Mag. Florian Friedrich, BA

Psychotherapie, Beratung und Coaching


Wichtig: Ich bin in meiner Praxis voll und kann daher keine Ersttermine

 für neue Klient*innen anbieten.

Falsche Erinnerungen - False Memory

Florian Friedrich • 12. Februar 2025

Was sind falsche Erinnerungen?

Falsche Erinnerungen werden auch als "False Memory" bezeichnet.

Viele Therapeut*innen haben ihren Patient*innen bereits sexuellen Missbrauch aufgeschwätzt und damit ganze Familien zerstört.

Im Rahmen einer Traumatherapie kann es rasch passieren, dass Traumasymptome vorschnell und falsch interpretiert werden und Menschen dann durch ihre Psychotherapeut*innen falsche Erinnerungen eingesät werden. Traumatisierte Betroffene werden manchmal von ihren Psychotherapeut*innen dazu gebracht, daran zu glauben, sie seien als Kinder sexuell oder sogar rituell missbraucht worden. Wenn das nicht der Fall ist, kann das für die Patient*innen und deren Angehörige äußerst schädlich sein und wiederum traumatisieren. Die Patient*innen erleben dann erneut innerliche Starre, Totstellreflexe, totale Ohnmacht und Hilflosigkeit.

Falsche Erinnerungen - False Memory

Traumen haben immer eine eigene und komplexe Dynamik, die auch Traumatherapeut*innen anstecken kann. Diese Dynamik kann zu Fehlinterpretationen der Realität, der Vergangenheit und der Gegenwart sowie zu bizarren Pseudoerinnerungen führen, also zu Erinnerungen an vergangene Ereignisse, welche so nie stattgefunden haben. Dennoch erscheinen diese den traumatisierten Betroffenen und in der Übertragung ihren Therapeut*innen als völlig real.

Dabei bleibt die destruktive Energie einer Traumatisierung an die irrige Überzeugung gebunden, missbraucht oder vergewaltigt worden zu sein. Die körperliche Erregung und Energie bleiben damit blockiert und können nicht entladen werden. Es kommt zu keinem heilsamen Prozess. Hilfreich kann es hier nur sein, falsche Erinnerungen zu hinterfragen. Denn viel wichtiger als die Rekonstruktion von Erinnerungen ist es, beim körperlichen Gefühl, dem Felt Sense, zu bleiben.

30 Prozent aller Traumatherapeut*innen sind zudem selbst sekundär aufgrund ihrer Tätigkeit traumatisiert und zeigen starke Traumafolgesymptome, weil sie zu sehr mit den belastenden Erinnerungen ihrer Patient*innen arbeiten und diese zu nahe an sich heranlassen.


Ob Erinnerungen an frühkindliche oder kindliche Traumen richtig oder falsch sind, ist für die Heilung von Traumafolgestörungen ohnedies nur wenig bis gar nicht relevant. Vielmehr geht es darum, die Beschwerden und posttraumatischen Symptome im Hier und Jetzt zu überwinden. Auch sind heilsame innere Bilder umso wichtiger, um körperliche Blockaden aufzuweichen.

Film: "Manipulierbare Erinnerungen – Wie unser Gedächtnis Erlebnisse erfindet"

Warum sind unsere Erinnerungen nicht objektiv?

Unser Gehirn arbeitet immer selektiv, so auch unsere Erinnerungen. Erinnerungen werden somit nicht eins zu eins als die Realität abgespeichert und bewahrt, sondern als subjektive innere Bilder und Imaginationen, auf die wir uns nicht immer verlassen können. Sie werden von unserem Gedächtnis so verändert und modifiziert, dass sie mit den Erfahrungen unserer Gegenwart zusammenpassen. Erinnerungen sind somit eine subjektive Wahrnehmung und keine exakte Reproduktion vergangener Ereignisse. Manche Erinnerungen sind realitätsgetreue Repräsentationen unserer Vergangenheit, andere wiederum Interpretationen.


Diese Erkenntnisse sind wichtig für die moderne Traumatherapie, da es schwer traumatisierte Menschen mit gravierenden negativen Traumafolgesymptomen gibt, die keine klaren und kohärenten Erinnerungen an ihre Traumen haben. In diesem Fall ist eine Rekonstruktion des ursprünglichen Traumas nicht sinnvoll, führt auf den Holzweg und birgt die Gefahr falscher Erinnerungen in sich. Unsere Psyche und unser Nervensystem suchen dann nämlich verzweifelt nach Erklärungen in der Vergangenheit, wenn es uns in der Gegenwart schlecht geht.

Je mehr uns innere Bilder, darunter auch falsche Erinnerungen, berühren, bewegen und emotional erregen, desto realistischer erscheinen sie uns.

Im Zustand der Retraumatisierung bzw. Reaktivierung eines Traumas wählen wir innere Bilder aus, die zu unserer aktuellen emotionalen Lage (meist Ohnmacht, völlige Hilflosigkeit, Erstarrung, Freeze, Panik, Todesangst) passen. Diese Pseudoerinnerungen erscheinen uns als wahrhaftig und absolut echt.


Zu Erinnerungen sollten wir also immer eine gesunde, kritische und entdramatisierende Distanz bewahren. In Erinnerungen vermischen sich nämlich rasch historische Erfahrungen, Träume und Alpträume, Filme, die wir gesehen haben, Bücher und Geschichten, die wir gehört oder gelesen haben, u.v.m.

Erinnerungen sind oft Bruchstücke unterschiedlicher Erlebnisse und Erfahrungen, die zu einem ganzen Bild, einer Pseudoerinnerung zusammengesetzt werden. Bei vielen Erinnerungen handelt es sich somit um Collagen verschiedener Lebenserfahrungen. Unsere Psyche liebt kohärente Bilder und geschlossene Gestalten. Erinnerungen haben aber nicht immer kriminologische oder historische Relevanz.


Die Manipulation falscher Erinnerungen

Es gibt Gruppen, Bücher, Massenmedien, gesellschaftliche Einflüsse und suggestive Traumatherapeut*innen, die auf traumatisierte Menschen Druck ausüben und falsche Erinnerungen fördern und suggerieren. Gerade schwer Traumatisierte sind für derartige Manipulationen und Suggestionen besonders anfällig.

Viel wichtiger ist es, Traumafolgesymptome, körperliche Anspannungen und traumatischen Stress zu entladen und das körperliche und emotionale Arousal aufzulösen. Die körperliche und vom zentralen Nervensystem bereit gestellte Anspannung und Energie sollen abgebaut werden.


Falschbeschuldigungen als Trauma: Der Fall Karl Sibelius

FALSE MEMORY und die tragischen Auswirkungen auf Familien und Kinder:

Sehen sie unten die sehenswerte Dokumentation mit meinem Kollegen Karl Sibelius, selbst Psychotherapeut und Opfer von falscher Beschuldigung wegen False Memory. Seine Tochter hatte ihn unter dem Einfluss eines hoch manipulativen und suggestiven Psychotherapeuten falsch beschuldigt, sie und seine Kinder sexuell missbraucht zu haben.

Trailer: "Falschbeschuldigungen" (Karl Sibelius)

Darum ist die suggestive Arbeit mit Erinnerungen ("Rückführungen", Satanic Panik etc.) so gefährlich und in der Traumatherapie nach dem heutigen State of the Art (Gunther Schmidt, Peter Levine, Dami Charf) ohnedies gar nicht mehr notwendig und in aller Regel sinnleer.

Im Falle Sibelius wird glasklar ersichtlich, wie gefährlich es sein kann, suggestiv mit Erinnerungen zu arbeiten. Wenn also keine klaren Erinnerungen vorhanden sind, dann gilt für Therapeut*innen, Berater*innen und Coaches: Hände weg! Erinnerungsarbeit braucht es in der Traumatherapie meist gar nicht mehr.


Podcast mit Karl Sibelius:

Falschbeschuldigung Erfahrungsbericht

Film: "Gehirnwäsche in der Psychiatrie? | «Satanic Panic 2»"

In der modernen Traumatherapie sind Erinnerungen nicht wesentlich

Dass Erinnern Traumafolgesymptome mildere, gilt heute als längst überholt. Das erinnerte Leid der Menschen darf aber niemals bagatellisiert, sondern muss immer gewürdigt werden.

In der körperorientierten Traumatherapie ist es daher unwichtig, ob Sie die historische Wahrheit herausfinden, weshalb Sie so schwer traumatisiert sind. Es geht um Linderung und Heilung und nicht um die kriminologische Wahrheit.

Falsche Erinnerungen sollten wir wie Träume bzw. Alpträume betrachten. Auch deren Inhalte würden wir niemals als historische Wahrheit fehlinterpretieren. Jedoch können wir lernen, gut mit Alpträumen umzugehen und bei Angst und Panik nach dem Aufwachen Methoden der Selbstregulation zu entwickeln.


Traumafolgesymptome bringen mich im Leben nicht weiter. Sie sind kurzfristig entlastend, langfristig aber parafunktional oder sogar destruktiv. Wir sollten neue Kompetenzen, Softskills und Fähigkeiten erlernen. Es macht aber keinen Sinn zu suchen, woher Traumafolgesymptome kommen. 


Ich habe übrigens den erfahrenen Traumatherapeuten Gunther Schmidt in einer Weiterbildung auf die Dissoziative Identitätsstörung angesprochen, und er sieht das Phänomen ganz undramatisch, demütig und geerdet: Es brauche einfach viel Zeit, Begleitung und das Üben einer Metaebene und keinerlei Arbeit an Erinnerungen. Gunther Schmidt betont stets die Gefahr falscher Erinnerungen und hat Erfahrung in der Arbeit mit Menschen, denen falsche Erinnerungen suggeriert wurden.

Und wenn DIE erfahrene Trauma-Koryphäe sagt: "Vorsicht bei der Arbeit mit unklaren Erinnerungen" dann halte ich mich gerne daran. Gunther Schmidt und Bernhard Trenkle bringen Beispiele von Experimenten, in denen Menschen per Suggestion falsche Erinnerungen manipuliert wurden, und sie warnen ausdrücklich davor. Menschen neigen nämlich dazu, falschen Erinnerungen mehr zu glauben als echten. Schmidt sieht kaum Wert in der Arbeit mit Erinnerungen, sondern vielmehr brauche es das Üben einer souveränen Metaebene. Aus dieser kann ich mir dann Erinnerungen mit Distanz ansehen.

 

Gunther Schmidt betont, wie wichtig es sei, dass es im inneren System der Seiten eine oberste Instanz gibt (die zentrale Steuerposition, eine Metaebene oder das Beobachter-Ich), welche selbstwirksam alle anderen Seiten koordinieren kann. Traumatisierte States bzw. Seiten können dadurch gestärkt, getröstet und versorgt werden. Hierzu sind vor allem hypnotherapeutische und Embodiment-Methoden hilfreich.

Dies widerspricht dem dramatischen Ansatz einiger Traumatherapie-Schulen (wie etwa der von Michaela Huber), die zig Ego-States aufstellen, ohne dass die Klient*innen und Patient*innen die Kompetenz haben, diese zu utilisieren.

Gunther Schmidt äußert sich auch immer wieder kritisch zur Hybris und Dramatik der Traumatherapie, mit der ja auch viel Geld gemacht werde.

Diagnostik aus hypnosystemischer Sicht
von Florian Friedrich 21. März 2025
Diagnosen sagen nichts über unsere Klient*innen aus Als Hypnosystemiker erlebe ich Diagnosen meist als trivialisierend und als eine die Komplexität reduzierende Vernichtung von Informationen. Zudem werden Diagnosen überwiegend völlig blind für den Kontext gestellt, in dem ein Symptom auftritt. Ziel dienlich sind Diagnosen aus hypnosystemischer Sicht dann, wenn Patient*innen sie wollen, weil sie dadurch Entlastung erfahren (was ich dann wieder utilisieren kann), oder eben für die Krankenkassen und Sozialversicherungsträger. Der Begründer der Hypnosystemik Gunther Schmidt erwähnt etwas augenzwinkernd, dass sich seine Klient*innen eine der häufigsten Diagnosen (etwa "mittelgradige depressive Episode") selbst auswählen dürfen (sie können aber auch ausgewürfelt werden), wobei wir die Diagnosen dann zusammen mit unseren Klient*innen auf möglicherweise negative Auswirkungen überprüfen sollten. 
Die Polyvagaltheorie in der Traumatherapie
von Florian Friedrich 20. März 2025
Was ist die Polyvagaltheorie? Die Polyvagaltheorie geht auf den Psychiater Stephen W. Porges zurück. Sie beschreibt eine neue Sichtweise auf das Autonome Nervensystem . Dieses scannt permanent unsere Umwelt und andere Menschen ab, ob wir sicher oder bedroht sind. Jener Vorgang ist unwillkürlich und ist uns meist völlig unbewusst. Sicherheit ist für uns im Leben das Wichtigste. Das Parasympathische Nervensystem teilt sich noch einmal auf und hat ein soziales Nervensystem , den ventralen Vagus, als Zweig. Dieses wird durch Traumata massiv beeinflusst und arbeitet dann anders. Das Soziale Nervensystem wird durch die Beziehung, Fürsorge und Coregulation unserer Eltern bzw. ersten Bezugspersonen gut ausgebildet und kann dann effektiv und optimal arbeiten. Übrigens: Die Polyvagaltheorie ist in der Wissenschaft umstritten und konnte bis heute empirisch nicht nachgewiesen werden . Das ändert aber nichts an der Praxis der modernen Traumatherapie. In der praktischen Umsetzung hilft die Polyvagaltheorie, und wer heilt, der hat bekanntlich recht.
Hypnosystemische Psychotherapie und Beratung
von Florian Friedrich 18. März 2025
Beratung, Coaching und Therapie mit hypnosystemischen Ansätzen Der hypnosystemische Ansatz von Gunther Schmidt ist ein wissenschaftlich-fundierter Ansatz für Beratung, Coaching, Therapie und Organisationsentwicklung. Er arbeitet mit Erkenntnissen der modernen Hirn- und autobiografischen Gedächtnisforschung, der Systemtheorie, der Hypnose und der Hypnotherapie, der Embodiment-Forschung und der Priming-Forschung. Gunther Schmidt hat aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen der verschiedenen Disziplinen ein breites Repertoire an Methoden, Techniken und Tools entwickelt, wobei er immer postuliert: " Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis größer als in der Theorie ". Zugleich ist die Hypnosystemik auch eine Haltung zur Welt und zu den Mitmenschen, die weit über Techniken hinausgeht. Denn wer nur mit Tools arbeitet, der " wird rasch zum Tooligan " (Schmidt). Ich biete hypnosystemische Psychotherapie und Beratung in Salzburg / Hamburg an.
Symptome aus hypnosystemischer Sicht
von Florian Friedrich 18. März 2025
Symptome sind wertvolle Botschafter von Bedürfnissen Aus hypnosystemischer Sicht (Gunther Schmidt) sind Symptome immer wichtige Rückkopellungsinformationen über nicht beachtete Bedürfnisse. Beispiel: Hubert ist schwul und unterdrückt seine Bedürfnisse nach Liebe, Erotik, Zärtlichkeit und Sexualität. Da dieses Unterdrücken viel Kraft und Lebensenergie kostet, wird Hubert zunehmend depressiver und suizidal. Seine Depressionen und seine Lebensmüdigkeit weisen ihn darauf hin: "Lebe Dein Leben, hör auf Deine homosexuellen Bedürfnisse" Lesen Sie in diesem Artikel über Symptome aus hypnosystemischer Sicht.

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