Trans*ident, trans*gender und psychische Erkrankungen

Florian Friedrich • 28. August 2025

Psychische Symptome, Probleme und Erkrankungen bei trans*Identität

Lesen Sie in diesem Artikel über trans*Identität / Transsexualität und das gleichzeitige Vorliegen von Borderline, Schizophrenie und anderen psychischen Erkrankungen.


Viele trans*Personen leiden unter psychischen Erkrankungen. Es handelt sich hierbei meist um reaktive Störungen, wie etwa:

  • Selbstwertprobleme
  • Ängste und Panikattacken
  • Depressionen
  • Zwänge und Zwangsstörungen
  • Somatoforme Störungen
  • Schlafstörungen
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Suizidalität


Kann ich trotz psychischer Erkrankungen hormonelle und chirurgische Maßnahmen zur Angleichung an mein Wunschgeschlecht beginnen? Bekomme ich dennoch ein positives Gutachten?

Ja, der Weg der Transition und eine begleitende Beratung oder Psychotherapie können nämlich eine trans*Person so weit stärken, dass sie nun die Kraft und Zuversicht hat, sich ihren psychischen Problemen zu stellen.

Trans*ident, transgender und psychische Erkrankungen

Trans*Identität ist wertvoll und gesund

Gleich einmal vorweg: Es ist psychisch gesund, trans* (trans*ident, trans*gender), geschlechtsinkongruent oder non binär zu sein. Trans*Geschlechtlichkeit (trans*gender, trans*ident, transsexuell, genderfluid, non-binary, polygender) ist an sich ist eine gesunde Spielweise menschlicher Identitäten und menschlichen Seins.
Bedauerlicherweise wurde früher trans*Identität als psychische Erkrankung verstanden, weil nur eine Minderheit aller Menschen trans* ist und trans*Identität daher nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht.

Die Psychologie und Psychiatrie war hier jahrzehntelang äußerst unreflektiert und hat Norm mit Gesundheit bzw. Krankheit gleichgesetzt. Auch heute noch wird in der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) trans*Geschlechtlichkeit irrtümlicherweise als eine psychische Erkrankung genannt. Dies wird sich in Zukunft in der ICD-11 ändern.


Wenn trans*Menschen unter Depressionen, Posttraumatischen Belastungsstörungen, Angststörungen oder anderen psychischen Symptomen leiden, dann sind das häufig reaktive Folgen auf schwierige Lebensumstände, Mobbing, Diskriminierung und soziale Stigmatisierung. Wird einem Kind die trans*Identität verboten, so beginnt sich dieses für sein trans*-Sein zu schämen, seine trans*Geschlechtlichkeit zu unterdrücken und sich selbst abzulehnen. Es kommt zu starken innerseelischen Konflikten, die jedoch nic
hts mit der trans*Identität zu tun haben, sondern eine Folge der Unterdrückung und Diskriminierung sind.

Auch schwere Essstörungen können ein Indikator für Geschlechtsinkongruenz sein. Durch die Unterernährung verzögern sich nämlich die Pubertät und die körperliche Entwicklung. Diese verzögerte Pubertät wird von trans*identen Jugendlichen als Entlastung und Erleichterung erlebt, ist aber natürlich sehr gefährlich und mitunter sogar lebensbedrohlich.


Viele trans*, trans*idente und trans*gender Menschen sind sogar sehr belastbar und entwickeln sich trotz gesellschaftlicher Widerstände zu starken Persönlichkeiten.
Die meisten trans*Menschen weisen nämlich trotz des schlechten gesellschaftlichen Umganges mit trans*Geschlechtlichkeit keine psychischen Erkrankungen auf.


Was ist bei trans*Identität und Borderline, Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie oder Psychosen?

Vorsichtiger und langsamer sollten Gutachter*innen dann sein, wenn eine schwere psychische Erkrankung wie eine Borderline-Persönlichkeitsstörung schwerer Ausprägung (mit ihrer verzweifelten Suche nach Identität) oder eine Schizophrenie (mit ihrem Verlust an Identitätsgefühl und dem Auflösen aller Grenzen) vorliegt. Hier ist dann das Risiko der Retransition größer. Retransition meint, dass ein Mensch nach hormonellen und chirurgischen Maßnahmen zur Angleichung an das Wunschgeschlecht (Transition) wieder in sein biologisches Geschlecht zurückmöchte.
Allerdings gibt es selbstverständlich auch viele Menschen, die an einer schweren Borderline-Persönlichkeitsstörung oder Schizophrenie leiden und die trans*ident sind und kein Risiko der Retransition haben. Hier würde dann die Transition die Borderline/Schizophrenie-Symptomatik unter Umständen sogar lindern.

Ein Beispiel:

Der trans*Mann Herr F. wurde als Mädchen geboren und wuchs in einer Familie auf, in der die Eltern viel stritten. Zudem war der Vater Alkoholiker und prügelte oft seine Frau und seine Kinder. Die Mutter von Herrn F. vermochte sich und ihre Kinder aufgrund ihrer eigenen psychischen Labilität nicht ausreichend zu schützen. Aufgrund dieser schweren psychischen und körperlichen Gewalterfahrungen entwickelten sich bei Herrn F. eine Borderline-Persönlichkeitsstörung und eine Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung.
In der Psychotherapie lernt Herr F. besser mit sich selbst, seinen Borderline-Symptomen und seinen Traumafolgesymptomen umzugehen und mehr inneren Halt und innere Sicherheit zu finden. Hier ist nun gerade die trans*Identität eine große Ressource. Ermutigt durch seine Therapeutin, beginnt Herr F. seine trans*Geschlechtlichkeit zunächst im Schutz der eigenen Wohnung, später auch im toleranten Freundeskreis zu leben. Dies gibt Herrn F. viel Kraft, Hoffnung und Zuversicht und auch seine Borderline-Persönlichkeitsstörung bessert sich zunehmend, da Herr F. immer mehr Selbstsicherheit entwickelt und er sich indessen intensiv mit seiner eigenen Identität befasst und mehr so leben kann, wie es ihm im tiefsten Innersten entspricht.


Diagnostik ist bei schweren psychischen Erkrankungen komplex

An dieser Stelle wird ersichtlich, wie komplex die Diagnostik sein kann.
Auch wäre es ein Irrtum zu glauben, dass die Transition alle Probleme, psychischen Belastungen oder psychischen Symptome eines Menschen lösen würde. Trans*Menschen haben jedoch in aller Regel ein realistisches Bild von ihrer Transition.


Was sind die häufigsten psychischen Erkrankungen bei trans*Personen?

Je mehr allerdings trans*Menschen sich selbst akzeptieren, zu sich selbst finden und ihr trans*-Sein ausleben, desto weniger psychische Symptome treten auf. Mit dem Voranschreiten der Transition und dem biopsychosozialen Wohlbefinden kann die seelische Gesundheit sogar über dem Niveau der Gesamtbevölkerung liegen, weil sich trans*Personen so intensiv mit ihrer Identität und ihrem authentischen Spüren befassen.

Depressionen sind unter trans*identen und nicht binären Personen sehr häufig, weil das nicht-ausleben-Können der eigenen Identität viel Kraft und Lebensenergie kostet. Auch Ängste und Angststörungen finden sich oft, weil die Betroffenen von ihrem sozialen Umfeld abgelehnt werden oder Diskriminierung erfahren.

Ein schlechtes Passing kann ebenfalls zu einer tiefen Verzweiflung und einem hohen Leidensdruck führen. Nicht selten geht dieses mit Zwangsstörungen einher, weil trans*Menschen ständig und zwanghaft ihre äußere Erscheinung prüfen. Passing meint die Zuordnung eines Menschen zu seinem Wunschgeschlecht, also wenn eine trans*Frau auch als weiblich anerkannt, dechiffriert und eingeordnet wird. Ein gutes oder schlechtes Passing kann übrigens niemals ein diagnostisches Kriterium für trans*Identität sein. Hier ist allein das authentische Spüren der trans*Identität ein Diagnostikum.

Wenn trans*Kinder von den Eltern und primären Bezugspersonen von klein auf nicht akzeptiert und validiert werden, in der Schule Mobbing und von Peers psychische Gewalt erfahren, dann können sich reaktiv posttraumatische Belastungsstörungen, Traumafolgestörungen (Typ-II-Trauma) oder Persönlichkeitsstörungen (etwa Borderline, Narzissmus) entwickeln.


Trans*Jugendliche und psychische Störungen

Jugendliche, die unter psychischen Störungen und Symptomen leiden und diese nicht verbalisieren können (und welche*r Jugendliche kann das schon?), haben es auch in Psychotherapien oft schwerer, wenn ihre Geschlechtsinkongruenz nicht ernst genommen oder sogar pathologisiert wird. Sie fühlen sich dann mit ihren authentischen Bedürfnissen nicht gesehen und verstanden. Wenn sie aufgrund psychischer Symptome oder Störungen mit dem Coming-out überfordert sind, dann können sich zusätzlich noch Anpassungsstörungen, somatoforme Störungen, Depressionen, selbstverletzende Verhaltensweisen oder Angststörungen entwickeln.

Immer wieder kommen trans*Jugendliche zu mir, die vom System völlig im Stich gelassen wurden und typische Symptome einer akuten Belastungsreaktion oder sogar einer posttraumatischen Belastungsstörung aufweisen. Diese Beschwerden werden dann oft als Borderline-Störung fehldiagnostiziert.


Trans*Jugendliche müssen viel mehr leisten und kompensieren als ihre gleichaltrigen Peers. Ihre gesamte Jugendzeit ist mit viel mehr Leiden, innerer Not, Mühsal und Anstrengungen verbunden und kostet unendlich viel Kraft und Energie, was zu psychischen Symptomen wie Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Burnout oder Depressionen führen kann. Hinzu kommen ärztliche und psychotherapeutische Termine, Gespräche mit Gutachter*innen, die Planung der hormonellen und medizinischen Maßnahmen und die Transition. Dieser komplexe und steinige Weg der Transition wird von vielen Betroffenen, aber auch vom sozialem Umfeld unterschätzt und zu wenig gewürdigt.

Zudem gleichen trans*Jugendliche ihr Anderssein gerne durch besonders herausragende Leistung in der Schule oder am Arbeitsplatz aus. Auch dies wiederum kann zu schwerer Erschöpfung, Burnout oder zu Depressionen führen.


Es gibt Unterteilungen bei den psychischen Störungen von trans*Menschen

  1. Psychische Symptome und Erkrankungen, welche sich im Verlauf des Prozesses der Transition zeigen
  2. Psychische Symptome, die sich einstellen, wenn ein gutes oder zufriedenstellendes Passing nicht erreicht wird, wenn etwa bei einer trans*Frau die Stimme tief bleibt oder sie immer wieder als Mann angesprochen wird, weil sie im Gesicht zu männlich aussieht.
  3. Psychische Symptome und Krankheiten, die als eine Folge der Geschlechtsdysphorie auftreten (etwa Depressionen, Ängste)
  4. Psychische Erkrankungen, die völlig unabhängig von der Geschlechtsinkongruenz auftreten.
Rituelle Gewalt und Mind Control  - Podcast
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Eine 13-teilige Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation und therapeutische Macht Die Diskussion über „rituelle Gewalt“ und „Mind Control“ bewegt sich zwischen realen Erfahrungen von Gewalt, traumatischen Folgen, wissenschaftlich umstrittenen Erklärungsmodellen und teilweise weitreichenden Verschwörungserzählungen. Dieser Podcast versucht, diese Ebenen voneinander zu unterscheiden. Dabei geht es nicht darum, sexualisierte oder organisierte Gewalt zu leugnen. Solche Gewalt ist real und kann schwere psychische Folgen haben. Gleichzeitig müssen auch weitreichende Behauptungen über geheime Täter-Netzwerke, satanistische Rituale, gezielte Persönlichkeitsspaltung oder Mind Control wissenschaftlich geprüft werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Erinnerungen entstehen und welche Rolle therapeutische Suggestion spielen kann. Denn eine therapeutische Beziehung ist niemals nur ein Gespräch unter Gleichen. Therapeut*innen verfügen über Wissen, Autorität und Einfluss. Gerade deshalb tragen sie eine besondere Verantwortung dafür, zwischen Beobachtung, Hypothese und Gewissheit zu unterscheiden. Die Reihe fragt unter anderem: Was ist über rituelle und organisierte sexualisierte Gewalt tatsächlich bekannt? Welche wissenschaftlichen Belege gibt es für die weitreichende RG-MC-Erzählung? Was wissen wir über Dissoziation und DIS? Wie entstehen Erinnerungen und wie können falsche Erinnerungen entstehen? Was bedeutet es, wenn Erinnerungen erst während einer Therapie auftauchen? Wo beginnt therapeutische Suggestion? Was geschieht, wenn eine therapeutische Theorie zum Deutungsrahmen für nahezu alles wird? Wie können Patient ihre eigene Autonomie bewahren? Was können Therapeut tun, wenn sie eine frühere Überzeugung inzwischen kritisch sehen? Wo liegen die Grenzen wissenschaftlicher Kritik und berufsrechtlicher Sanktionen? Und wie können wir über dieses Thema sprechen, ohne entweder Menschen zu entwerten oder unbelegte Behauptungen zu bestätigen? Die Perspektive der Reihe ist hypnosystemisch: Nicht jede Erfahrung muss sofort abschließend erklärt werden. Zustände, Gefühle, Körperreaktionen und innere Anteile können ernst genommen und therapeutisch bearbeitet werden, ohne daraus automatisch eine bestimmte historische Geschichte abzuleiten. Denn: Wir können Menschen glauben, ohne jede Interpretation ihrer Vergangenheit zu glauben. Wir können Trauma behandeln, ohne eine bestimmte Tätergeschichte vorauszusetzen. Und wir können sagen: „Ich weiß es nicht.“ Diese Unsicherheit muss kein therapeutisches Defizit sein. Sie kann der Raum sein, in dem Selbstbestimmung wieder möglich wird. Die 13 Folgen: Rituelle Gewalt & Mind Control – Was ist wissenschaftlich belegt? Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Eine Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation, Suggestion, therapeutische Verantwortung und die Freiheit, die eigene Geschichte selbst zu hinterfragen.
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