Emotional instabil: die Borderline Persönlichkeitsstörung

Florian Friedrich • 6. August 2025

Was ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Die Borderline-Störung ist eine weit verbreitete Persönlichkeitsstörung und stellt ein komplexes Krankheitsbild dar. Borderline kann anhand verschiedener Verhaltensweisen und bezeichnender Persönlichkeitszüge diagnostiziert werden. Für die Diagnose muss insbesondere ein stark impulsives Verhalten sowie ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in den Affekten, im Selbstbild und in zwischenmenschlichen Beziehungen vorhanden sein. Meist zeigen sich die Verhaltensweisen über einen längeren Zeitraum und haben sich bereits während der Pubertät abgezeichnet.

Wenn eine Borderline-Störung sehr stark ausgeprägt ist, dann zählt sie zu den Persönlichkeitsstörungen bzw. Beziehungsstörungen. Borderline wird auch als "emotional instabile Persönlichkeitsstörung" bezeichnet.


Typisch dafür ist, dass die Betroffenen rasch jede Kontrolle über ihre Impulse verlieren, und zwar ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Menschen mit Borderline leiden unter ihren starken Stimmungsschwankungen und emotionalen Achterbahnfahrten. Ihr Selbstbild ist vornehmlich gestört. Nicht selten bekommen Menschen mit Borderline Wutanfälle, explodieren, werden gewalttätig oder verletzen sich selbst und andere. Partnerschaften, Ehen, Familien und die eigenen Kinder können massiv darunter leiden.

Emotional instabil:  die Borderline Persönlichkeitsstörung

Wie wird Borderline diagnostiziert?

Es müssen mindestens fünf der folgenden Kriterien erfüllt sein, damit eine Borderline-Störung vorliegt:

  1. Ein verzweifeltes Bemühen, reales oder imaginäres Alleinsein zu verhindern
  2. Ein Muster von instabilen und intensiven zwischenmenschlichen Beziehungen
  3. Identitätsstörungen: eine ausgeprägte Instabilität des Selbstbildes oder des Gefühls für sich selbst
  4. Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (z.B. Geldausgeben, Sex, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, Essanfälle)
  5. Wiederkehrende Suiziddrohungen, -andeutungen oder –versuche oder selbstschädigendes Verhalten
  6. Affektive Instabilität, die durch eine ausgeprägte Orientierung an der aktuellen Stimmung gekennzeichnet ist (z.B. starke episodische Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit oder Angst)
  7. Ein chronisches Gefühl der Leere
  8. Unangemessen starke Wut, starker Hass und Selbsthass oder Schwierigkeiten, Wut oder Ärger zu kontrollieren (z.B. häufige Wutausbrüche, andauernder Ärger, wiederholte Prügeleien)
  9. Vorübergehende stressabhängige paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.


Nicht jeder Mensch mit Borderline verletzt sich selbst

Ritzen und Schneiden sind ein Klischee. Denn nicht alle Betroffenen, die an Borderline leiden, fügen sich selbst Verletzungen zu. Auch sind nicht alle suchtkrank. Allerdings tritt die Borderline-Störung meist mit anderen Krankheiten und Störungsbildern auf.

Kurzfilm von 37 Grad: "Borderline: Jennifers Leben in Extremen"

Die Diagnose Borderline kann ein Stigma sein

Menschen mit Borderline werden oft schnell aufgrund ihrer Diagnose stigmatisiert. In meiner Arbeit mache ich allerdings immer wieder die Erfahrung, dass die Betroffenen über zahlreiche Ressourcen verfügen. So sind viele Personen mit der Diagnose Borderline sehr kreative und künstlerische Menschen, haben oft vielfältige Begabungen, Feinfühligkeit und spüren rasch, was in anderen Menschen vorgeht, haben Humor, sind herzlich und zu intensiven Gefühlen fähig und begeisterungsfähig.


Menschen mit Borderline sind nicht manipulativer als andere Personen

Oft wird Personen mit Borderline unterstellt, dass sie sehr manipulativ seien. Diese Erfahrung kann ich als Psychotherapeut so nicht bestätigen. Wenn das soziale Umfeld gut, klar und strukturiert mit den Betroffenen umgeht, dann verhalten sich Personen mit Borderline nicht mehr oder weniger manipulativ als andere Menschen auch. Ein missbräuchliches und gewaltsames Umfeld hingegen kann für Menschen mit Borderline sehr gefährlich werden, und sie müssen dann manipulieren, um psychisch zu überleben.

Menschen, die unter narzisstischen Persönlichkeitsstörungen leiden, sind signifikant manipulativer als Personen mit Borderline.


Ressourcen und Stärken

Noch einmal möchte ich die Ressourcen und Stärken von Menschen betonen, die unter Borderline leiden:

  • oft hohe Feinfühligkeit und ein intensives Spüren
  • soziale Kompetenzen
  • viel Fantasie, die Fähigkeit zu imaginieren, Kreativität
  • Begeisterungsfähigkeit
  • oft Herzlichkeit


Psychotherapie und psychologische Hilfe in Salzburg, Wien, Hamburg und Berlin

Wenn Sie sich als emotional instabil erleben, dann können Sie sich gerne an mich wenden.

In der Psychotherapie helfe ich Ihnen:

  • Ihre Emotionen mithilfe von Skills besser zu regulieren
  • eine bessere Selbstfürsorge zu entwickeln
  • Wunden und Traumafolgestörungen aus der Biografie zu lindern


Dabei arbeite ich integrativ mit Ansätzen aus der Existenzanalyse, der Dialektisch-Behavioralen-Therapie, der Schematherapie, der Akzeptanz- und Commitmenttherapie, der Verhaltenstherapie und der schonenden Traumatherapie.

Posttraumatische Belastungskompetenz
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Was ist
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Zu hohe Idealvorstellungen und Klischees, die uns im Weg stehen Viele Menschen haben sehr verkopfte Konstrukte und Konzepte von „Wahrer Liebe“. Emotional betrachtet ist Liebe ein starkes körperliches und seelisches Gefühl, das viele Menschen im Brustraum oder um die Herzgegend, aber auch von Kopf bis Fuß spüren. Viele fühlen Liebe als innere Wärme, als ob eine kleine Sonne aufginge und uns innerlich erstrahlen ließe. Das Gefühl Liebe ist losgelöst von der Sexualität. Dabei kann die Liebe die Sexualität ergänzen, dies ist jedoch nicht immer zwingend der Fall. Das körperliche und emotionale Fühlen von Liebe können wir bei Sexualpartner*innen, aber auch bei Freund*innen, in der Natur, für unsere Kinder, Eltern, Tiere u.v.m. erleben. Das gesellschaftliche Konstrukt „Wahre Liebe“ ist allerdings ein Mythos, denn Liebe ohne Konflikte und Begrenzungen gibt es nur in Märchen oder Hollywoodfilmen kurz vor dem Ende des Streifens. Mit der Realität hat das Ganze wenig zu tun. Ich biete Paartherapie, Paarcoaching und Beratung an, wenn Sie bemerken, dass Sie unter zu hohen und irrealen Idealvorstellungen von "Wahrer Liebe" leiden.
Das Nachlassen der Verliebtheit bei Bindungsstörungen
von Florian Friedrich 10. Januar 2026
Warum trennen sich viele Menschen nach der ersten Verliebtheit zu früh? Idealisierung und Realitätsverzerrung Wenn wir frisch verliebt sind, idealisieren wir oft den/die andere*n, ohne sie/ihn so zu sehen, wie er/sie im tiefsten Innersten wirklich ist und ohne in seinen/ihren authentischen (personalen) Kern zu blicken. Wir sehen sie/ihn dann so, wie wir sie/ihn gerne haben würden. Das Wort „Verliebtheit“ hat sicherlich nicht zufällig die Vorsilbe „ ver- “, weil wir oft irren, wenn wir VERliebt sind, uns etwas vormachen, Frühwarnzeichen nicht beachten oder uns selbst täuschen. Wir leiden in der Verliebtheit unter leichten Symptomen von Realitätsverlust, was uns aber angesichts der vielen Glücks- und Bindungshormone, die der Körper ausschüttet, egal ist. Wir verdrängen in der Regel nur allzu gerne, dass dieser überoptimale Zustand irgendwann auch wieder sein Ende haben wird. In diesem realitätsverzerrten Zustand besetzen wir den anderen Menschen mit Wünschen, Idealvorstellungen und Fantasien, die im Gegenüber gar nicht vorhanden sind. Sogar Unstimmigkeiten und Gegensätze werden positiv gedeutet und idealisiert: „ Gegensätze ziehen sich an “ oder „ wir ergänzen einander “. Diese erste Verliebtheit führt rasch zu einer so starken Bindung, dass sie in der Regel als zu intensiv und damit als anstrengend erlebt wird. Dies ist ein typisches Traumafolgesymptom: Sich immens stark zu binden, bevor wir den/die andere*n gut kennen. Aus diesen Idealisierungen, dem Himmel, wird dann rasch die Hölle. Es kommt zu massiven Kränkungen, Enttäuschungen, zu Ohnmachtserfahrungen und Hass, mit denen die Betroffenen nicht selbstregulierend umzugehen vermögen. Lesen Sie in diesem Artikel, warum Menschen mit Bindungsängsten rasch ihre Partnerschaften beenden, wenn die erste euphorische Verliebtheit schwindet.