Scham und sich schämen – Psychologische Hilfe

Florian Friedrich • 18. November 2025

Meine Hilfe in Salzburg / Hamburg, wenn Sie unter zu starken Schamgefühlen leiden

Ich biete psychologische Hilfe und Psychotherapie an, wenn Sie sich rasch und stark schämen oder schwere Beschämungen erleiden mussten. Zu starke Scham kann ein Traumafolgesymptom sein.

Scham und Beschämungen - Psychotherapie

Ist es gesund, wenn ich mich schäme?

Scham ist grundsätzlich eine angeborene Grundemotion. Wir haben die Disposition zur Scham. Wir lernen die Scham am Ende des ersten Lebensjahres.

Grundsätzlich ist Scham also gesund, denn sie stellt ein gesundes soziales Gefühl und Regulativ dar, welches unser gesellschaftliches Miteinander ordnet. Die Scham fragt uns an, wem und wann und in welcher Situation wir uns Menschen öffnen sollen und wie viel wir überhaupt von unserer Intimität preisgeben möchten. So ist es ein wesentlicher kognitiver Entwicklungsschritt, wenn Kinder meist ab dem Grundschulalter eine gesunde Körperscham entwickeln, Nacktheit vermeiden, und nicht mehr wie Kleinkinder nackt herumtoben.


Fühlt eine Person keine gesunde Scham, so wie das mehrheitlich bei Narzist*innen der Fall ist, dann sind wir peinlich berührt oder schämen uns stellvertretend fremd. Eine schamlose Person ist kein*e angenehme*r Zeitgenosse/Zeitgenossin.

In unserer narzisstischen Gesellschaft und Leistungskultur fühlen z.B. zu wenig Menschen eine gesunde Scham, wenn es um Intimes und Sexuelles geht.


Die Scham ist eine bedeutsame Hüterin unserer Würde und möchte uns und unsere Integrität schützen. Sie gehört zu einem gesunden Körperbewusstsein dazu. Scham schützt auch immer unsere inneren und äußeren Werte und Kostbarkeiten und verweist uns auf das Vorhandensein von eigenen Werten, die es zu schützen gilt. Zudem möchte die gesunde Scham unsere Person, deren Intimität und Würde bewahren. Es geht ihr um eine gute Distanz, um angemessene Grenzen, Achtung und Respekt. Wer Scham fühlt, der fühlt auch seinen Selbstwert und Wertschätzung gegenüber der eigenen Person.


Darum fühlen Menschen mit schweren Traumatisierungen und Störungen des Selbstwertes oft keine Scham, verhalten sich schamlos, beschämen andere und verletzen die Integrität, Würde und Grenzen ihrer Mitmenschen.

Schamlose Menschen sind in ihrem gestörten Narzissmus oft unerträglich. Sie haben zu wenig Empathie und gesunde Scham entwickelt. Nichts ist ihnen mehr peinlich, und sie können sich nicht in ihre Mitmenschen hineinversetzen. Dies zeigt, dass Scham ist ein wesentlicher Bestandteil unseres sozialen Miteinanders ist. Schamlosigkeit ist eine narzisstische Störung.



Traumatische und neurotische Scham

Wenn Eltern, Familien und andere Bezugspersonen ihren Kindern eine gesunde Scham behutsam und einfühlsam beibringen, so fördert dies Lern- und Entwicklungsprozesse. Arbeiten wir aber mit beschämenden Methoden der Schwarzen Pädagogik, so kann dies Kinder und Jugendliche traumatisieren. Sie schämen sich dann auch im Erwachsenenalter viel zu früh, zu schnell und auch wenn dies nicht angemessen oder begründet ist. Hier können wir auch von traumatischer oder neurotischer Scham sprechen.


Erwachsene Menschen schämen sich

  • wenn sie älter werden und ihr Körper nicht mehr den Schönheitsidealen des Jugendkultes entspricht
  • nach Scheidungen
  • wenn sie Singles sind
  • wenn sie zu wenig Sex haben
  • u.v.m.


Diese Schamgefühle werden fast immer stark von außen manipuliert.


Auch in der Sexualität spielen Beschämungen und Scham eine große Rolle. So schämen sich viele Menschen ihrer sexuellen Bedürfnisse, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer sexuellen Identität. Sie können dann nicht zu ihrer authentischen Lust, zu ihren personalen Bedürfnissen oder zu ihrer Identität stehen.

In einer Sexualtherapie geht es dann darum, wertschätzende und akzeptierende Räume zu schaffen, in denen offen über Sexualität gesprochen werden kann. 


Wie entwickelt sich gesunde Scham?

Gesunde Scham zu entwickeln ist ein bedeutender psychologischer Schritt. Wenn Kinder anfangen sich zu bewegen und zu krabbeln, werden ihre Eltern restriktiver, damit den Kindern nichts geschieht. Das "Nein" und die Begrenzungen sind gesund. Kinder wollen und sollen explorieren, brauchen aber trotzdem diese Begrenzungen und klare Strukturen. Diese äußeren Strukturen geben dem Kind nämlich auch innerlich Struktur. Sie lernen, sich selbst und ihre Bedürfnisse gesund zu regulieren.

Eltern schauen auf einmal strenger und sorgenvoller, wenn Kinder drohen, sich zu verletzen. Kinder suchen in diesem Alter den begeisterten Blick der Eltern, oft kommt dann aber ein strenger, ernster oder sorgenvoller Blick. Das Kind kommt hierauf in einen Freeze-Zustand. Es friert ein.

Gesunde Eltern regulieren dann diesen Scham-Kollaps ihrer Kinder. Diese Scham ist gut und wertvoll, bedarf aber der Regulierung durch die erwachsenen Bezugspersonen. Der Freeze war somit evolutionsbiologisch sinnvoll und sicherte das Überleben der Kinder bzw. der Menschheit. Scham zu entwickeln ist ganz wichtig. Sie ist eine soziale Genese des Kindes.

Eltern sollten das Kind immer aktiv aus dem Freeze und dem parasympathischen Kollaps herausholen. Das Kind ist dann wieder ruhig, fühlt sich wohl und erkundet die Welt neugierig aufs Neue. Auf diese Weise lernen Kinder einen gesunden Umgang mit Ambivalenzen, Ambiguitätstoleranz und Frustrationstoleranz. In der Gehirnentwicklung tut sich in dieser Phase am Ende des ersten Lebensjahres also immens viel.

Eltern, die selbst unter Frühstörungen und Bindungstraumen leiden, regulieren ihre Kinder in diesem Freeze-State meist überhaupt nicht oder viel zu wenig. Das Kind bleibt im Freeze, kommt von selbst nicht mehr heraus und leidet unter Hilflosigkeit und existentieller Angst.

Video von Dami Charf: "Wenn Scham ein gutes Zeichen ist"

Toxische Scham als Bindungstrauma / Entwicklungstrauma

Toxische Scham entwickelt sich auch dann, wenn die Eltern ihr Kind gekränkt anschweigen. Dieses Silence Treatment gilt als schwere psychische Gewalt. Die Eltern bleiben streng, abweisend und kühl und manipulieren auf diese Weise ihrem Kind noch stärkere Scham, oft auch Schuldgefühle. Das Kind kommt in den völligen Totstellreflex und macht sich bereit zu sterben.

Kinder kommen von selbst nicht aus dem Scham-Kollaps heraus und lernen ohne die Co-Regulierung ihrer Eltern, dass sie falsch, einsam, verlassen und schlecht seien. Je öfters dies passiert, desto tiefer brennt sich die toxische Scham als neurologisches Muster ein.


Toxische Scham und Schuldgefühle sind klassische Traumafolgesymptome und stehen einem guten, erfüllten Leben massiv im Weg. Bei traumatischer Scham wollen wir eigentlich im Boden versinken und aufhören zu existieren. Wenn ich chronische Scham und Schuldgefühle spüre, dann kann ich davon ausgehen, unter einem Bindungs- oder Entwicklungstrauma zu leiden.


Was ist der Unterschied zur Schuld?

Schuldig fühlen wir uns für falsche Taten, die wir durch Entschuldigen wiedergutmachen können. Die toxische Scham hingegen flüstert uns ein, dass wir als Person falsch seien. So ein innerer Monolog kann dann etwa wie folgend aussehen:

"Ich bin falsch. Irgendetwas muss mit mir falsch sein, ansonsten würden mich meine Eltern oder Bezugsperson liebevoller und besser behandeln."


Was ist Schamrage?

Schamrage und Schamhass entstehen dann, wenn die Hilflosigkeit zu groß, zu vernichtend und zu bedrohlich erlebt wird. Der Hass bzw. die Rage ist dann ein psychischer Selbstschutzmechanismus, eine innerseelische Reaktion auf Lebensgefahr und völlige Ohnmacht. Die Schamrage wird im Erwachsenenalter dann auch von Personen getriggert, die mit dem ursprünglichen Trauma nichts zu tun haben. Schamrage äußert sich in Abwertungen, Wutanfällen, Prügeleien, schweren Körperverletzungen bis hin zu Totschlag und Mord.


Fazit:

Keine Scham oder Schuldgefühle zu spüren ist ein Anzeichen einer schweren psychischen Erkrankung bzw. sogar eine Psychopathologie. Scham und Schuldgefühle helfen uns, tiefgehende zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Beide Gefühle ermöglichen es uns, uns in andere Menschen hineinzuversetzen, deren Perspektive einzunehmen, zu mentalisieren, zu validieren und sich empathisch zu verhalten.

Es ist also gesund, wenn wir uns schämen, wenn wir splitternackt unser Haus verlassen würden. Scham dient damit auch unserem Selbstrespekt und dem Respekt vor der Integrität der Mitmenschen.

Die giftige Scham jedoch zwingt uns dazu, unsere eigenen Bedürfnisse, unsere Würde und Integrität hintanzustellen und uns dadurch selbst abzuwerten.

Verena König: "Toxische Scham | Vom Schämen und Beschämtsein"

Die Traumatherapeutin Verena König fasst in diesem Podcast treffend zusammen, wann Scham gesund und natürlich ist, wann sie toxisch ist und wie wir uns von toxischer Scham befreien können.

trans*identität – Supervision und Teamsupervision
von Florian Friedrich 16. Februar 2026
Gruppensupervision für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Gutachter*innen, Pädagog*innen, Therapeut*innen und andere Berufsgruppen Ich biete regelmäßig an Samstagen von 11 bis 13 Uhr eine kostenlose online Supervisionsgruppe / Intervisionsgruppe für Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, die trans*Personen auf ihrem Weg der Transition in ihr Wunschgeschlecht begleiten und/oder Gutachten bzw. Stellungnahmen für Hormontherapien und Operationen verfassen. In dieser Gruppe können wir alle viel voneinander lernen, Fallvignetten einbringen, unser Schwarmwissen bündeln, netzwerken und auch Länder übergreifend zusammenarbeiten. Die Gruppe ist offen, d.h. Sie können jederzeit dazustoßen. Ich selbst koordiniere die Gruppe nur, bin aber im Sinne der Intervision ein Teil der Gruppe und nicht deren Leiter. In der Gruppe können Einzelfälle, aber auch Themen eingebracht werden. Mögliche Themen sind: Gutachten erstellen Sorgen wegen Detransition und Fehldiagnosen Rechtliches und Haftung bei Detransition Autismus, ASS und ADHS in der Kombination mit trans*Identitäten genderfluide und non binäre Lebensweisen Rechtliche Aspekte Andere LGBTIQA* Themen Wann sind die nächsten Termine? Samstag, 21. Februar 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 25. April 2026 von 11 bis 13 Uhr Samstag, 4. Juli. 2026 von 11 bis 13 Uhr  Einzeln oder im Team Des Weiteren biete ich (kostenpflichtige) Supervisionen (einzeln oder Teamsupervision) und Coaching für helfende Berufsgruppen an, die mit trans*identen (transgender, transsexuellen, diversen, nicht binären, genderfluiden) Personen arbeiten, etwa für Pädagog*innen, Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen, Ärzt*innen und Gutachter*innen. Die Supervisionen sind auch online möglich. Viele Psychotherapeut*innen und Gutachter*innen sind sich unsicher, wie sie mit trans*Personen und der Geschlechtsidentität von Menschen arbeiten und therapeutisch vorgehen sollen und lehnen dann trans*idente und non-binäre Menschen ab. Unter Umständen liegt dies daran, dass trans*Personen oft gar keine klassische Psychotherapie benötigen, da es ja nicht um die Heilung von Symptomen oder einer psychischen Erkrankung geht, sondern vielmehr um eine aktive Unterstützung auf dem Weg der Transition und der persönlichen Entwicklung. Insofern stellt eine Zwangs-Psychotherapie für uns als Helfer*innen, aber auch für unsere Klient*innen / Patient*innen eine Restriktion dar, die oft als entwürdigend erlebt wird.
Somatopsychik – Wenn der Körper die Psyche beeinflusst
von Florian Friedrich 30. Januar 2026
Somatopsychik nach Gunther Schmidt: Wie der hypnosystemische Ansatz Körper & Psyche verbindet – verständlich erklärt & praxisnah.
Systemische Beratung und Therapie in Salzburg / Hamburg
von Florian Friedrich 27. Januar 2026
Hypnosystemisches Coaching Der hypnosystemische Ansatz geht auf den Arzt, Betriebswirten und Psychotherapeuten Gunther Schmidt zurück. Dieser war ein Schüler des Hypnotherapeuten Milton Erickson (1901-1980). Gunther Schmidt hat die lösungsorientierte systemische Familientherapie und Beratung mit der kompetenzaktivierenden Hypnotherapie Ericksons verbunden und damit die systemische Therapie massiv und nachhaltig weiterentwickelt. Gunther Schmidt ist ärztlicher Direktor der sysTelios Klinik , und er überzeugt mich von allen systemischen Therapeut*innen am meisten. Ich biete systemische und hypnosystemische Therapie, Beratung und Coaching in Salzburg und Hamburg an. Gerne komme ich auch in Ihren Betrieb. Existenzanalyse und Hypnosystemik Hören Sie den Podcast: Sounds of Science Spezial / Christian Kuhlmann, Alfried Längle & Gunther Schmidt - Hypnosystemik und Existenzanalyse
Hypnosystemische Psychotherapie
von Florian Friedrich 23. Januar 2026
Was ist Psychotherapie im hypnosystemischen Verständnis? Beratung, Coaching u nd Psychotherapie sind Wege, Menschen darin zu unterstützen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Psychotherapie bedeutet ursprünglich „Behandlung der Seele“ – im hypnosystemischen Ansatz (nach Gunther Schmidt) meint sie vor allem eine Begleitung von inneren und äußeren Veränderungsprozessen, die Leid lindern und Entwicklungsprozesse ermöglichen. Psychische Symptome werden dabei nicht primär als „Störungen“, sondern als sinnvolle Ausdrucksformen innerer Prozesse verstanden. Sie zeigen an, dass ein inneres System aus dem Gleichgewicht geraten ist oder dass wichtige Bedürfnisse bisher nicht ausreichend berücksichtigt werden konnten. Psychotherapie unterstützt Sie darin, wieder Zugang zu Ihrer inneren Kompetenz, Selbstregulation und Lebendigkeit zu finden – zu jener Kraft und Energie, die Sie für ein erfülltes Leben benötigen.