ADHS bei Erwachsenen - Symptome und Besonderheiten

Florian Friedrich • 28. Oktober 2025

Welche Symptome habe Erwachsene mit ADHS?

Menschen, die im Erwachsenenalter unter ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom) leiden, zeigen etwas andere und abgeschwächte Symptome als Kinder und Jugendliche.

Gerade im Bereich der Hyperaktivität zeigen Erwachsene mit ADHS andere und abgeschwächte Symptome als Kinder und Jugendliche mit ADHS.

Lesen Sie in diesem Beitrag die typischen Symptome und Besonderheiten von erwachsenen Personen mit ADHS, die sich von den Symptomen im Kindesalter unterscheiden.


Ich biete psychologische Hilfe, Psychotherapie und soziales Kompetenztraining für Erwachsene mit ADHS an - auch online.

ADHS bei Erwachsenen - Symptome und Besonderheiten

Symptome auf der Achse Aufmerksamkeitsstörung

  • Erwachsene Personen mit ADHS tun sich schwer, Arbeitsaufgaben oder Arbeitsanweisungen aufzunehmen und auszuführen. Sie erledigen dann gewisse Teile von Arbeitsaufgaben nicht oder nur unvollständig, oder sie vergessen Anweisungen und erinnern sie nicht mehr.
  • Sie legen inadäquate Automatismen an den Tag. Diese sind beim Ausführen von Aufgaben und Handlungen nicht zielführend.
  • Sie sind bei Routinetätigkeiten, aber auch im Straßenverkehr leicht ablenkbar und tun sich schwer mit Monotonie oder wenn sich die Arbeitsaufgaben oder Tätigkeiten über längere Zeitspannen ziehen oder komplex auszuführen sind.
  • Sie tun sich mitunter schwer, Gesprächen zu folgen, das Gesagte (Verbales und Nonverbales) zu verarbeiten und sich Wesentliches zu merken. Sie wirken dann auf andere Menschen so, als ob sie nicht gut zuhörten oder als ob sie verwirrende nonverbale Signale durch Mimik und Gestik aussendeten. Oft schweifen sie ab, verlieren den roten Faden oder driften in Gedanken weg.
  • Das Planen von komplexen Handlungsabläufen fällt ihnen schwer, und sie können nur mit großer Mühe zwischen Wichtigem und Unwichtigem, Dringlichem und weniger Dringlichem unterscheiden. Mitunter planen sie dann das Erledigen von Arbeiten gar nicht und verlieren sich dabei, oder es geht ihnen die Zeit verloren.
  • Sie verlieren, verlegen oder vergessen Gegenstände und Utensilien, die sie im Alltag und im Beruf dringend benötigen, etwa Schlüssel, Bankkarten, ihr Notebook, das Handy, Brillen ...
  • Sie verschieben rasch den Fokus ihrer Aufmerksamkeit, was für Außenstehende unkonzentriert wirkt. Sie sind sprunghaft im Denken, und innere und äußere Reize lassen sie den Fokus ihrer Aufmerksamkeit rasch wechseln.
  • Sie beginnen neue Tätigkeiten, bevor sie eine noch nicht vollendete Tätigkeit beendet haben, oder sie wechseln immer wieder zwischen verschiedenen Tätigkeiten hin und her.
  • Sie prokrastinieren gerne, schieben Aufgaben gerne lange Zeit auf.
  • Sie sind durch komplexe Arbeitsanweisungen überfordert.
  • Sie vermeiden Aufgaben und Tätigkeiten, welche sie kognitiv anstrengen, fühlen sich dann überfordert.
  • Der Überblick über das Gesamtbild und Zusammenhänge einer Aufgabe geht ihnen verloren. Manche Teile der Aufgaben werden dann nicht erledigt. Kleinste Änderungen bringen sie stark durcheinander und gehen mit einem Gefühl von Kontrollverlust einher.
  • Sie tun sich schwer, Aufgaben und Projekte abzuschließen, wenn die interessanten Teile der Arbeit bereits erledigt sind.
  • Während langweiliger und monotoner Tätigkeiten passieren ihnen viele Flüchtigkeitsfehler.
  • Lärm, störende Geräusche, soziale Interaktionen u.v.m. lenken die Betroffenen leicht ab.
  • Sie vergessen rasch Termine, Verabredungen und Verpflichtungen.

Symptome werden bei Erwachsenen häufig nicht erkannt - ein Film dazu:

"ADHS: Der lange Weg zur Diagnose"

ADHS kostet viel Kraft und kann zu chronischem Stress und Überlastung führen. Bei Erwachsenen wird ADHS oft nicht erkannt.



Symptome auf der Achse Hyperaktivität

  • Erwachsene mit ADHS wechseln oft ihre Position, zeigen sich motorisch unruhig, nesteln herum, wippen, zappeln oder zucken mit Armen, Händen, Beinen und Füßen oder bewegen ihre Finger.
  • Sie wirken oft hektisch und ruhelos auf das neurotypische Umfeld und können ruhige, stille Tätigkeiten kaum ertragen. Zudem sind sie permanent aktiv und können sich nur schwer entspannen.
  • In Situationen, in den Ruhe notwendig ist (etwa bei einer langen Autofahrt, während eines Besuchs im Theater oder Kino, in einem beruflichen Meeting) fühlen sie sich innerlich unruhig. Sie vermeiden diese ruhigen Momente und Situationen, weil sie keine Fähigkeiten haben, die inneren Spannungszustände zu regulieren. Diese Fähigkeiten können sie allerdings lernen.
  • Sie bevorzugen Aktivitäten, Sportarten, Hobbys und Verhaltensweisen, die mit Risiken und viel Bewegung einhergehen.
  • In Gesprächen treten sie dominant auf und können sich schwer zurücknehmen, mitunter reden sie zu viel. Sie fallen dann etwa ihren Gesprächspartner*innen ins Wort, vollenden deren Sätze, unterbrechen sie und vermögen sich nicht auf die Inhalte zu konzentrieren.
  • Sie suchen laute, reizstarke, hektische und abwechslungsreiche Umgebungen und Situationen auf.

Film: "ADHS-Diagnose als Frau: Angelina fiel durchs Raster"

Symptome auf der Achse Impulsivität

  • Bezüglich Impulsivität sind folgende Merkmale typisch, wobei nicht alle Phänomene erfüllt sein müssen. Viele Betroffene sind nämlich im Erwachsenenalter nur noch wenig impulsiv:
  • Die von ADHS Betroffenen reagieren oft mit überschießender Aggression, wenn sie warten müssen, etwa beim Anstellen in der Bäckerei, bei Arztbesuchen, in Verkehrsstaus, bei Verspätungen der Bahn. Auch eigene Aufgaben und Tätigkeiten werden aus Ungeduld vorschnell abgebrochen.
  • Sie unterbrechen Gespräche oder ergänzen Sätze, welche die Gesprächspartner*innen noch nicht vollendet haben. Gesprächspausen können sie nicht abwarten, sondern sie haken gleich ein oder fangen zu sprechen an. Dabei lassen sie andere Personen nicht zu Wort kommen, oder sie beantworten Fragen, bevor diese zu Ende gestellt werden. Ihren eigenen Redeschwall vermögen die Betroffenen nicht zu stoppen, oder sie sprechen, ohne zuvor nachzudenken.
  • Sie mischen sich ungefragt in Gespräche oder soziale Situationen anderer Menschen ein, oder sie äußern zu allen Themen ungefragt ihre Meinung.
  • Es zeigen sich vor allem in Beziehungen und Partnerschaften große Probleme. Partnerschaften und Ehen gehen überproportional oft in die Brüche, und die Beziehungen sind häufig konfliktreich.
  • Störungen der Impulskontrolle können zu Wutausbrüchen oder Raserei führen, welche soziale Beziehungen massiv belasten oder den Arbeitsplatz gefährden. Konflikte konstruktiv auszutragen, muss in der Regel erst mühsam erlernt werden.
  • Mitunter haben die Betroffenen auch Schwierigkeiten, die Grenzen anderer Menschen zu respektieren.


Soziales Kompetenztraining

Wesentlich ist aber, dass Menschen mit ADHS auch im Erwachsenenalter noch soziale Kompetenzen lernen können, etwa durch ein soziales Kompetenztraining im Rahmen einer Psychotherapie. Soziale Fertigkeiten werden hierbei gezielt und systematisch trainiert. Auch Übungen, Beziehungen zu gestalten und um Sympathie zu werben, sind sehr hilfreich.

Personen, bei denen ADHS diagnostiziert wird, zeigen manchmal Verhaltensweisen, die zu hohen Folgekosten und negativen Auswirkungen für die Betroffenen führen können, wenn sie diese nicht einhalten. Ich kann z.B. lernen, liebevoll mit meiner Neigung zur Unpünktlichkeit umzugehen und dennoch pünktlicher zu werden. Da alle Personen mit ASS oder ADHS auch schon einmal pünktlich in ihrem Leben waren, haben sie die Kompetenz, pünktlich zu sein in sich. ADHS und ASS sind eben aus meiner hypnosystemischen Sicht bzw. nach Erkenntnissen der modernen Hirnforschung keine genetischen Behinderungen, ansonsten würden ja Beratung, Therapie und Coaching auch gar keinen Sinn machen.

Film: "ADHS ein Leben lang"

Die Pathologisierung von ADHS

Ich halte eben wenig von pathologisierenden Diagnosen, es sei denn, diese lassen sich utilisieren. Niemand hat aus der hypnosystemischen Sicht, die ich vertrete (verdinglicht gesehen) ADHS, ASS, Borderline, ein Trauma, Ängste oder eine Depression, sondern er zeigt in bestimmten Kontexten Phänomene, die als Borderline, Trauma oder Depression konstruiert bzw. festgelegt werden.

Es gibt wissenschaftlich belegbare hirnorganische Veränderungen, bei Personen, die als nicht-neurotypisch definiert werden. Doch auch jedes Entwicklungstrauma führt zu tiefgreifenden biologische Grundlagen bzw. hirnphysiologischen Veränderungen. Diese können so stark sein, dass Medikamente ein wichtiger Baustein sein können - so eben auch bei ASS oder ADHS. Verhaltenstraining allein ist dann zu wenig, aber das ist ja auch bei allen anderen schweren Symptomen so.

Über Willenskraft ist ohnehin kaum eine Veränderung möglich. Deswegen scheitern auch viele gute Vorsätze, die nur auf Willenskraft beruhen. Deshalb habe ich auch recht gute Erfahrungen mit Seitenmodellen gemacht, in dem der ADHS-State gewürdigt, anerkannt und utilisiert wird.

Symposium mit Gunther Schmidt und Michael Bohne (u.a.): Würde in der Psychotherapie

Mein Mentor Gunther Schmidt spricht in diesem Video über Würde in der Therapie (etwa bei 1 h 8 Minuten),

Schmidt behauptet dort, dass er eine Zeit lang einen Schaumgummiwürfel mit sechs gängigen Diagnosen hatte, und Patient*innen, die über die Kassen abrechnen wollten, durften würfeln, was sie auf das Kassenformular eingetragen haben wollten. Weil es ohnehin zu defizitorientierte Etiketten seien, die den individuellen Ressourcen nicht gerecht würden und welche hinter den individuellen Symptomen liegenden Bedürfnisse nicht genug würdigen, könne er dies aus einer berufsethischen Sicht gut vertreten.

Florian Friedrich als Bastian im Theaterstück DER DRESSIERTE MANN
von Florian Friedrich 9. September 2026
Mein aktuelles Schauspielprojekt in der Rolle des Bastian Der dressierte Mann von John von Düffel Nach dem gleichnamigen Bestseller von Esther Vilar. Vilar dreht den Spieß um. Sie behauptet: Nicht die Männer unterdrücken die Frauen, sondern Frauen dressieren die Männer seit Jahrhunderten. Frauen nutzen Sex, Liebe und die Mutterrolle als Machtmittel. Dafür lassen sie sich aushalten und versorgen. Männer arbeiten, machen Krieg, zahlen - und bekommen dafür “Zuneigung” und Sex. Sie sind also die eigentlichen „Sklaven“. “Der Mann ist dressiert wie ein Haustier. Er glaubt frei zu sein, ist aber abhängig.” Das Buch löste 1971 einen riesigen Skandal aus. Von Feministinnen gehasst, von Männern gefeiert. Bis heute extrem umstritten. Es ist in dem Buch eine provokante These, dass die klassische Rollenverteilung Frauen bevorteilt und Männer ausbeutet. Bis heute ein Provokations-Bestseller. Der Vorverkaufspreis beträgt 16 Euro, an der Abendkasse 18 Euro. Ermäßigungen gibt es für Jugendliche sowie für (Schüler-)Gruppen ab zehn Personen. Reservierungen: Freiraum Oberndorf: 0664 / 6431727 Theatergruppe Oberndorf: 0677 / 62551846 E-Mail: info@freiraumoberndorf.at Ich freue mich. die tolle Rolle des Bastian zu spielen, eine Rolle, die man(n) sich nur wünschen kann.
von Hannes Heissl 9. September 2026
Eine 13-teilige Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation und therapeutische Macht Die Diskussion über „rituelle Gewalt“ und „Mind Control“ bewegt sich zwischen realen Erfahrungen von Gewalt, traumatischen Folgen, wissenschaftlich umstrittenen Erklärungsmodellen und teilweise weitreichenden Verschwörungserzählungen. Diese Podcastreihe versucht, diese Ebenen voneinander zu unterscheiden. Dabei geht es nicht darum, sexualisierte oder organisierte Gewalt zu leugnen. Solche Gewalt ist real und kann schwere psychische Folgen haben. Gleichzeitig müssen auch weitreichende Behauptungen über geheime Täter-Netzwerke, satanistische Rituale, gezielte Persönlichkeitsspaltung oder Mind Control wissenschaftlich geprüft werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Erinnerungen entstehen und welche Rolle therapeutische Suggestion spielen kann. Denn eine therapeutische Beziehung ist niemals nur ein Gespräch unter Gleichen. Therapeut*innen verfügen über Wissen, Autorität und Einfluss. Gerade deshalb tragen sie eine besondere Verantwortung dafür, zwischen Beobachtung, Hypothese und Gewissheit zu unterscheiden. Die Reihe fragt unter anderem: Was ist über rituelle und organisierte sexualisierte Gewalt tatsächlich bekannt? Welche wissenschaftlichen Belege gibt es für die weitreichende RG-MC-Erzählung? Was wissen wir über Dissoziation und DIS? Wie entstehen Erinnerungen und wie können falsche Erinnerungen entstehen? Was bedeutet es, wenn Erinnerungen erst während einer Therapie auftauchen? Wo beginnt therapeutische Suggestion? Was geschieht, wenn eine therapeutische Theorie zum Deutungsrahmen für nahezu alles wird? Wie können Patient ihre eigene Autonomie bewahren? Was können Therapeut tun, wenn sie eine frühere Überzeugung inzwischen kritisch sehen? Wo liegen die Grenzen wissenschaftlicher Kritik und berufsrechtlicher Sanktionen? Und wie können wir über dieses Thema sprechen, ohne entweder Menschen zu entwerten oder unbelegte Behauptungen zu bestätigen? Die Perspektive der Reihe ist hypnosystemisch: Nicht jede Erfahrung muss sofort abschließend erklärt werden. Zustände, Gefühle, Körperreaktionen und innere Anteile können ernst genommen und therapeutisch bearbeitet werden, ohne daraus automatisch eine bestimmte historische Geschichte abzuleiten. Denn: Wir können Menschen glauben, ohne jede Interpretation ihrer Vergangenheit zu glauben. Wir können Trauma behandeln, ohne eine bestimmte Tätergeschichte vorauszusetzen. Und wir können sagen: „Ich weiß es nicht.“ Diese Unsicherheit muss kein therapeutisches Defizit sein. Sie kann der Raum sein, in dem Selbstbestimmung wieder möglich wird. Die 13 Folgen Rituelle Gewalt und Mind Control – Was wissen wir eigentlich? Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird Die Macht der Erinnerung Du bist nicht dein Zustand Wenn der Therapeut die Geschichte mitliefert Michaela Huber – Koryphäe, Einfluss und fachliche Kritik Valeria Petkova – Wenn Mind Control zur Erklärung wird Wenn Therapie zur Weltanschauung wird 9. Wenn Therapeut aussteigen – Schuld, Loyalität und der Weg zurück Wenn du als Klient aussteigen willst Wem gehört die Geschichte eines Menschen? Portugal, Netzwerke und die Internationalisierung einer therapeutischen Schule Von SPIEGEL bis zum goldenen Aluhut – Wenn Wissenschaft, Therapie und Medien aufeinanderprallen Eine Podcastreihe über Trauma, Erinnerung, Dissoziation, Suggestion, therapeutische Verantwortung und die Freiheit, die eigene Geschichte selbst zu hinterfragen.
Cinematic conceptual illustration of a human silhouette standing in a dark, atmospheric room
von Florian Friedrich 8. September 2026
Rituelle Gewalt, Mind Control und falsche Erinnerungen: Eine psychotherapeutische und wissenschaftliche Einordnung von Trauma, Suggestion, Hypnose und Gedächtnis.
Körperbasiert reguliert - Podcast
von Florian Friedrich 8. September 2026
Willkommen zu deinem 52-wöchigen Jahres-Curriculum für somatische Selbstregulation.