Nicht gegen dich, sondern anders mit dir - Podcast # 1

Florian Friedrich • 9. August 2026

Warum du manchmal genau das tust, was du eigentlich nicht willst

  • Warum tun wir manchmal Dinge, von denen wir eigentlich wissen, dass sie uns nicht guttun?
  • Warum schreiben wir eine Nachricht, obwohl wir uns vorgenommen haben, es nicht zu tun?
  • Warum bleiben wir in Beziehungen, obwohl wir eigentlich Abstand gewinnen möchten?
  • Warum stehen wir uns scheinbar selbst im Weg?


Vielleicht arbeitest du gar nicht gegen dich selbst.

In der ersten Folge von „Warum du manchmal genau das tust, was du eigentlich nicht willst“ gehe ich diesen Fragen aus einer hypnosystemischen Perspektive nach.

Der hypnosystemische Ansatz, wie er insbesondere durch Gunther Schmidt geprägt und weiterentwickelt wurde, verbindet hypnotherapeutisches und systemisches Denken. Dabei geht es nicht nur darum, ein Problem zu beseitigen. Es geht darum, Verhalten in seinem Kontext zu verstehen, nach seiner möglichen Funktion zu fragen und vorhandene Ressourcen für Veränderung zu nutzen.

Nicht gegen dich, sondern anders mit dir - Podcast # 1

Podcast Nummer 1

Ich erkläre außerdem das Seitenmodell:

Wir können unterschiedliche innere Bedürfnisse, Gefühle, Bewertungen und Handlungstendenzen als verschiedene „Seiten“ erleben.


Wichtig dabei: Seiten und Anteile sind Metaphern. Es handelt sich nicht um tatsächlich voneinander getrennte Personen in uns, sondern um eine hilfreiche Möglichkeit, komplexe innere Prozesse zu unterscheiden und miteinander in Kontakt zu bringen.

Was wäre, wenn eine Seite von dir, die dir manchmal Schwierigkeiten macht, eigentlich versucht, etwas Wichtiges für dich zu erreichen?

Was wäre, wenn Angst, Widerstand, Kontrolle oder Sehnsucht nicht einfach nur Probleme wären, sondern auch Hinweise auf Bedürfnisse und Ressourcen enthalten könnten?

Und was könnte sich verändern, wenn du nicht mehr fragst:

„Wie werde ich das los?“

sondern:

„Was versucht das für mich zu erreichen?“


Zum Abschluss lade ich zu einer kurzen hypnosystemischen Imagination ein, in der du deine unterschiedlichen inneren Seiten neugierig wahrnehmen und nach einer Möglichkeit suchen kannst, wie Veränderung und Sicherheit miteinander verbunden werden können.


In dieser Folge geht es um:

• Hypnosystemische Psychotherapie
• Gunther Schmidt und seine Bedeutung für die Hypnosystemik
• Das Seitenmodell
• Seiten und Anteile als Metapher
• Innere Konflikte und unterschiedliche Bedürfnisse
• Utilisation und Ressourcenorientierung
• Die mögliche Funktion von „störendem“ Verhalten
• Selbstveränderung ohne Selbstbekämpfung
• Eine kurze hypnosystemische Imagination


Die zentrale Frage dieser Folge: Wie kannst du das, was bereits in dir vorhanden ist, für deine Entwicklung nutzen?

Nicht gegen dich.

Sondern anders mit dir.

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Warum wir tun, was wir eigentlich nicht wollen

Selbstsabotage verstehen und alte Verhaltensmuster verändern

Du weißt eigentlich genau, was du möchtest – und trotzdem tust du immer wieder das Gegenteil.

Du möchtest einer bestimmten Person nicht mehr schreiben und greifst trotzdem zum Handy.

Du möchtest weniger auf WhatsApp schauen und überprüfst trotzdem immer wieder, ob eine neue Nachricht gekommen ist.

Du möchtest früher schlafen gehen, arbeitest aber bis spät in die Nacht.

Du möchtest eine Beziehung loslassen, von der du längst weißt, dass sie dir nicht guttut – und suchst trotzdem wieder Kontakt.

Oder du hast dir vorgenommen, endlich etwas zu beginnen, das dir wirklich wichtig ist, und schiebst es trotzdem immer wieder auf.

Vielleicht kennst du anschließend den Gedanken:

„Was stimmt eigentlich nicht mit mir?“

Oder:

„Warum sabotiere ich mich ständig selbst?“

Die hypnosystemische Perspektive schlägt an dieser Stelle eine andere Frage vor:

Vielleicht arbeitest du gar nicht gegen dich selbst.

Vielleicht versucht das Verhalten, das du gerne loswerden möchtest, auf irgendeine Weise etwas für dich zu erreichen.

Genau diese Perspektive kann einen wichtigen Unterschied machen.


Selbstsabotage – oder ein Lösungsversuch?

Der Begriff Selbstsabotage klingt zunächst so, als würde ein Teil von uns absichtlich gegen unsere eigenen Interessen arbeiten.

Als würden wir wissen, was gut für uns wäre, und es trotzdem verhindern.

Aus hypnosystemischer Sicht lohnt sich jedoch ein genauerer Blick:

Welche Funktion erfüllt das Verhalten?

Denn ein Verhalten kann problematische Auswirkungen haben und trotzdem ursprünglich einen nachvollziehbaren Zweck erfüllen.

Ein Beispiel:

Du möchtest einer Person nicht mehr schreiben. Du weißt, dass dich der Kontakt immer wieder enttäuscht.

Trotzdem entsteht irgendwann der Impuls:

„Ich könnte ja nur kurz fragen, wie es ihm geht.“

Du schreibst.

Dann wartest du.

Vielleicht kommt keine Antwort. Vielleicht kommt eine enttäuschende Antwort.

Und anschließend denkst du:

„Ich wusste doch, dass ich das nicht machen sollte.“

Die entscheidende Frage wäre nun nicht nur:

„Warum habe ich das wieder getan?“

Sondern:

„Was wollte ich mit dieser Nachricht eigentlich erreichen?“

Vielleicht ging es um Nähe.

Vielleicht um Sicherheit.

Vielleicht darum, Ungewissheit zu beenden.

Vielleicht darum, einen möglichen Verlust zu verhindern.

Vielleicht sollte ein unangenehmes Gefühl für einen Moment verschwinden.

Das Verhalten wäre dann nicht unbedingt sinnvoll – aber es wäre möglicherweise ein Lösungsversuch.



Was steckt hinter problematischem Verhalten?

Eine zentrale Haltung der Hypnosystemik besteht darin, Menschen nicht auf ihre Probleme zu reduzieren.

Statt ausschließlich zu fragen:

„Was ist das Problem?“

Kann man fragen:

  • Wann tritt das Verhalten auf?
  • In welchem Kontext entsteht es?
  • Was löst es aus?
  • Was versucht die Person dadurch zu erreichen?
  • Welche Bedürfnisse stehen dahinter?
  • Welche Funktion könnte das Verhalten haben?
  • Was hat vielleicht früher einmal daran geholfen?
  • Welche Fähigkeiten und Ressourcen sind bereits vorhanden?
  • Wie könnte dieselbe Funktion auf eine günstigere Weise erfüllt werden?

Das bedeutet ausdrücklich nicht, problematisches Verhalten schönzureden.

Wenn jemand beispielsweise immer wieder in eine destruktive oder gewalttätige Beziehung zurückkehrt, bedeutet die Suche nach der Funktion nicht, Gewalt zu entschuldigen oder die Beziehung zu romantisieren.

Im Gegenteil:

Wenn wir verstehen, welches Bedürfnis hinter dem Verhalten steht, können wir nach einer besseren Möglichkeit suchen, dieses Bedürfnis zu erfüllen.

Das Seitenmodell: Wenn verschiedene Bedürfnisse miteinander in Konflikt geraten

Eine hilfreiche Metapher dafür ist das Seitenmodell.

Damit ist nicht gemeint, dass in unserem Inneren tatsächlich verschiedene kleine Personen sitzen.

„Innere Seiten“, „Anteile“ oder „Ego States“ sind vielmehr Modelle und sprachliche Metaphern, mit denen sich unterschiedliche Bedürfnisse, Gefühle, Erinnerungen, Bewertungen und Handlungstendenzen beschreiben lassen.

Vielleicht kennst du solche inneren Widersprüche:

Eine Seite sagt:

„Ich möchte Nähe.“

Eine andere sagt:

„Ich möchte mich schützen.“

Eine dritte sagt:

„Sei vernünftig und lass das Ganze.“

Oder:

„Mach es!“

Gegen

„Auf keinen Fall!“

Und schließlich:

„Warte lieber noch.“

Das kann sich wie ein innerer Kampf anfühlen.

Doch vielleicht muss überhaupt keine Seite gewinnen.



„Ich bin nicht inkonsequent – ein Teil von mir möchte etwas anderes.“

Das ist eine wichtige Verschiebung.

Statt zu sagen:

„Ich bin widersprüchlich.“

Könnte man sagen:

„Ich bemerke unterschiedliche Bedürfnisse in mir.“

Das verändert die Beziehung zu sich selbst.

Denn wenn eine Seite Nähe möchte und eine andere Sicherheit, müssen wir nicht automatisch eine davon bekämpfen.

Wir können neugierig werden:

Was ist dieser Seite eigentlich wichtig?

Das ist ein wesentlicher Gedanke des hypnosystemischen Ansatzes: Auch in schwierigen oder widersprüchlichen Prozessen nach Funktion, Kompetenz und Ressourcen zu suchen – nicht naiv nach dem Motto „Alles ist gut“, sondern mit ernsthafter Neugier.


Warum schaut man ständig aufs Handy?

Nehmen wir ein alltägliches Beispiel.

Du hast dir vorgenommen, nicht ständig zu überprüfen, ob eine bestimmte Person geschrieben hat.

Trotzdem schaust du immer wieder aufs Handy.

Eine klassische Interpretation könnte lauten:

„Ich bin abhängig.“

Oder:

„Ich habe keine Selbstkontrolle.“

Hypnosystemisch könnte man zunächst anders fragen:

„Was möchte die Seite erreichen, die immer wieder aufs Handy schaut?“

Vielleicht:

  • Sicherheit
  • Nähe
  • Gewissheit
  • Kontrolle
  • Selbstwirksamkeit
  • Schutz vor Verlust
  • Entlastung von Ungewissheit
  • eine kurze Unterbrechung eines unangenehmen Gefühls

Das Verhalten bekommt dadurch eine andere Bedeutung.

Es ist möglicherweise nicht einfach „unsinnig“.

Es ist ein Versuch, etwas Wichtiges herzustellen.

Nur funktioniert dieser Versuch möglicherweise nicht besonders gut.

Oder er funktioniert kurzfristig und verursacht langfristig einen hohen Preis.

Genau hier beginnt Veränderung.

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Veränderung muss nicht gegen dich selbst stattfinden

Wenn ein Verhalten eine bestimmte Funktion erfüllt, reicht es häufig nicht aus, es einfach zu verbieten.

Wenn eine Seite Sicherheit sucht, hilft möglicherweise ein reines:

„Ich darf dieser Person nicht mehr schreiben!“

Nur begrenzt.

Die interessantere Frage lautet:

„Wie kann ich Sicherheit herstellen, ohne wieder in dieses alte Muster zurückzufallen?“

Wenn eine Seite Nähe möchte:

„Wie kann Nähe entstehen, ohne dass ich mich dafür selbst aufgebe?“

Wenn eine Seite Kontrolle benötigt:

„Wie kann ich Selbstwirksamkeit erleben, ohne alles kontrollieren zu müssen?“

Wenn eine Seite Angst vor Veränderung hat:

„Wie kann ich mich verändern und gleichzeitig diese vorsichtige Seite mitnehmen?“

Das ist ein anderer Zugang zu Veränderung.

Nicht:

„Wie werde ich diesen Teil von mir los?“

Sondern:

„Wie kann ich das, was bereits in mir vorhanden ist, für Veränderung nutzen?“


Innere Kooperation statt innerer Krieg

Vielleicht gibt es in dir eine Seite, die Freiheit möchte.

Eine andere möchte Sicherheit.

Eine weitere möchte Verbundenheit.

Eine andere möchte Autonomie.

Und wieder eine andere möchte verhindern, dass du erneut verletzt wirst.

Diese Bedürfnisse müssen sich nicht zwangsläufig gegenseitig ausschließen.

Manchmal geht es darum, eine Lösung zu finden, bei der mehrere wichtige Bedürfnisse gleichzeitig berücksichtigt werden.

Man könnte das als eine Form von innerer Kooperation oder innerer Demokratie beschreiben.

Die Frage lautet dann nicht mehr:

„Welche Seite hat recht?“

Sondern:

„Welche Lösung könnte für möglichst viele meiner wichtigen Bedürfnisse funktionieren?“


Eine hypnosystemische Übung: Welche gute Absicht steckt dahinter?

Du kannst diese kleine Übung selbst ausprobieren.

Nimm eine Situation, in der du immer wieder etwas tust, obwohl du eigentlich anders handeln möchtest.

Es muss nichts Großes sein.

Vielleicht:

  • du schiebst etwas auf,
  • kontrollierst dein Handy,
  • suchst wieder Kontakt zu jemandem,
  • vermeidest eine wichtige Aufgabe,
  • ziehst dich zurück,
  • kontrollierst andere Menschen,
  • arbeitest zu viel,
  • oder verharrst in einem alten Muster.

Du musst die Situation zunächst nicht analysieren.

Beobachte sie einfach.


1. Welche Seite möchte Veränderung?

Vielleicht gibt es eine Seite, die sagt:

„Ich möchte etwas verändern.“

Was möchte sie?

Freiheit?

Klarheit?

Nähe?

Entwicklung?

Selbstbestimmung?

Etwas Neues?


2. Welche Seite möchte Sicherheit?

Vielleicht gibt es gleichzeitig eine vorsichtige Seite.

Sie sagt vielleicht:

„Moment. Nicht so schnell.“

Auch diese Seite darf da sein.

Du musst sie nicht überzeugen.

Du musst sie nicht bekämpfen.

Du kannst sie zunächst einfach wahrnehmen.


3. Frage nach der guten Absicht

Du kannst diese Seite innerlich fragen:

„Was möchtest du eigentlich Gutes für mich erreichen?“

Dann warte.

Vielleicht kommt ein Wort.

Vielleicht ein Bild.

Vielleicht ein Gefühl.

Vielleicht eine Erinnerung.

Vielleicht kommt zunächst gar nichts.

Auch das ist in Ordnung.

Die Imagination deines Podcasts arbeitet genau mit dieser neugierigen Haltung gegenüber der vorsichtigen Seite.


4. Frage nach dem Bedürfnis

Vielleicht geht es um:

  • Sicherheit
  • Schutz
  • Zugehörigkeit
  • Kontrolle
  • Nähe
  • Anerkennung
  • Autonomie
  • Selbstwirksamkeit
  • Vermeidung von Enttäuschung

Und dann kannst du anerkennen:

Diese Seite versucht offenbar schon lange, auf ihre Weise etwas Wichtiges für mich zu tun.

Das bedeutet nicht, dass ihre Strategie gut ist.

Aber es kann bedeuten, dass ihr Anliegen ernst genommen werden darf.

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Der nächste Schritt: Was wäre eine Lösung, die beide Seiten berücksichtigt?

Jetzt kannst du dir beide Seiten vorstellen.

Die Seite, die Veränderung möchte.

Und die Seite, die Sicherheit möchte.

Du musst dich nicht für eine entscheiden.

Frage stattdessen:

„Was wäre eine Möglichkeit, bei der ihr beide ein bisschen mehr von dem bekommt, was euch wichtig ist?“

Vielleicht entsteht dabei ein Bild.

Ein Gedanke.

Ein Gefühl.

Eine neue Möglichkeit.

Oder einfach etwas mehr innerer Raum.

Du musst nicht sofort eine perfekte Lösung finden.

Es reicht möglicherweise, einen kleinen nächsten Schritt zu entdecken.

Die Imagination des Podcasts zielt genau auf diese Verbindung von Veränderungswunsch und Sicherheitsbedürfnis.


Kleine Schritte statt Selbstüberforderung

Veränderung muss nicht bedeuten:

„Ab morgen mache ich alles anders.“

Oft ist ein kleiner experimenteller Schritt hilfreicher.

Frage dich:

„Was könnte ich in den nächsten Tagen ausprobieren?“

Nicht:

„Was muss ich für immer verändern?“

Sondern:

„Was könnte ich als Experiment testen?“

Das verändert die innere Haltung.

Du musst noch nicht wissen, ob es funktioniert.

Du betreibst gewissermaßen Feldforschung mit dir selbst.

Und du kannst gleichzeitig die Seite berücksichtigen, die Veränderung möchte, und die Seite, die Sicherheit braucht.


Hypnosystemik: Was bedeutet das eigentlich?

Der Begriff Hypnosystemik verbindet hypnotherapeutisches beziehungsweise modernes hypnologisches Denken mit systemischem Denken.

Dabei geht es nicht um Showhypnose.

Eine zentrale Annahme ist vielmehr, dass sich unsere Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und inneren Zustände verändern können. Worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, kann beeinflussen, welche Erfahrungen und Möglichkeiten für uns zugänglich werden.

Die systemische Perspektive richtet den Blick zusätzlich auf Zusammenhänge, Beziehungen, Kontext und Wechselwirkungen.

Vereinfacht gesagt:

Nicht nur „Was ist das Problem?“ ist wichtig, sondern auch „Wann tritt es auf? Was beeinflusst es? Was funktioniert bereits? Und wie können vorhandene Fähigkeiten und Ressourcen für Veränderung genutzt werden?“

Für mich ist Hypnosystemik deshalb nicht nur eine therapeutische Methode, sondern auch eine bestimmte Haltung gegenüber Menschen: Menschen werden nicht auf ihre Probleme reduziert.


Du musst nicht weniger von dir werden, um dich zu verändern

Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft dieses Ansatzes.

Veränderung muss nicht bedeuten, einen Teil von sich loszuwerden.

Du musst nicht weniger ängstlich werden, indem du deine Angst bekämpfst.

Du musst nicht weniger bedürftig werden, indem du deine Bedürfnisse unterdrückst.

Du musst nicht weniger vorsichtig werden, indem du deine Vorsicht ignorierst.

Und du musst nicht weniger von dir werden, um dich weiterzuentwickeln.

Vielleicht geht es vielmehr darum, mehr von dem, was bereits in dir vorhanden ist, miteinander zu verbinden.

Mehr Bewusstheit.

Mehr Selbstverständnis.

Mehr Wahlmöglichkeiten.

Mehr innere Kooperation.

Und vielleicht beginnt Veränderung manchmal nicht mit der Frage:

„Wie werde ich das endlich los?“

Sondern mit:

„Was versucht das gerade für mich zu tun?“


Fazit: Was, wenn du gar nicht gegen dich arbeitest?

Wenn du dich dabei ertappst, wieder etwas zu tun, das du eigentlich nicht möchtest, kannst du innehalten.

Statt dich sofort zu verurteilen, könntest du fragen:

Was passiert gerade in mir?

Welche Seite von mir handelt gerade?

Was möchte sie erreichen?

Welches Bedürfnis steckt dahinter?

Und gibt es eine andere Möglichkeit, dieses Bedürfnis zu erfüllen?

Denn ein problematisches Verhalten kann durchaus ein ungünstiger Lösungsversuch sein.

Die Aufgabe besteht dann nicht unbedingt darin, diesen Lösungsversuch mit Gewalt zu beseitigen.

Vielleicht besteht sie darin, einen besseren Lösungsweg zu entwickeln.

Und genau darin liegt eine sehr ressourcenorientierte Form von Psychotherapie:

Nicht gegen sich selbst.

Sondern mit sich selbst.

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Häufige Fragen

Warum tue ich Dinge, obwohl ich weiß, dass sie mir nicht guttun?

Weil Wissen allein Verhalten nicht vollständig steuert. Verhalten kann mit Bedürfnissen, Emotionen, Gewohnheiten, Lernerfahrungen und unterschiedlichen Handlungstendenzen verbunden sein. Eine hypnosystemische Perspektive fragt deshalb nicht nur, warum etwas passiert, sondern auch, welche Funktion das Verhalten erfüllt.


Was ist Selbstsabotage?

„Selbstsabotage“ beschreibt umgangssprachlich Verhaltensweisen, mit denen Menschen ihre eigenen Ziele scheinbar untergraben. Hypnosystemisch kann man zusätzlich untersuchen, ob hinter dem Verhalten ein nachvollziehbarer Lösungsversuch oder ein wichtiges Bedürfnis steht.


Was ist das Seitenmodell?

Das Seitenmodell ist eine Metapher, mit der unterschiedliche innere Bedürfnisse, Gefühle, Bewertungen und Handlungstendenzen beschrieben werden können. Es bedeutet nicht, dass tatsächlich mehrere Personen in einem Menschen existieren.


Wie kann man alte Verhaltensmuster verändern?

Ein hilfreicher erster Schritt kann sein, das Muster genauer zu beobachten und seine Funktion zu verstehen. Anschließend kann man nach alternativen Möglichkeiten suchen, das dahinterliegende Bedürfnis zu erfüllen.

Was bedeutet hypnosystemische Therapie?

Hypnosystemische Therapie verbindet hypnotherapeutische und systemische Perspektiven. Sie richtet den Blick unter anderem auf Aufmerksamkeit, innere Zustände, Kontext, Beziehungen, Wechselwirkungen und vorhandene Ressourcen.


Muss ich innere Anteile bekämpfen, wenn sie mir schaden?

Nein. Eine Seite muss nicht „recht haben“, damit ihr Anliegen ernst genommen werden kann. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Anliegen und Strategie: Ein Bedürfnis kann verständlich sein, während die bisherige Strategie, dieses Bedürfnis zu erfüllen, ungünstig sein kann.

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