Geschlechtsangleichende Hormontherapie - was ist zu beachten?

Florian Friedrich • 2. November 2025

Wie wirken die hormonellen Maßnahmen?

Fast alle trans*Menschen sehnen die Hormonbehandlung herbei und können gar nicht früh genug damit beginnen. Dies ist verständlich angesichts des hohen Leidensdrucks der Geschlechtsdysphorie.


Sowohl Männer, Frauen als auch intersexuelle Menschen schütten weibliche und männliche Sexualhormone in unterschiedlicher Konzentration aus. Die geschlechtsangleichende Hormontherapie verändert die Konzentration dieser Hormone und passt sie an die Normwerte des gewünschten Identitätsgeschlechts an. Ein trans*Mann hat bei einer gut dosierten und effektiven Hormontherapie die Konzentration und den Hormonhaushalt eines durchschnittlichen Mannes, eine trans*Frau die einer biologischen Frau.

Trans*Frauen erhalten zusätzlich zu weiblichen Hormonen (Estrogenen) auch noch Androcur. Dabei handelt es sich um ein Medikament, welches die Produktion von Testosteron hemmt.

Hormontherapie bei trans*Identität - Tipps

In welcher Form werden Hormone verabreicht?

  • Estradiol als Gel, das auf die Haut aufgetragen wird oder als Tablette
  • Androcur als Tablette
  • Testosteron als Hautgel oder als Spritze, d.h. es kann auch intramuskulär verabreicht werden


Beachten Sie, dass Sie Vorkehrungen treffen müssen, wenn Sie einen Wunsch nach eigenen Kindern haben! In diesem Fall können Sie Ihre Spermien oder Eizellen vor dem Start der Hormontherapie einfrieren bzw. konservieren lassen.

Die Wirkung der Hormontherapie kann sehr unterschiedlich ausfallen und führt nicht immer zu den erwünschten Ergebnissen. Es kommt dann etwa bei trans*Männern kaum zu einem Wachstum von Bart oder Körperbehaarung, so wie das bei biologischen Männern eben auch höchst unterschiedlich ist. Auch nicht jeder biologische Mann hat einen dichten Bartwuchs oder starke Körperbehaarung. Eine realistische Erwartungshaltung ist eine gute Selbstfürsorge und mindert das Risiko von psychischen Problemen während oder nach der Transition.


Stimmungsschwankungen und starke Affekte

Estrogene und Testosteron können zu massiven Stimmungsschwankungen führen. Die Betroffenen berichten von plötzlichem Weinen (eher bei Estrogenen) oder Wutanfällen bis hin zu impulsivem Verhalten (eher bei Testosteron). Diese Stimmungsschwankungen ähneln denen von Jugendlichen in der Lebensphase der Pubertät. Trans*Menschen sollten ihr soziales Umfeld darüber informieren, dass diese emotionalen Achterbahnfahrten eine typische Nebenwirkung der Hormontherapie und ganz normal sind. Hier können dann auch gute partnerschaftliche Gespräche sinnvoll sein.

Wenn die Emotionen sehr stark sind und mit hoher Anspannung einhergehen, dann können auch Techniken der Emotionsregulation und des Skillstrainings sehr sinnvoll und effektiv sein.



Das Passing nach der Hormontherapie

Passing meint, dass eine Person in ihrem Wunschgeschlecht erkannt und dechiffriert wird. Eine trans*Frau geht dann auch optisch und äußerlich als eine Frau durch und erlebt weniger Stigmatisierungen und Kränkungen als eine trans*Frau mit schlechtem Passing.


Ein gutes Passing gestaltet sich für trans*idente Frauen schwieriger und komplexer als für trans*Männer.

Trans*idente Männer erlangen durch eine maskulinisierende Hormonbehandlung und Sport fast immer ein männliches Aussehen und sind nicht mehr als nicht-biologische Männer erkennbar. Die durch die Hormontherapie eingeleitete männliche Pubertät und eine zusätzliche Mastektomie verändern das Äußere massiv.

Trans*Frauen hingegen verändern sich durch die feminisierende Hormontherapie viel weniger, manchmal auch kaum und sind häufig als biologische Männer erkennbar, d.h. das Passing ist eher schlecht. Oft kommt es nur zu einem Brustwachstum und einer etwas anderen Umverteilung des Fettgewebes. Deshalb streben auch viele trans*Frauen mehr ergänzende Behandlungsmaßnahmen an.

Dazu zählen:

  • Epilationen der Körperbehaarung und des Bartes mittels Lasertechnik
  • Logopädie
  • Stimm-, Sprech- und Atemtraining zur Veränderung der Stimmfrequenz
  • Phonochirurgische Behandlungen


Im Gegensatz zu trans*Männern, bei denen aufgrund der Hormone die Stimme markant tiefer wird, verändert sich die Stimmfrequenz bei trans*Frauen auch durch eine Hormonbehandlung nicht.

Ein logopädisches Stimmtraining erfordert zwar viel Übung und Disziplin, allerdings ist der Effekt massiv und die Stimme klingt danach meist typisch weiblich und feminin. Bei Erkältungskrankheiten, beim Husten oder beim spontanen Lachen jedoch kann die ursprüngliche Männerstimme als solche erkannt werden. Aus diesem Grund ist viel Selbstkontrolle nötig, die Kraft und Ressourcen bindet und trans*Frauen erschöpfen kann.

Posttraumatische Belastungskompetenz
von Florian Friedrich 15. Januar 2026
Wenn aus Überleben Verbundenheit entsteht Traumatische Erfahrungen können das Leben eines Menschen grundlegend erschüttern. Sie greifen tief in das Erleben von Sicherheit, Beziehung, Identität und Sinn ein. Wird aus dieser Erschütterung eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) , stehen meist Symptome, Defizite und Einschränkungen im Vordergrund: Flashbacks, Übererregung, Vermeidung, emotionale Taubheit, Beziehungsabbrüche. Doch neben dem oft langjährigen Leid entwickeln viele Menschen, die sich intensiv mit ihrer PTBS auseinandergesetzt haben, von einer neuen Tiefe, einer veränderten Art, sich selbst und anderen zu begegnen, von gewachsenen inneren Fähigkeiten. Diese Entwicklung lässt sich als Posttraumatische Belastungskompetenz beschreiben.
Trauma nach einer Brandkatastrophe: Was hilft?
von Florian Friedrich 14. Januar 2026
Wie du einer PTBS vorbeugen kannst (inklusive Selbsthilfemethoden aus dem Somatic Experiencing®) Aus aktuellem Anlass ( Brandkatastrophe von Crans-Montana ) möchte ich hier über ein paar psychische Erste-Hilfe-Maßnahmen schreiben. Einen schweren Unfall oder eine Brandkatastrophe mitzuerleben – etwa Schreie zu hören, Brandgeruch wahrzunehmen oder Bilder von brennenden Menschen zu sehen – kann tief erschüttern - übrigens auch dann, wenn wir lediglich Videos im Internet und in den Medien davon sehen. Viele Betroffene und Zeug*innen sind im Nachhinein verunsichert von ihren Reaktionen. Wichtig i st: Starke körperliche und seelische Reaktionen sind normale Antworten auf ein extremes Ereignis. Sie bedeuten nicht, dass du durchdrehst oder zwangsläufig eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickeln wirst. Dieser Artikel erklärt, warum Flashbacks auftreten, was in den ersten Tagen und Wochen hilft, und wie Selbsthilfemethoden aus dem Somatic Experiencing (SE) die Verarbeitung unterstützen können. Übrigens soziale Unterstützung schützt stark und ist einer der wichtigsten präventiven Wirkfaktoren, um keine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln. Menschen, die: über das Erlebte sprechen können emotionalen Rückhalt bekommen körperlich und emotional gehalten werden sich verstanden und ernst genommen fühlen haben ein deutlich geringeres PTBS-Risiko . Soziale Bindung wirkt wie ein Puffer gegen traumatische Überforderung.
Was ist
von Florian Friedrich 10. Januar 2026
Zu hohe Idealvorstellungen und Klischees, die uns im Weg stehen Viele Menschen haben sehr verkopfte Konstrukte und Konzepte von „Wahrer Liebe“. Emotional betrachtet ist Liebe ein starkes körperliches und seelisches Gefühl, das viele Menschen im Brustraum oder um die Herzgegend, aber auch von Kopf bis Fuß spüren. Viele fühlen Liebe als innere Wärme, als ob eine kleine Sonne aufginge und uns innerlich erstrahlen ließe. Das Gefühl Liebe ist losgelöst von der Sexualität. Dabei kann die Liebe die Sexualität ergänzen, dies ist jedoch nicht immer zwingend der Fall. Das körperliche und emotionale Fühlen von Liebe können wir bei Sexualpartner*innen, aber auch bei Freund*innen, in der Natur, für unsere Kinder, Eltern, Tiere u.v.m. erleben. Das gesellschaftliche Konstrukt „Wahre Liebe“ ist allerdings ein Mythos, denn Liebe ohne Konflikte und Begrenzungen gibt es nur in Märchen oder Hollywoodfilmen kurz vor dem Ende des Streifens. Mit der Realität hat das Ganze wenig zu tun. Ich biete Paartherapie, Paarcoaching und Beratung an, wenn Sie bemerken, dass Sie unter zu hohen und irrealen Idealvorstellungen von "Wahrer Liebe" leiden.
Das Nachlassen der Verliebtheit bei Bindungsstörungen
von Florian Friedrich 10. Januar 2026
Warum trennen sich viele Menschen nach der ersten Verliebtheit zu früh? Idealisierung und Realitätsverzerrung Wenn wir frisch verliebt sind, idealisieren wir oft den/die andere*n, ohne sie/ihn so zu sehen, wie er/sie im tiefsten Innersten wirklich ist und ohne in seinen/ihren authentischen (personalen) Kern zu blicken. Wir sehen sie/ihn dann so, wie wir sie/ihn gerne haben würden. Das Wort „Verliebtheit“ hat sicherlich nicht zufällig die Vorsilbe „ ver- “, weil wir oft irren, wenn wir VERliebt sind, uns etwas vormachen, Frühwarnzeichen nicht beachten oder uns selbst täuschen. Wir leiden in der Verliebtheit unter leichten Symptomen von Realitätsverlust, was uns aber angesichts der vielen Glücks- und Bindungshormone, die der Körper ausschüttet, egal ist. Wir verdrängen in der Regel nur allzu gerne, dass dieser überoptimale Zustand irgendwann auch wieder sein Ende haben wird. In diesem realitätsverzerrten Zustand besetzen wir den anderen Menschen mit Wünschen, Idealvorstellungen und Fantasien, die im Gegenüber gar nicht vorhanden sind. Sogar Unstimmigkeiten und Gegensätze werden positiv gedeutet und idealisiert: „ Gegensätze ziehen sich an “ oder „ wir ergänzen einander “. Diese erste Verliebtheit führt rasch zu einer so starken Bindung, dass sie in der Regel als zu intensiv und damit als anstrengend erlebt wird. Dies ist ein typisches Traumafolgesymptom: Sich immens stark zu binden, bevor wir den/die andere*n gut kennen. Aus diesen Idealisierungen, dem Himmel, wird dann rasch die Hölle. Es kommt zu massiven Kränkungen, Enttäuschungen, zu Ohnmachtserfahrungen und Hass, mit denen die Betroffenen nicht selbstregulierend umzugehen vermögen. Lesen Sie in diesem Artikel, warum Menschen mit Bindungsängsten rasch ihre Partnerschaften beenden, wenn die erste euphorische Verliebtheit schwindet.