminierung von cis-Männern

Sehr deutlich wird diese Reinszenierung von eigenen oder kollektiven Gewalterfahrungen, wenn cis-Männer von Gruppen, Organisationen und Ämtern ausgeschlossen werden, wie das im universitären-Bereich unter Studierenden im Frühjahr 2021 geschah (und noch immer geschieht).
Es ist immer gewaltvoll, FLINTs (Frauen, Lesben, intersexuelle Menschen, non-binary Personen, trans*Personen zu stigmatisieren. Um dieser Gewalt entgegenzuwirken, bedarf es nicht des Ausschlusses von cis-Männern, sondern deren Einbindung und Integration. Cis-Männer auszuschließen wäre ebenfalls wieder schwere psychische Gewalt und Diskriminierung. Die Opfer (die FLINTS fast immer waren oder sind) werden dabei selbst psychisch missbräuchlich und geben die erlittene Gewalt nun weiter, werden selbst zu Täter*innen.
Cis-Männer werden dann zu einer Minderheit gemacht, die weniger Rechte bekommen. Hier wird die ursprüngliche Diskriminierung im Wiederholungszwang reinszeniert.

Podcast von Verena König: "Kollektives Trauma - im Gespräch mit Thomas Hübl"

Trans*Phobie ist ein Symptom eines kollektiven Traumas von vielen Jahrtausenden Sexismus, Patriarchat und Sexualfeindlichkeit. Die Traumatherapeutin Verena König spricht mit dem von mir sehr hochgeschätzten spirituellen Lehrer Thomas Hübl darüber, wieso Trauma nicht nur individuell, sondern auch kollektiv stattfindet.


Ich bin sehr inspiriert von Thomas Hübl. Er ist ein österreichischer spiritueller Lehrer, Autor und moderner Mystiker, der weltweit bekannt ist für seine Arbeit zur Heilung kollektiver Traumata, indem er tiefe Weisheitstraditionen mit Wissenschaft und Psychologie verbindet. Er leitet das "Timeless Wisdom Training" und ist Gastdozent an der Harvard Medical School und Gastwissenschaftler am Wyss Institute, wo er Fachleute im Umgang mit Traumata schult. 


Wichtige Aspekte seiner Arbeit sind:

  • Verbindung von Wissenschaft und Spiritualität: Hübl integriert Erkenntnisse aus Mystik, Neurowissenschaften und Psychologie, um persönliche und globale Krisen zu verstehen.
  • Kollektive Traumata: Ein Kernpunkt seiner Lehre ist die Heilung von kollektiven Traumata, die er als Ursache vieler heutiger gesellschaftlicher Probleme sieht.
  • Ausbildung und Kurse: Er bietet internationale Trainings und Kurse an, darunter das "Timeless Wisdom Training", die sich auf Bewusstseinsveränderung und Verbundenheit konzentrieren.
  • Autor: Er hat mehrere Bücher geschrieben, darunter "Kollektives Trauma heilen" und "Die heilsame Kraft unserer Beziehungen".
  • Akademische Tätigkeit: Hübl ist Visiting Scholar am Wyss Institute der Harvard University und gibt dort Workshops zu Trauma-informiertem Leadership.
Florian Friedrich als Bastian im Theaterstück DER DRESSIERTE MANN
von Florian Friedrich 13. September 2026
Mein aktuelles Schauspielprojekt in der Rolle des Bastian Der dressierte Mann von John von Düffel Nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar. Vilar dreht den Spieß um. Sie behauptet: Nicht die Männer unterdrücken die Frauen, sondern Frauen dressieren die Männer seit Jahrhunderten. Frauen nutzen Sex, Liebe und die Mutterrolle als Machtmittel. Dafür lassen sie sich aushalten und versorgen. Männer arbeiten, machen Krieg, zahlen - und bekommen dafür “Zuneigung” und Sex. Sie sind also die eigentlichen „Sklaven“. “Der Mann ist dressiert wie ein Haustier. Er glaubt frei zu sein, ist aber abhängig.” Das Buch löste 1971 einen riesigen Skandal aus. Von Feministinnen gehasst, von Männern gefeiert. Bis heute extrem umstritten. Es ist in dem Buch eine provokante These, dass die klassische Rollenverteilung Frauen bevorteilt und Männer ausbeutet. Bis heute ein Provokations-Bestseller. Der Vorverkaufspreis beträgt 16 Euro, an der Abendkasse 18 Euro. Ermäßigungen gibt es für Jugendliche sowie für (Schüler-)Gruppen ab zehn Personen. Reservierungen: Freiraum Oberndorf: 0664 / 6431727 Theatergruppe Oberndorf: 0677 / 62551846 E-Mail: info@freiraumoberndorf.at Ich freue mich. die tolle Rolle des Bastian zu spielen, eine Rolle, die man(n) sich nur wünschen kann.
Rituelle Gewalt und Mind Control  - Podcast
von Florian Friedrich 13. September 2026
Eine 13-teilige Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation und therapeutische Macht Die Diskussion über „rituelle Gewalt“ und „Mind Control“ bewegt sich zwischen realen Erfahrungen von Gewalt, traumatischen Folgen, wissenschaftlich umstrittenen Erklärungsmodellen und teilweise weitreichenden Verschwörungserzählungen. Diese Podcastreihe versucht, diese Ebenen voneinander zu unterscheiden. Dabei geht es nicht darum, sexualisierte oder organisierte Gewalt zu leugnen. Solche Gewalt ist real und kann schwere psychische Folgen haben. Gleichzeitig müssen auch weitreichende Behauptungen über geheime Täter-Netzwerke, satanistische Rituale, gezielte Persönlichkeitsspaltung oder Mind Control wissenschaftlich geprüft werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Erinnerungen entstehen und welche Rolle therapeutische Suggestion spielen kann. Denn eine therapeutische Beziehung ist niemals nur ein Gespräch unter Gleichen. Therapeut*innen verfügen über Wissen, Autorität und Einfluss. Gerade deshalb tragen sie eine besondere Verantwortung dafür, zwischen Beobachtung, Hypothese und Gewissheit zu unterscheiden. Die Reihe fragt unter anderem: Was ist über rituelle und organisierte sexualisierte Gewalt tatsächlich bekannt? Welche wissenschaftlichen Belege gibt es für die weitreichende RG-MC-Erzählung? Was wissen wir über Dissoziation und DIS? Wie entstehen Erinnerungen und wie können falsche Erinnerungen entstehen? Was bedeutet es, wenn Erinnerungen erst während einer Therapie auftauchen? Wo beginnt therapeutische Suggestion? Was geschieht, wenn eine therapeutische Theorie zum Deutungsrahmen für nahezu alles wird? Wie können Patient ihre eigene Autonomie bewahren? Was können Therapeut tun, wenn sie eine frühere Überzeugung inzwischen kritisch sehen? Wo liegen die Grenzen wissenschaftlicher Kritik und berufsrechtlicher Sanktionen? Und wie können wir über dieses Thema sprechen, ohne entweder Menschen zu entwerten oder unbelegte Behauptungen zu bestätigen? Die Perspektive der Reihe ist hypnosystemisch: Nicht jede Erfahrung muss sofort abschließend erklärt werden. Zustände, Gefühle, Körperreaktionen und innere Anteile können ernst genommen und therapeutisch bearbeitet werden, ohne daraus automatisch eine bestimmte historische Geschichte abzuleiten. Denn: Wir können Menschen glauben, ohne jede Interpretation ihrer Vergangenheit zu glauben. Wir können Trauma behandeln, ohne eine bestimmte Tätergeschichte vorauszusetzen. Und wir können sagen: „Ich weiß es nicht.“ Diese Unsicherheit muss kein therapeutisches Defizit sein. Sie kann der Raum sein, in dem Selbstbestimmung wieder möglich wird.  Die 13 Folgen: Rituelle Gewalt & Mind Control – Was ist wissenschaftlich belegt? Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Eine Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation, Suggestion, therapeutische Verantwortung und die Freiheit, die eigene Geschichte selbst zu hinterfragen.
Im Zentrum steht eine transparente menschliche Kopf-Silhouette.
von Florian Friedrich 13. September 2026
Rituelle Gewalt, Mind Control und False Memory: Warum therapeutische Erklärungen sorgfältig geprüft werden müssen In der Psychotherapie begegnen Fachleute immer wieder Menschen mit intensiven Ängsten, körperlichen Reaktionen, Erinnerungslücken, Albträumen oder schwer einzuordnenden inneren Zuständen. Solche Erfahrungen können zutiefst belastend sein und verdienen eine ernsthafte therapeutische Begleitung. Gleichzeitig stellt sich eine zweite, fachlich anspruchsvolle Ebene: Welche Bedeutung wird diesen Erfahrungen gegeben? Gerade dort, wo es um rituelle Gewalt, Mind Control oder vermeintlich verdrängte Erinnerungen geht, können Erklärungsmodelle eine besondere Macht entwickeln. Aus einer zunächst möglichen Hypothese kann schrittweise eine Gewissheit werden. Und aus einer Gewissheit kann schließlich eine umfassende Erklärung für die eigene Lebensgeschichte entstehen.
Körperbasiert reguliert - Podcast
von Florian Friedrich 12. September 2026
Willkommen zu deinem 52-wöchigen Jahres-Curriculum für somatische Selbstregulation.