Muss ich gendern? Vom Gender-Wahn und vom Gender-Trotz

Florian Friedrich • 19. November 2025

Von der repressiven Pflicht des Genderns

Nein, denn das Gendern sollte nicht repressiv werden.

Heute wird auch über das Gendern viel Missbrauch, Macht, Narzissmus, Hysterie und Ideologie ausgetragen. Die defizitäre und traumatisierte Psyche hängt sich an jedem Inhalt auf und gibt eigene Traumen und Verletzungen weiter. Menschen werden dann benachteiligt und diskriminiert, weil sie nicht gendern.

Gerade Menschen mit Entwicklungstraumen, Bindungstraumen und Frühstörungen werden regelrecht hasserfüllt und tragen ihre Traumafolgesymptome an Menschen aus, die nicht gendern oder nicht konsequent gendern. Sie realisieren dann nicht, dass sie selbst zu Tätern werden.

Muss ich gendern? Vom Gender-Wahn und vom Gender-Trotz

Wann ist gendern sinnvoll und wann nicht?

Gendern ist durchaus sehr sinnvoll, vor allem im Individuellen. Meine trans*identen Klient*innen strahlen immer, wenn ich sie in ihrem Wunschpronomen anspreche. Oft bin ich der Erste, der dies in ihrem Leben tut. Hier ist das Gendern wichtig, notwendig, ehrlich und authentisch.

Anders handhabe ich es in meinen Texten: Mal gendere ich, in anderen Texten wieder nicht. Ich weiß, dass viel übergriffige psychische Gewalt über das Gendern ausgetragen wird, wenn etwa Menschen einen Shitstorm erleben müssen, weil sie nicht gendern, oder wenn sich auf der Universität gleich die Genderbeauftragte einschaltet und eine Rüge erteilt, weil ein Lehrbeauftragter nicht gendert.


Gender-Wahn und Gender-Trotz

Genderverbote, wie sie etwa für die niederösterreichische Landesverwaltung erteilt wurden, sind eine (unangemessene und ebenfalls wiederum spaltende) Antwort, auf das repressive Gendergebot. Es braucht hier einfach keine Gebote, Verpflichtungen oder Verbote. Auch der Trotz der ÖVP und FPÖ in Niederösterreich, welche Genderverbote fordern, ist letztlich psychodynamisch und damit unfrei. 

Film: "Politisch korrekte Sprache - Muss das sein?"

Ich selbst verlange von niemandem ein Gendern. Ich denke, wir sollten uns da alle nicht gegenseitig spalten oder spalten lassen, sondern den Diskurs und personalen Dialog suchen, der echtes Interesse an der Meinung des anderen sucht. Nur so wird authentische innere und äußere Demokratie gelebt. Fühle Dich frei, nicht zu gendern oder zu gendern oder es bunt je nach Bedarf kreativ zu mischen. Sprache ist lebendig, verändert sich und will wie ein Instrument bespielt werden.


Dialog mit mir und dem anderen

Der echte Dialog könnte ergründen, was mich selbst am Gendern oder nicht-Gendern bewegt, was mir dabei wesentlich, wichtig ist, was mein personaler Wert am Gendern oder nicht-Gendern ist, aber auch was mir dabei Angst macht, mich verärgert, verunsichert oder mich sogar triggert und emotional aktiviert. Durch einen konstruktiven Dialog und Diskurs könnten wir lernen, uns und den/die andere*n besser zu verstehen und uns selbst, aber auch als Gesellschaft weiterzuentwickeln. Spaltung nützt niemandem etwas.

Ich habe mich medial diesbezüglich bereits öfters positioniert: Ein übertriebenes Gendern kann auch albern oder zwanghaft werden, vor allem dann, wenn das Gendern nicht mehr erwachsen im Dialog ausgehandelt wird, sondern wenn diesbezüglich von Gegnern und Befürwortern ein emotionaler Kampf geführt wird.

Worum geht es hier wirklich? Um Rechthaberei, um Macht, den eigenen Narzissmus, um eigene Verletzungen und Traumen, um Grabenkämpfe, um Privilegien?"

Film: "GENDER-VERBOT IN SACHSEN-ANHALT! Kein Sternchen und kein Unterstrich an Schulen"

Ein Beispiel für die ideologische Gender-Debatte: Mutter, Vater oder Elternteil

Warum überhaupt spalten? Mein Statement:

Ideologisch und abgeschnitten vom Spüren und Fühlen (eben gespalten) wird die Gender-Debatte sichtbar, wenn die Begriffe "Mutter" und "Vater" durch "Elternteil" oder "stillende Person" abgelöst werden sollen.

Worum geht es? Aus den Begriffen "Vater" und "Mutter" soll künftig "Elternteil" oder "Betreuungsperson" werden. Die Stadt Zürich hat einen neuen Newsletter der Mütter- und Väterberatung ausgesandt, in dem Eltern empfohlen wird, mit ihren Kindern eine genderneutrale Sprache zu verwenden – besonders, wenn sie mit ihnen über andere Familien sprechen. Begriffe wie "Kind", "Elternteil" oder "Betreuungsperson" sollten anstelle von "Mami" oder "Papi" gegenüber den Kindern gewählt werden.


Mein Kommentar:

Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Spalten schadet der Gender-Debatte massiv. Gendersensible Erziehung hat nichts mit Ideologie und korrekten, sterilen, leblosen Begriffen, wie etwa "gebärende, entbindende oder stillende Person" oder "austragendes Elternteil" zu tun, sondern einfach nur mit einer Offenheit und Wachsamkeit für die Gefühle, Bedürfnisse und die Identität der Kinder und deren Eltern. Wenn ich mich als Papa oder Mama oder das/der Florian erlebe, dann ist das immer richtig so und bedarf keiner Rationalisierungen, die abgehoben und dissoziiert von meinem Spüren sind.

Ob ich dann "Mama, Papa, Elternteil" oder "Lalula" sage, ist völlig nebensächlich. Ich verstehe hier die allgemeine Genervtheit, humorvolle Distanzierung, Wut und Empörung. Die spaltende Debatte löst aufgrund der spürbaren Ideologie und pseudo-Politischen Korrektheit auch in mir diese Gefühle aus. Es nervt mich einfach, was nicht heißt, dass ich es gutheiße, wenn dann wiederum gewaltvolle Reaktionen folgen.

Film: "Diskussion über "gendergerechte" Sprache"

Und wie ist es im öffentlichen Leben, etwa auf Formularen und in Dokumenten?

Eine Möglichkeit wäre es, auf Formularen und Dokumenten alle Bezeichnungen zu verwenden: "Mutter, Vater, Elternteil". Das öffnet den Raum und jeder kann sich dann angesprochen fühlen oder auch nicht, so wie das nun beim Geschlechtseintrag auch möglich ist. Aber nur "Elternteil" zu verwenden empfinde ich als zu eng.

"Mutter", "Vater" oder "diverser / non binärer Elternteil", alles könnte an Begriffen zur Auswahl stehen, da sind unserer Kreativität keine Grenzen gesetzt.


Liebe Grüße von Florian, selbst aus einer Regenbogenfamilie kommend, mit "Papa, Mama und Floh" (als Eltern bzw. nicht leiblicher Vater). Wir haben übrigens aus Jux, Spaß, Ironie und augenzwinkernd immer wieder die Pronomen vertauscht. Ich war manchmal "das Floh".

Das war immer gspürig und stimmig und mit einer spielerischen Freude verbunden, die uns einander nähergebracht hat. Diese Stimmigkeit und humorvolle Selbstdistanzierung vermisse ich in der ganzen Debatte. Da ist alles bitterernst und (wohl ungewollt) spaltend.

Verschwörungstheorien: Rufschädigung von Michaela Huber?
von Florian Friedrich 14. August 2026
Was sind Rituelle Gewalt und Satanic Ritual Abuse (SRA)? Rituelle Gewalt und SRA gibt es nicht, sie sind ein Märchen, eine Urbane Legende. Das Konstrukt ist eine Verschwörungstheorie, die unter Psychotherapeut*innen weit verbreitet ist und nicht hinterfragt wird. Die bekannte Traumatherapeutin Michaela Huber gilt als eine der Hauptvertreterinnen dieser Theorie. Das Narrativ behauptet, dass geheime Organisationen, wie etwa Satanssekten, im Untergrund Kinder missbrauchen, foltern, abrichten und mittels Mind Control fernsteuern. Rituelle Gewalt werde von der Politik, von der Justiz, von der Polizei und den Reichen und Mächtigen verschleiert. Gerade der nicht empirische Nachweis der Rituellen Gewalt sei ein Beweis für deren Existenz. Auch Behandlungsfehler durch Traumatherapeut*innen und das Suggerieren falscher Erinnerungen sind kein Beweis für die Existenz Ritueller Gewalt. Wer sich kritisch dagegen äußert, der wird massiv angefeindet und ihm wird rasch unterstellt, dass er selbst ein Teil dieser großen Verschwörung sei oder zumindest generell Gewalt an Kindern rechtfertige, ganz nach dem Motto: "Wer nicht für mich ist, ist gegen mich und auch gegen alle Opfer von Gewalt." Viele meiner Kolleg*innen wissen gar nicht, dass es sich bei dieser dümmlichen Theorie lediglich um ein Verschwörungsnarrativ handelt. Eine Klarstellung oder: Wer hat hier ihren eigenen einst guten Ruf geschädigt? Die bekannte Psychotherapeutin Michaela Huber verbreitet Verschwörungsgeschichten zu Satanismus, Satanic Panic und Ritueller Gewalt. Diese konnten bis heute nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden. Somit handelt es sich bei Ritueller Gewalt um eine Urbane Legende bzw. um ein Verschwörungsnarrativ, welches ein False-Memory-Syndrom suggerieren kann. Nachdem mir eine Kollegin auf einer Social-Media-Plattform unterstellt hat, ich würde bei der "renomierten" Kollegin Michaela Huber Rufschädigung und Diskreditierung begehen, dass diese mittlerweile entlastet worden sei (falsch!), dass ich ihren therapeutischen Ansatz abwerte (richtig, da fühle ich mich verstanden, wobei eine Verschwörungstheorie in meiner Welt kein psychotherapeutischer Ansatz ist) und dass mein Beitrag „vollkommen überflüssig sei“, habe ich ihr folgendes geantwortet: Michaela Huber gilt heute als sehr umstritten und wird sogar auf Wikipedia heftigst als Verschwörungstheoretikerin kritisiert. In Österreich würde ich Michaela Huber sofort bei der Ethikkommission melden, und eventuell würde ihr sogar die Zulassung als Psychotherapeutin entzogen werden, wenn sie sich nicht von ihren Verschwörungsgeschichten zur rituellen Gewalt distanziert. In Deutschland ist das leider etwas schwieriger. Michaela Huber wurde keinesfalls entlastet und konnte ihre Theorien bis heute nie beweisen. Ohne jedes Unrechtsbewusstsein oder die Bereitschaft, in einen wissenschaftlichen Dialog und Diskurs zu treten, verbreitet sie nach wie vor ihre esoterische Ideologie. So dürfen sich Psychotherapie-Schulen oder traumatherapeutische Ansätze, die einen seriösen Anspruch nach dem State-of-the-Art haben, nicht verhalten, so verhalten sich allerdings Sekten (was paradox ist, denn Huber postuliert ja, Satanssekten aufzudecken). Hier werden Huber und ihre Jünger*innen dem ganz ähnlich, was sie zu bekämpfen suchen.
Rituelle Gewalt, Trauma und Psychotherapie: Eine hypnosystemische Perspektive auf Erinnerung, Dissoz
von Florian Friedrich 14. August 2026
Rituelle Gewalt, Trauma und Psychotherapie: Eine hypnosystemische Perspektive auf Erinnerung, Dissoziation, Suggestion und therapeutische Verantwortung.
Rituelle Sexuelle Gewalt ist eine Legende
von Florian Friedrich 14. August 2026
Das Verschwörungsnarrativ von Michaela Huber Insgesamt gibt es mindestens 20 Definitionen von Ritueller Gewalt (RG). Dieser Artikel bezieht sich auf die Verschwörungstheorie der berühmten Traumatherapeutin Michaela Huber, ein Narrativ, das leider in der Therapieszene noch immer als selbstverständlich hingenommen und zu wenig hinterfragt wird. Lesen Sie in diesem Beitrag, warum Rituelle Sexuelle Gewalt (nach Michaela Huber) und Satanic Ritual Abuse (SRA) Legenden und klassische Verschwörungstheorien sind.
Falsche Erinnerungen - False Memory
von Florian Friedrich 9. August 2026
Was sind falsche Erinnerungen? Falsche Erinnerungen werden auch als "False Memory" bezeichnet. Viele Therapeut*innen haben ihren Patient*innen bereits sexuellen Missbrauch aufgeschwätzt und damit ganze Familien zerstört. Im Rahmen einer Traumatherapie kann es rasch passieren, dass Traumasymptome vorschnell und falsch interpretiert werden und Menschen dann durch ihre Psychotherapeut*innen falsche Erinnerungen eingesät werden. Traumatisierte Betroffene werden manchmal von ihren Psychotherapeut*innen dazu gebracht, daran zu glauben, sie seien als Kinder sexuell oder sogar rituell missbraucht worden. Wenn das nicht der Fall ist, kann das für die Patient*innen und deren Angehörige äußerst schädlich sein und wiederum traumatisieren. Die Patient*innen erleben dann erneut innerliche Starre, Totstellreflexe, totale Ohnmacht und Hilflosigkeit.