Sind trans*idente Frauen auf cis Frauen eifersüchtig?

Florian Friedrich • 14. Oktober 2025

Ein Gegenkommentar auf Frau Elfriede Hammerls Kolumne auf profil.at

Lesen Sie in diesem Beitrag, warum trans*idente Frauen nicht neidisch oder eifersüchtig auf cis Frauen sind und erfahren Sie mehr über problematische Vorurteile gegenüber trans*Personen und wie es trans*Menschen geht, wenn sie nicht in ihrer Authentizität gesehen werden.

Sind trans*idente Frauen auf cis Frauen eifersüchtig?

Begriffsbestimmung

Trans* heißt, dass sich ein Mensch nicht mit seinem Geburtsgeschlecht identifizieren kann, sondern mit dem anderen Geschlecht. Manche Menschen fühlen sich auch zwischen den Geschlechtern. Unter trans* fallen Personen, die trans*ident, trans*gender, transsexuell, genderfluid, nicht binär, divers, polygender, gender-queer, agender u.v.m. sind. Nur ein paar Promille der Gesamtbevölkerung sind trans*.

Cis sind all jene Menschen, die sich mit ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren können, also fast alle Personen.


Neue Vorurteile

In den letzten Monaten lese ich in der öffentlichen medialen Debatte immer wieder das Vorurteil, dass trans*Frauen auf cis Frauen wütend seien, so etwa von Elfriede Hammerl:

"Wer eine Frau ist - Konkurrenz auf High Heels um das Wohlwollen der Patriarchen." (Profil, Kolumne vom 6.8.2022)

Frau Hammerl ist eine österreichische Schriftstellerin und Journalistin, hat das österreichische Frauenvolksbegehren mitinitiiert, sich stark für die Rechte von Frauen eingesetzt, für das Liberale Forum kandidiert und besticht durch ihre Kreativität und ihr Lebenswerk.

Ich vermisse jedoch ihre sonstige Feinfühligkeit in der Kolumne. Vielmehr scheint Frau Hammerl sich auf trans*Frauen regelrecht einzuschießen. Frau Hammerl vereinnahmt hier zudem die Gefühle von trans*Frauen und unterstellt ihnen Wut auf cis Frauen. Aus diesem Grund möchte ich hier als Psychotherapeut der Existenzanalyse, der mit trans*Menschen arbeitet und sie auf ihrem Prozess der Selbstfindung begleitet, ein gegen-Statement abgeben.


Gesunde Empörung und Wut

Die meisten trans*Frauen, die ich kenne, fühlen Wut, Zorn und Empörung, wenn sie nicht so gesehen und ernst genommen werden, wie sie sich authentisch fühlen, nämlich als Frauen. Dies ist eine völlig berechtigte, gesunde Wut, denn Gefühle, in Anspielung auf Erich Fried, sind und lügen nicht. Diese reaktive Wut hat jedoch nichts mit Wut, Neid oder Missgunst auf cis Frauen zu tun. Die Aggression ist eine gesunde Emotion, die (trans*) Menschen benötigen, um sich zu schützen, zu verteidigen und zu wehren.

Zudem stellt sich Frau Hammerl selbst als potenzielles Opfer dar, wenn sie postuliert:

"Der wahre Widerpart für die Aktivistinnen der Trans-Frauen sind, so scheint es, die Bio-Weiber, die ihnen den Körper voraushaben, den sie sich wünschen. Für diese grobe Schlussfolgerung kriege ich bestimmt Prügel."


Minderheitenstress und Gewalt

Tatsächlich gibt es trans*Frauen und LGBTIQA*, die unter Minderheitenstress leiden oder sogar aufgrund psychischer Gewalt, trans*Negativität etc. extrem traumatisiert sind und selbst gewaltvoll werden bzw. eigene Verletzungen weitergeben. Solche Akte von Gewalt, wie sie etwa J.K. Rowling erleben musste, die nach trans*kritischen, biologistischen Kommentaren Morddrohungen erhielt und deren Bücher verbrannt wurden, verurteile ich und habe ich bereits in einem anderen Artikel heftig kritisiert. Sie tragen dazu bei, dass sich die Fronten zunehmend verhärten. Hier werden die Opfer selbst zu Täter*innen oder sogar noch schlimmer als diese.

Die Ursachen dieser Traumatisierungen liegen fast immer im Patriarchat und im Heterosexismus, in der starren Matrix der Binarität der Geschlechter unter denen alle Frauen, aber auch wir emanzipierten Männer leiden.

Filmtipp: "Trans zu sein ist Mode": Alice Schwarzer kritisiert Selbstbestimmungsgesetz

Auch die Feministin Alice Schwarzer tut sich schwer mit dem Phänomen der trans*Identität. Vorschnell wird trans*Männern unterstellt, dass sie lediglich unter ihrer weiblichen Genderrolle leiden. Damit wird trans*Identität nicht ernst genommen, wodurch sich die Positionen extrem verhärten.


Resilienz von trans*Personen

Ich selber mache jedoch als Psychotherapeut die Erfahrung, dass die meisten trans*Frauen psychisch sehr gesund, stabil und voller Lebensfreude sind und trotz trans*Phobie, unendlich viel Leids und viel Diskriminierung zu sich selbst stehen und ihrem authentischen Spüren vertrauen, nämlich, dass sie Frauen sind. Dieses Frau-Sein strahlt von Innen heraus und hat nichts mit High Heels und langen Fingernägeln zu tun. Es ist das Wahrhaftige, Personale, Echte, Authentische, Gesunde und Wesenhafte im Menschen, das hier trotz aller äußeren Schwierigkeiten, Schikanen und trans*phoben Gewalterfahrungen hervorkommt und sich zeigen möchte. Ich spüre oft schon im Erstgespräch, in den ersten Sekunden während der Begrüßung, dass mir hier eine Frau mit einer wahrhaftigen, authentischen Weiblichkeit gegenübersitzt, auch dann, wenn die betroffene trans*Frau noch in der sozialen Rolle des Mannes zu mir kommt und einen Mann "spielt", weil sie das im Alltag jeden Tag muss.


Auch frage ich mich, wo all die trans*Frauen sein sollen, die sich selbst als Sexobjekte inszenieren? Alle mir bekannten trans*Frauen sind sehr subtil, geschmackvoll und dezent gekleidet.

Im Übrigen ermutige ich meine trans*femininen Klient*innen im therapeutischen Prozess sogar, mit den viel geschmähten Accessoires wie High Heels, langen künstlichen Fingernägeln, Strumpfhosen etc. zu Hause oder an einem sicheren Ort, wo keine Diskriminierung droht (etwa in meiner Praxis), zu experimentieren und diese zu tragen. Es geht hierbei um das sich-Ausprobieren, aber auch um Lebensfreude, Ausdruck, das Spielerische (denn schwer haben es trans*Personen ohnehin schon genug) und Kreativität, um das sich-Spüren, mit welchen Kleidungsstilen und Accessoires ich mich wohlfühle, welche für mich stimmen und welche nicht. Fühlt eine (trans*) Frau sich mit Pumps, High Heels und künstlichen Wimpern echt, selbstbestimmt und authentisch, dann würde sie sich selbst verfehlen, diese Accessoires nicht zu tragen und es wäre ideologisch und somit missbräuchlich, ihr die Pumps, Augenbrauen oder künstlichen Fingernägel auszureden.


Das Echte im Menschen

Ich möchte an dieser Stelle hervorheben, dass ich es als eine große Stärke und Ressource erachte, wenn trans*Menschen trotz schwerer Traumatisierungen, Stigmatisierungen und Diskriminierungen zu ihrer trans*Identität finden und stehen. Wer dies kann, muss über erstaunliche innere Kraftquellen und Skills verfügen. Auch die Unterstellung des Hypes und die Diskussion um den Machbarkeitswahn sind plakativ und ignorieren, dass es viele trans*Personen gibt, die keine oder nur wenige geschlechtsangleichende, körpermodifizierende Maßnahmen anstreben. Zudem ist eine Aussöhnung mit dem Geburtsgeschlecht fast nie möglich, sonst wäre es ja nicht trans*Identität.

Es geht hier auch nicht um Ideologien, denn trans*Menschen sind nicht aufgrund von Ideologien trans* oder streben Operationen an, sondern es geht rein darum, was eine trans*Person in ihrem tiefsten Innersten spürt und fühlt. Wenn sich hormonelle Maßnahmen und chirurgische Angleichungen stimmig und echt anfühlen, dann sind sie berechtigt und lindern viel Druck, Not und Leid. Die Angleichung wird dann zum Ausdruck des liebevollen, gesunden und fürsorglichen Umgangs mit sich selbst. Ich bin es mir in diesem Fall als trans*Frau schuldig, körpermodifizierende Maßnahmen machen zu lassen und könnte es am Ende meines Lebens bedauern und bereuen, dies nicht getan zu haben.


Unermessliches Leid

Frau Hammerl, Frau Schwarzer und viele andere Feministinnen haben hier keinen Blick für das oft unermessliche Leid und die innere Not, die trans*Menschen in unserer noch immer sehr patriarchalischen Gesellschaft fühlen. Trans*Personen haben es viel schwerer als ich. Ich kann als cis Mann diesen inneren Schmerz nur würdigen, denn dieses Leid, diese Not aber auch ein nicht so gutes Passing auszuhalten kosten extrem viel Kraft und Lebensenergie.

Hut ab vor allen trans*Personen, die die Stärke und Resilienz haben und die Courage aufbringen, sich auf den langen, harten und steinigen Weg der Transition zu machen, Ernst zu machen mit dem eigenen Sein und ihre Authentizität zu leben. Leicht haben sie es dabei nicht, vor allem dann nicht, wenn es so sehr an Solidarität mangelt.

Florian Friedrich als Bastian im Theaterstück DER DRESSIERTE MANN
von Florian Friedrich 9. September 2026
Mein aktuelles Schauspielprojekt in der Rolle des Bastian Der dressierte Mann von John von Düffel Nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar. Vilar dreht den Spieß um. Sie behauptet: Nicht die Männer unterdrücken die Frauen, sondern Frauen dressieren die Männer seit Jahrhunderten. Frauen nutzen Sex, Liebe und die Mutterrolle als Machtmittel. Dafür lassen sie sich aushalten und versorgen. Männer arbeiten, machen Krieg, zahlen - und bekommen dafür “Zuneigung” und Sex. Sie sind also die eigentlichen „Sklaven“. “Der Mann ist dressiert wie ein Haustier. Er glaubt frei zu sein, ist aber abhängig.” Das Buch löste 1971 einen riesigen Skandal aus. Von Feministinnen gehasst, von Männern gefeiert. Bis heute extrem umstritten. Es ist in dem Buch eine provokante These, dass die klassische Rollenverteilung Frauen bevorteilt und Männer ausbeutet. Bis heute ein Provokations-Bestseller. Der Vorverkaufspreis beträgt 16 Euro, an der Abendkasse 18 Euro. Ermäßigungen gibt es für Jugendliche sowie für (Schüler-)Gruppen ab zehn Personen. Reservierungen: Freiraum Oberndorf: 0664 / 6431727 Theatergruppe Oberndorf: 0677 / 62551846 E-Mail: info@freiraumoberndorf.at Ich freue mich. die tolle Rolle des Bastian zu spielen, eine Rolle, die man(n) sich nur wünschen kann.
von Florian Friedrich 9. September 2026
Eine 13-teilige Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation und therapeutische Macht Die Diskussion über „rituelle Gewalt“ und „Mind Control“ bewegt sich zwischen realen Erfahrungen von Gewalt, traumatischen Folgen, wissenschaftlich umstrittenen Erklärungsmodellen und teilweise weitreichenden Verschwörungserzählungen. Diese Podcastreihe versucht, diese Ebenen voneinander zu unterscheiden. Dabei geht es nicht darum, sexualisierte oder organisierte Gewalt zu leugnen. Solche Gewalt ist real und kann schwere psychische Folgen haben. Gleichzeitig müssen auch weitreichende Behauptungen über geheime Täter-Netzwerke, satanistische Rituale, gezielte Persönlichkeitsspaltung oder Mind Control wissenschaftlich geprüft werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Erinnerungen entstehen und welche Rolle therapeutische Suggestion spielen kann. Denn eine therapeutische Beziehung ist niemals nur ein Gespräch unter Gleichen. Therapeut*innen verfügen über Wissen, Autorität und Einfluss. Gerade deshalb tragen sie eine besondere Verantwortung dafür, zwischen Beobachtung, Hypothese und Gewissheit zu unterscheiden. Die Reihe fragt unter anderem: Was ist über rituelle und organisierte sexualisierte Gewalt tatsächlich bekannt? Welche wissenschaftlichen Belege gibt es für die weitreichende RG-MC-Erzählung? Was wissen wir über Dissoziation und DIS? Wie entstehen Erinnerungen und wie können falsche Erinnerungen entstehen? Was bedeutet es, wenn Erinnerungen erst während einer Therapie auftauchen? Wo beginnt therapeutische Suggestion? Was geschieht, wenn eine therapeutische Theorie zum Deutungsrahmen für nahezu alles wird? Wie können Patient ihre eigene Autonomie bewahren? Was können Therapeut tun, wenn sie eine frühere Überzeugung inzwischen kritisch sehen? Wo liegen die Grenzen wissenschaftlicher Kritik und berufsrechtlicher Sanktionen? Und wie können wir über dieses Thema sprechen, ohne entweder Menschen zu entwerten oder unbelegte Behauptungen zu bestätigen? Die Perspektive der Reihe ist hypnosystemisch: Nicht jede Erfahrung muss sofort abschließend erklärt werden. Zustände, Gefühle, Körperreaktionen und innere Anteile können ernst genommen und therapeutisch bearbeitet werden, ohne daraus automatisch eine bestimmte historische Geschichte abzuleiten. Denn: Wir können Menschen glauben, ohne jede Interpretation ihrer Vergangenheit zu glauben. Wir können Trauma behandeln, ohne eine bestimmte Tätergeschichte vorauszusetzen. Und wir können sagen: „Ich weiß es nicht.“ Diese Unsicherheit muss kein therapeutisches Defizit sein. Sie kann der Raum sein, in dem Selbstbestimmung wieder möglich wird. Die 13 Folgen Rituelle Gewalt und Mind Control – Was wissen wir eigentlich? Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Die Macht der Erinnerung Du bist nicht dein Zustand Wenn der Therapeut die Geschichte mitliefert Michaela Huber – Koryphäe, Einfluss und fachliche Kritik Valeria Petkova – Wenn Mind Control zur Erklärung wird Wenn Therapie zur Weltanschauung wird 9. Wenn Therapeut aussteigen – Schuld, Loyalität und der Weg zurück Wenn du als Klient aussteigen willst Wem gehört die Geschichte eines Menschen? Portugal, Netzwerke und die Internationalisierung einer therapeutischen Schule Von SPIEGEL bis zum goldenen Aluhut – Wenn Wissenschaft, Therapie und Medien aufeinanderprallen Eine Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation, Suggestion, therapeutische Verantwortung und die Freiheit, die eigene Geschichte selbst zu hinterfragen.
Cinematic conceptual illustration of a human silhouette standing in a dark, atmospheric room
von Florian Friedrich 8. September 2026
Rituelle Gewalt, Mind Control und falsche Erinnerungen: Eine psychotherapeutische und wissenschaftliche Einordnung von Trauma, Suggestion, Hypnose und Gedächtnis.
Körperbasiert reguliert - Podcast
von Florian Friedrich 8. September 2026
Willkommen zu deinem 52-wöchigen Jahres-Curriculum für somatische Selbstregulation.