Asperger, Autismus und Beziehungen

Florian Friedrich • 10. November 2025

Was sind die Besonderheiten von Menschen mit ASS in Partnerschaften?

Lesen Sie in diesem Artikel über Autismus, Asperger und Beziehungen.


Personen mit ASS (Autismus-Spektrum-Störungen) haben in sozialen Beziehungen und Partnerschaften oft wesentlich weniger Erfahrungen als ihre neurotypischen Altersgenossen, und zwar über die gesamte Lebensspanne hinweg.

Gründe dafür sind:

  • eingeschränktere bzw. andere soziale Kompetenzen und Soft Skills
  • ein Unverständnis für nonverbale Signale, wie Mimik, Blickkontakt, Flirten
  • eine Schwäche beim Mentalisieren, das ist die Fähigkeit, die Perspektive der anderen zu übernehmen


Das Verhalten von Personen mit ASS wirkt deswegen manchmal auf neurotypische Menschen ungewöhnlich oder sogar unangemessen. Hier wird ersichtlich, dass es Personen mit ASS oft an den wesentlichen Grundbedingungen mangelt, intime und sexuelle Beziehungen einzugehen, aufzubauen und aufrechtzuerhalten.

Asperger, Autismus und Beziehungen

Film: "Was ist das Asperger-Syndrom?"

Dennoch haben die meisten von ASS Betroffenen den innigen Wunsch nach Partnerschaften, Liebesbeziehungen, Nähe und Sexualität, und viele haben darin auch Erfahrung. Wird kein*e Partner*in gefunden, so hat dies größtenteils mangelnde soziale Fähigkeiten zur Ursache.


Manche wenige von ASS-Betroffene bevorzugen das Leben als Single und nennen als Hauptgrund, dass der Kontakt mit anderen Menschen sie zu viel Kraft koste, anstrenge und erschöpfe. Es scheint so, als würden intime Beziehungen die Grenzen der Belastung von Personen mit ASS manchmal überschreiten.

Eine Empfindlichkeit, was Reize und externe Stimuli betrifft und eine eingeschränkte Kompetenz, auf die Wünsche und Bedürfnisse anderer einzugehen oder diese zu erfüllen, dürften Gründe hierfür sein.

Aber auch

  • Ängste, die Anforderungen an Sexualität und Partnerschaft nicht erfüllen zu können,
  • kein Wissen, wo ein*e Partner*in kennengelernt werden kann,
  • wie Partnerschaften funktionieren und
  • wie ein angemessenes Verhalten in einer Beziehung aussehen könnte

werden als Gründe angegeben.

Filmtipp: "Liebe mit ADS und Autismus"

Partner*innensuche und Dating

Manche Personen mit ASS verstehen nicht, warum um die Partner*innensuche so viel Aufhebens und Hypes gemacht werden. Sie würden am liebsten zu einem anderen Menschen hingehen und ihn einfach ganz direkt fragen, ob er ihr*e Partner*in sein möchte. Ein klares "Ja" oder "Nein" würde ihnen genügen.


Viele Betroffene möchten auch gar nicht flirten und brauchen nicht die ganze Aufregung rund um die Partner*innensuche und das sich-Kennenlernen. Sie erleben die Aufregung, Nervosität, körperliche Anspannungen, Verliebtheit und Schmetterlinge im Bauch eher als negativ, belastend und überfordernd, während neurotypische Personen diese Phase als positiv empfinden.


Neurotypische Menschen geben in der Phase der Verliebtheit wegen der Angst vor Ablehnung und Zurückweisung oft nur ihre positiven Facetten von sich preis und zeigen sich von ihrer besten Seite. Persönliche Schwächen, Makel und Neurosen werden zunächst verschwiegen. Auch idealisieren sie ihr Gegenüber und wollen nur das Beste in ihm/ihr sehen. Dies kann Menschen mit ASS verwirren, weil ihnen dieses nicht-Zeigen von Schwächen und das Idealisieren und idealisiert-Werden fremd sind und völlig unlogisch erscheinen.


Flirten und Dates - die Schwierigkeiten

Schwierigkeiten für Menschen mit Asperger und Autismus können sein:

  • nicht zu wissen, was Flirten genau ist und wie die sozialen Regeln beim Flirten sind bzw. wie Flirten funktioniert
  • das Mitteilen oder nicht-Mitteilen von ASS und wann der rechte Zeitpunkt dafür ist
  • nicht zu wissen, wie Dates ablaufen und was hier passieren soll
  • nicht zu wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist, eine andere Person anzusprechen und um ein Date zu bitten bzw. die Beziehung zu vertiefen
  • nicht zu wissen, wo ich andere Menschen kennenlernen kann, die mich daten möchten
  • nicht zu wissen, wie ich ein Date ablehnen kann, wenn mich eine andere Person darum bittet, ich aber keine Date mit ihr möchte
  • keinen Small Talk führen zu können, d.h. Unterhaltungen schlafen schnell ein; Menschen mit ASS verstummen dann mitunter
  • als Person mit ASS ausgelacht oder verspottet zu werden, wenn man um ein Date bittet oder einem Date zusagt
  • sich vor sexuellen, sexualisierten oder körperlichen Übergriffen nicht schützen zu können
  • sexualisierte Gewalterfahrungen


Partnerschaften können schwierig und überfordernd sein

Viele Menschen mit ASS leben bereits in einer Partnerschaft, und manche von ihnen fühlen sich damit überfordert.   Hier ist es dann bedeutsam, die Schwierigkeiten und Überforderungen zu benennen, zu verstehen, Lösungen und einen guten Umgang damit zu finden. Denn es ist nicht notwendig, gleich an eine Trennung zu denken, wenn es zu Konflikten, Streitigkeiten, Unstimmigkeiten und Überforderungen in einer Partnerschaft kommt.

Andere Betroffene wiederum wünschen sich eine Partnerschaft und haben keinen Plan, wie sie diese angehen könnten.


Manche von Autismus und Asperger Betroffene haben nur unklare Vorstellungen davon, was eine Partnerschaft genau ist, welche Auswirkungen eine Beziehung konkret auf das Leben hätte und welche Rolle sie selbst in einer Partnerschaft hätten bzw. was ein*e Partner*in von ihnen erwarten könnte. Unklarheiten, Idealerwartungen, verzerrte Vorstellungen und zu hohe Ansprüche können in einer Psychotherapie hinterfragt und geklärt werden.


Vielen Menschen, die überfordert sind und Trennungsimpulse fühlen, helfen auch Pro- und Contra-Listen bezüglich einer Partnerschaft.

Hilfreich können des Weiteren Rückzugsräume und freie Zeiten von dem/der Partner*in sein, sogenannte "autistische Safe Places oder Räume", die es auch innerhalb einer Partnerschaft immer wieder braucht.


Viele Personen mit ASS bevorzugen eine Partnerschaft mit einem Menschen, der auch von Asperger oder Autismus betroffen ist. Spezifische Probleme, die in einer Liebesbeziehung mit einer neurotypischen Person auftreten, können dadurch vermieden werden. Beziehungen zwischen zwei ASS-Partner*innen sind oft zufriedener als gemischte Partnerschaften.

Beide Partner*innen haben nämlich viel Verständnis für die Bedürfnisse nach Alleinsein, Rückzug und Abschottung und fühlen sich deswegen nicht gekränkt oder zurückgewiesen. Sie können zudem besser miteinander kommunizieren.


Sexualität und sexuelle Schwierigkeiten

Menschen mit ASS sollten verinnerlicht haben, dass in einer Partnerschaft immer genau abgeklärt werden muss, wie häufig und wann sexuelle Kontakte stattfinden. Es ist völlig in Ordnung, wenn eine* Partner*in keine Lust oder gar kein Interesse an Sexualität hat. Der/die andere Partner*in darf mich nie zu sexuellen Kontakten zwingen.


Mythen und Fehlannahmen zu Partnerschaften und Sexualität

Folgende Fehlannahmen und Mythen sind in der Gesellschaft weit verbreitet:


1. Mythos: Wenn ich mich einsam, depressiv oder leer fühle, dann liegt das daran, dass ich noch nie eine Partnerschaft hatte. Diese Probleme werden sich alle schlagartig auflösen, wenn ich eine*n Partner*in gefunden habe. 

Fakt:

Unglückliche Menschen oder Personen mit psychischen Beschwerden sind in einer Partnerschaft nicht mehr oder weniger glücklich und zufrieden denn als Singles.

Ernstere psychische Probleme und Beschwerden lassen sich nicht durch eine Partnerschaft lindern oder heilen. Dies ist häufig nur durch Lebenserfahrung oder durch eine Psychotherapie möglich. Viele Menschen, die psychische Probleme haben, leiden unter Bindungs- und Beziehungsstörungen. Sie sind zwar am Anfang einer Liebesbeziehung extrem verliebt. Doch schon bald zeigen sich wieder die alten psychischen Beschwerden, Schemata und Muster. Viele beenden dann vorschnell eine gute Partnerschaft.


2. Mythos: Sinn und Glück im Leben haben nur Menschen, die in einer Partnerschaft leben.


3. Mythos: Nur Menschen mit Asperger und Autismus haben Probleme eine*n passende*n Partner*in zu finden.

Fakt:

Viele neurotypische Menschen tun sich ebenfalls schwer, eine*n passende*n Partner*in zu finden.

Ein großer Teil von ihnen ist viele Jahre lange Single. Auch Datingplattformen führen nicht immer rasch zum Erfolg, sondern sind mit viel Ärger und Frust verbunden. Zudem erleben etliche Menschen emotionale, psychische oder sexualisierte Gewalt in einer Partnerschaft.

Wir leben in einer sehr narzisstischen, individualisierten und egozentrischen Zeit. Dies erschwert es, Partnerschaften auf einem erwachsenen Niveau zu führen. Viele Personen haben nämlich allzu hohe Idealerwartungen an eine Partnerschaft, unrealistische Vorstellungen und trennen sich zu vorzeitig, wenn es zu alltäglichen Konflikten kommt. Auch unter Neurotypischen sind Bindungs- und Beziehungsstörungen weit verbreitet und sie können sich nicht gut auf eine Liebesbeziehung einlassen.

FAZIT: Es brauch oft viel Zeit und Geduld, um eine gesunde Partnerschaft zu finden. Dies erfordert ein gelassenes Dranbleiben während der Zeit der Suche nach einem/einer Partner*in.


4. Mythos: Eine Partnerschaft kann man nur haben, wenn man mit dem/der andere*n auch Sexualität hat.

Fakt:

Zufriedene Partnerschaften sind auch völlig ohne Sex möglich.

Es gibt viele Menschen, die eine Partnerschaft ohne sexuelle Handlungen führen. Diese platonischen und freundschaftlichen Partnerschaften sind genauso wertvoll und gut wie sexuelle Liebesbeziehungen, wenn es für beide Partner*innen passt. Darüber hinaus gibt es auch asexuelle Menschen. Das sind Personen, die wenig bis gar keine sexuelle Libido haben und nie Sex praktizieren.


5. Mythos: Es ist nur dann Sex, wenn es zu einer Penetration kommt.

Florian Friedrich als Bastian im Theaterstück DER DRESSIERTE MANN
von Hannes Heissl 30. August 2026
Mein aktuelles Schauspielprojekt in der Rolle des Bastian Der dressierte Mann von John von Düffel Nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar. Vilar dreht den Spieß um. Sie behauptet: Nicht die Männer unterdrücken die Frauen, sondern Frauen dressieren die Männer seit Jahrhunderten. Frauen nutzen Sex, Liebe und die Mutterrolle als Machtmittel. Dafür lassen sie sich aushalten und versorgen. Männer arbeiten, machen Krieg, zahlen - und bekommen dafür “Zuneigung” und Sex. Sie sind also die eigentlichen „Sklaven“. “Der Mann ist dressiert wie ein Haustier. Er glaubt frei zu sein, ist aber abhängig.” Das Buch löste 1971 einen riesigen Skandal aus. Von Feministinnen gehasst, von Männern gefeiert. Bis heute extrem umstritten. Es ist in dem Buch eine provokante These, dass die klassische Rollenverteilung Frauen bevorteilt und Männer ausbeutet. Bis heute ein Provokations-Bestseller. Der Vorverkaufspreis beträgt 16 Euro, an der Abendkasse 18 Euro. Ermäßigungen gibt es für Jugendliche sowie für (Schüler-)Gruppen ab zehn Personen. Reservierungen: Freiraum Oberndorf: 0664 / 6431727 Theatergruppe Oberndorf: 0677 / 62551846 E-Mail: info@freiraumoberndorf.at Ich freue mich. die tolle Rolle des Bastian zu spielen, eine Rolle, die man(n) sich nur wünschen kann.
Weiße Rosen in einem Rosengarten vor schneebedeckten Bergen – poetisches Bild für Selbstreflexion
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Podcast über Psychotherapie und Hypnosystemik: Selbstwert, innere Muster, Glaubenssätze und die Frage, wie wir anders mit uns selbst umgehen können.
Mensch zwischen verschiedenen inneren Zuständen – Hypnosystemik und Selbstregulation
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Du bist nicht dein Zustand: Erfahren Sie, wie innere Zustände Wahrnehmung und Verhalten beeinflussen und wie Hypnosystemik neue Handlungsmöglichkeiten eröffnet.
Verschwörungstheorien: Rufschädigung von Michaela Huber?
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Was sind Rituelle Gewalt und Satanic Ritual Abuse (SRA)? Rituelle Gewalt und SRA gibt es nicht, sie sind ein Märchen, eine Urbane Legende. Das Konstrukt ist eine Verschwörungstheorie, die unter Psychotherapeut*innen weit verbreitet ist und nicht hinterfragt wird. Die bekannte Traumatherapeutin Michaela Huber gilt als eine der Hauptvertreterinnen dieser Theorie. Das Narrativ behauptet, dass geheime Organisationen, wie etwa Satanssekten, im Untergrund Kinder missbrauchen, foltern, abrichten und mittels Mind Control fernsteuern. Rituelle Gewalt werde von der Politik, von der Justiz, von der Polizei und den Reichen und Mächtigen verschleiert. Gerade der nicht empirische Nachweis der Rituellen Gewalt sei ein Beweis für deren Existenz. Auch Behandlungsfehler durch Traumatherapeut*innen und das Suggerieren falscher Erinnerungen sind kein Beweis für die Existenz Ritueller Gewalt. Wer sich kritisch dagegen äußert, der wird massiv angefeindet und ihm wird rasch unterstellt, dass er selbst ein Teil dieser großen Verschwörung sei oder zumindest generell Gewalt an Kindern rechtfertige, ganz nach dem Motto: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich und auch gegen alle Opfer von Gewalt." Viele meiner Kolleg*innen wissen gar nicht, dass es sich bei dieser dümmlichen Theorie lediglich um ein Verschwörungsnarrativ handelt. Eine Klarstellung oder: Wer hat hier ihren eigenen einst guten Ruf geschädigt? Die bekannte Psychotherapeutin Michaela Huber verbreitet Verschwörungsgeschichten zu Satanismus, Satanic Panic und Ritueller Gewalt. Diese konnten bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Somit handelt es sich bei Ritueller Gewalt um eine Urbane Legende bzw. um ein Verschwörungsnarrativ, welches ein False-Memory-Syndrom suggerieren kann. Nachdem mir eine Kollegin auf einer Social-Media-Plattform unterstellt hat, ich würde bei der "renomierten" Kollegin Michaela Huber Rufschädigung und Diskreditierung begehen, dass diese mittlerweile entlastet worden sei (falsch!), dass ich ihren therapeutischen Ansatz abwerte (richtig, da fühle ich mich verstanden, wobei eine Verschwörungstheorie in meiner Welt kein psychotherapeutischer Ansatz ist) und dass mein Beitrag „vollkommen überflüssig sei“, habe ich ihr folgendes geantwortet: Michaela Huber gilt heute als sehr umstritten und wird sogar auf Wikipedia heftigst als Verschwörungstheoretikerin kritisiert. In Österreich würde ich Michaela Huber sofort bei der Ethikkommission melden, und eventuell würde ihr sogar die Zulassung als Psychotherapeutin entzogen werden, wenn sie sich nicht von ihren Verschwörungsgeschichten zur rituellen Gewalt distanziert. In Deutschland ist das leider etwas schwieriger. Michaela Huber wurde keinesfalls entlastet und konnte ihre Theorien bis heute nie beweisen. Ohne jedes Unrechtsbewusstsein oder die Bereitschaft, in einen wissenschaftlichen Dialog und Diskurs zu treten, verbreitet sie nach wie vor ihre esoterische Ideologie. So dürfen sich Psychotherapie-Schulen oder traumatherapeutische Ansätze, die einen seriösen Anspruch nach dem State-of-the-Art haben, nicht verhalten, so verhalten sich allerdings Sekten (was paradox ist, denn Huber postuliert ja, Satanssekten aufzudecken). Hier werden Huber und ihre Jünger*innen dem ganz ähnlich, was sie zu bekämpfen suchen.